Manege frei für Heilbronner Weihnachtszirkus
Heilbronn - 40 Artisten aus zwölf Nationen zeigen noch bis 6. Januar 2011 auf der Heilbronner Theresienwiese atemberaubende Akrobatik. Rund 70.000 Zuschauer erwarten die Veranstalter zu den 30 Vorstellungen.
Heilbronn - Der Höhepunkt kommt am Schluss, so wie es in einer guten Unterhaltungsshow sein muss: Wenn die Truppe Chernievski sich gegenseitig wie Katapulte behandeln, ducken sich die Zuschauer in der ersten Reihe weg. Atemberaubende Akrobatik bot gestern die Schleuderbrettnummer bei der Premiere des Weihnachtszirkus auf der Heilbronner Theresienwiese. Erstickte Angstschreie begleiten die Sprünge der mit dem Oscar der Artisten preisgekrönten Nummer. Reicht die Höhe des Zirkuszeltes? Immer höher, immer schwieriger sind die Sätze der Springer. Keine Zeit um die Salti zu zählen, bis der Körper in acht, neun Meter Höhe wie selbstverständlich in einen Stuhl plumpst, den die Kollegen auf Stöcken gen Zeltdach hieven.
Verspätung
Zirkusmananger Sascha Melnjak war vor der ersten Vorstellung ein bisschen mulmig zumute. Einige Künstler kamen erst mit einigen Tagen Verspätung aus Paris von einer Gala auf dem Heilbronner Festplatz an. Gegen den Winter sind auch die virtuosesten Akrobaten machtlos. Zu wenig Zeit, um zu proben. Doch als die Mange frei war, lief vor 2400 Zuschauern nicht nur bei der Truppe Chernievski alles wie geschmiert. Auch die "Goldmenschen" des Trios Laruss trotzen mit ihren Schwebefiguren der Schwerkraft. Jede Pose ein Applaus. Keine Miene verziehen die Drei aus Ungarn, obwohl ihre Körper Extrembelastungen ausgesetzt sind.
Tränen haben Matthias Kretschmer (44) und seine Frau Elke (42) über die José Mitchel Clowns gelacht. Die feuchten Augen passten prächtig zur nassen Nummer. Die Spanier spielen auf einem Klospülkasten Saxofon und sparen auch sonst nicht bei ihren Wasserspielen mit dem Element. Da bleibt kein Auge trocken.
Raubtiere
Die Mischung macht es eben auch beim Weihnachtszirkus aus. Die Unterkiefer der Besucher klappen vor Staunen herunter, als das Duo Garcia an ihrer fliegenden Rakete rotiert. Die Nummer der Iren ist wirklich ein bisschen irre: Mit den Zähnen hat sich eine Frau an einem Seil festgebissen und lässt sich daran so schnell durch die Luft drehen, dass einem schon beim Zuschauen schwindelig wird.
Die Tiere dürfen nicht fehlen: Dompteur Alexander Lacey hat sich beim Weihnachtszirkus zum Publikumsliebling gemausert. Seine Tiger und Löwen laufen auf zwei Beinen durch den Käfig. Das Gegenstück zu Laceys Katzen sind die Stubentiger von Olandar. Der Russe lässt die Hauskatzen Pirouetten drehen und durch einen Ring springen, so wie es ihm und dem Publikum gefällt. Und dem gefällt es super. Auch wegen anderer Tiere. Kamele tauchen bei der Exotenschau aus dem Nebel des Trockeneises auf. Sogar ein Känguru hat einen Kurzauftritt. "Das fand ich süß", sagt Patrick Schuster (12). Nicht nur er.
Der Heilbronner Weihnachtszirkus mit seinen 40 Artisten aus zwölf Nationen gastiert noch bis 6. Januar 2011 auf der Theresienwiese. 70.000 Zuschauer erwarten die Veranstalter bei insgesamt 30 Vorstellungen. Die Hälfte der Tickets sind bereits verkauft. Info und Kartenservice unter 0700- 59800000 oder www.weihnachtscircus.com.
Der Zirkus schreibt sich auf seinen Plakaten „Circus“, weil dies international so üblich sei, heißt es. Und das C der Manegenform ähnele.

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