Montessori nicht nur in Privatschule
Region heilbronn Zwei Grundschulen stellen auf individuelles Lernen und Fördern um
Region Heilbronn - Zwei Grundschulen in Stadt und Landkreis Heilbronn unterrichten ab Herbst 2008 in Anlehnung an Maria Montessori. Für 26 Lehrkräfte beginnt deshalb jetzt eine Serie von Fortbildungs-Veranstaltungen. Die Akademie für Information und Management Heilbronn-Franken bildet sie aus.
Warum nur zwei, warum machen sich nicht alle 120 Grundschulen im Bereich der Heilbronner Schulämter auf den Weg, Kinder individuell und begabungsgerecht zu fördern und zu unterrichten? Der Chef des Schulaufsichtsamts, Wolfgang Seibold, zählt die Montessori-Pädagogik in öffentlichen Schulen nach wie vor zu den „Orchideen“ – sie haben großen Seltenheitswert. Und doch schätze er jede Orchidee, die sich zeige. Er denkt da an die sogenannten Kleeblattschulen in Nordhausen, Stetten und Massenbach oder an die mehr als 50 Schulen in der Region, die auf die neuen Unterrichtsmethoden nach Heinz Klippert setzen. Jetzt also werden die Ludwig-Pfau-Schule Heilbronn und die Grundschule in Jagstfeld „Montessori-Schulen“. Beide sind zweizügig, haben zwischen 210 und 240 Grundschüler und Vorbereitungsklassen für Kinder, die zuerst noch Deutsch lernen müssen.
Mit dem viel zitierten Satz „Hilf mir, es selbst zu tun“ wird die Montessori-Pädagogik meistens umschrieben. Die Kinder erarbeiten sich ihr Wissen selbst. Für sogenannte Freiarbeit müssen in der Schule die Voraussetzungen geschaffen und jede Menge anschauliche, begreifbare Arbeitsmaterialien hergestellt werden. In Deutsch, Mathematik und Menuk (Mensch, Natur und Kultur) hält das Lernen nach Maria Montessori Einzug.
Mehr als 75 Prozent der Lehrerkollegien beider Schulen wollen die Montessori-Pädagogik lernen und anwenden. Das war Voraussetzung für ihre kostenfreie Teilnahme an der 80-stündigen Fortbildung. Dazu kommt noch ein 16-Stunden-Seminar, das die Grundschullehrkräfte in die Geheimnisse der Experimentierkiste der Didaktikerin Dr. Beate Drechsler-Köhler einweiht. 30 Kinder machen in Zweier-Grüppchen eingeteilt völlig selbstständig 48 Experimente – sie lernen beim Selbertun.
Das ist es auch, was die Mütter Jolanda Michelmann und Dr. Matthia Löbke anzieht. Ihre Kinder sind eifrige Waldkindergartenbesucher und sollen ab Herbst in die Pfau-Schule. „Wir freuen uns darauf“, sagt Löbke, die froh ist, eine öffentliche Schule gefunden zu haben, die sich auf Montessori einlässt: „Das ist eine Bereicherung des Bildungsangebotes.“ Pfau-Rektor Peter Bezner gesteht, dass seine Schule der Katholischen Freien Schule, „der Konkurrenz gegenüber“, etwas Eigenständiges entgegensetzen will, zu Klippert-Unterricht und Sozialtraining passt Montessori.
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