Kaffeemaschinen verraten jedes Geheimnis

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Seit 40 Jahren repariert die Böckinger Firma Weissert defekte Elektrogeräte

Mit einem Computer und der passenden Software machen sich Michael Weissert (links) und Helmut Kuch in ihrem Elektrogeräte-Reparaturbetrieb auf Fehlersuche bei Kaffeemaschinen.
          Foto: Marion Mockler
Mit einem Computer und der passenden Software machen sich Michael Weissert (links) und Helmut Kuch in ihrem Elektrogeräte-Reparaturbetrieb auf Fehlersuche bei Kaffeemaschinen. Foto: Marion Mockler

Porträt

Von Marion Mockler

Normalerweise reicht das Einzugsgebiet der Elektronikfirma Weissert aus Böckingen nicht bis nach Polen. Aber es gibt Ausnahmen: „Eine Kundin kam mit einer kaputten Mikrowelle, die der Elektriker vor Ort nicht reparieren konnte. Es stellte sich heraus: Der Kollege saß in Warschau.“

Inhaber und Geschäftsführer Michael Weissert kennt viele solcher Geschichten. Seine Firma lebt seit 40 Jahren ausschließlich von der Reparatur defekter Elektrogeräte. Der Großteil seiner Kunden kommt aus dem Raum Heilbronn, aus Ludwigsburg oder Öhringen.

Aber das Beispiel zeigt, wie ein Handwerker auch in Zeiten von Billig-Anbietern und Wegwerf-Gesellschaft mit Kundendienst überleben kann: „Die Leute kommen, weil sie uns schon seit Jahren kennen.“

Oft Garantiefälle Meist sind die Reparaturen Garantiefälle des Vertragspartners Bosch und Siemens Hausgeräte. Aber wenn das kaputte Gerät hochwertig genug ist, lassen es Kunden auch auf eigene Rechnung reparieren. „Manchmal kostet das Ersatzteil fast so viel wie ein neues Gerät. Aber es gibt noch Leute, die sagen: Bauen Sie es ein“, erzählt der Inhaber.

Manche seiner etwa 62 000 Kunden kennen die Firma seit ihren Anfängen. 1966 gründeten Günter Weissert und Hans Nill den Betrieb, zunächst noch in der Heilbronner Südstraße. 1988 übernahm Michael Weissert die Firma. Sein Geschäftsführer Helmut Kuch ist schon seit 39 Jahren und damit fast von Anfang an dabei.

Kuriositäten Er hat in fast vier Jahrzehnten so manche Kuriosität auf die Werkbank bekommen. „Bei vielen Geräten fragt man sich schon: Wer kauft sich denn sowas?“ sagt Kuch. Besonders amüsant fand er die elektrischen Hemdenbügler, die Siemens vor einigen Jahren auf den Markt brachte. „Ein paar Tage nach der Einführung hatten wir die ersten Geräte hier im Laden.“

Repariert wird alles, von der Waschmaschine bis zum Kaffeevollautomaten. Hauptsache, es kommt von Bosch oder Siemens. „Von Fremdfirmen lassen wir lieber die Finger“, meint Michael Weissert. Trotzdem stemmen seine zehn Mitarbeiter oft über 500 Reparaturen im Monat. Dafür lagern in Böckingen rund 2500 Ersatzteile. 60 bis 70 Prozent der Schäden können die Handwerker damit direkt beheben. Was fehlt, wird im Zentrallager bestellt.

PC-Diagnose Im Laufe der Jahre wurden die Reparaturmethoden ausgefeilter. Geräte müssen nicht mehr komplett zerlegt werden. Sie werden an einen Computer angeschlossen, der den Fehler diagnostiziert. Und nicht nur den: „Wir können sehen, wie viele Tassen von welchem Kaffee der Besitzer trinkt und ob er die Maschine regelmäßig entkalkt“, erklären die beiden Geschäftsführer schmunzelnd. Die Statistik verrät jeden Bedienungsfehler. Aber sie hilft bei der Reparatur.

Komplette Geräte dagegen verkauft Weissert nicht, weder neu noch gebraucht. „Da mit den Marktführern zu konkurrieren, ist fast unmöglich“, erläutert er.

Bei der Reparatur legt der Inhaber dafür umso mehr Wert auf Kundenbindung. Er lässt sich schon mal ein Geschäft entgehen und weist die Ratsuchenden darauf hin, dass nur ein Ersatzteil für wenige Euro ausgetauscht werden muss. Denn der Elektroinstallateur ist sich sicher: „Nur wenn ein Kunde das Gefühl hat, nicht über den Tisch gezogen zu werden, kommt er wieder.“

Nach oben  Nach oben