Hochsaison für den Krippenbauer
Dank Hubert Muth hat die Heilige Familie in vielen Wohnzimmern ein Zuhause

Bad wimpfen - Wenn am 24. Januar Weihnachten wäre, das wäre mir am liebsten", sagt Hubert Muth lachend. Was mit einer einfachen Wurzelkrippe für seine Kinder begonnen hat, beschäftigt ihn längst das ganze Jahr über. Sein Können hat sich in Bad Wimpfen und Umgebung herumgesprochen. "Erst war es nur Zeitvertreib, dann hat es sich aber so entwickelt, dass die Leute sagen, mach’sch mir ein Kripple", erzählt der 61-Jährige.
Allein bei der Hobbykünstlerausstellung in Untereisesheim im Oktober hat er sieben Aufträge bekommen. 30 Unterkünfte für die Heilige Familie im Jahr sind mittlerweile normal. "Aber ich habe ja Zeit, ich bin Rentner", sagt Muth, der 39 Jahre lang als Vertreter im Außendienst unterwegs war und "schon immer ein bisschen rumgebastelt" hat: Dekoration für Vereinsfeiern, für die Jagstfelder Hühnerlausnarren oder für private Feste.
Aufwand Wenn im Oktober die Arbeit im großen Garten getan ist, der Hobbykoch Marmelade gemacht und Liköre angesetzt hat, beginnt bei ihm die Hochsaison für die Krippen. Reich wird er trotz der vielen Aufträge aber nicht: "Die Arbeitszeit wird eh’ nicht bezahlt. Ich verlange einen kleinen Obolus, um wieder Material kaufen zu können", sagt Hubert Muth.
70 bis 80 Stunden steht er für größere Exemplare in seiner kleinen Werkstatt. Was er dafür braucht, befindet sich fein säuberlich sortiert in unzähligen, ordentlich beschrifteten Schubkästen. Zum Beispiel der selbst hergestellte Streusand: mit Ostereierfarbe eingefärbtes Sägemehl in unterschiedlichsten Grün- und Brauntönen. "So braucht man dieses Kunst-Märklin-Zeug nicht", erklärt Muth.
In mittlerweile zwölf Jahren als Krippenbauer hat er seine Handwerkskunst mehr und mehr verfeinert. Scharniere für die Stalltüren macht er aus Leberwurstdosen. Das Mauerwerk ist häufig aus Styrodur, den er mit Krippenputz und schwarzer Fassadenfarbe und Wasser bearbeitet − "denn Styropor knabbern die Mäuse an".
Besonders viel Arbeit machen die Dachschindeln. 200 Stück braucht er für eine große Krippe. Mit dem Messer spaltet er jede einzelne von einem Holzstück ab und hält sie für die richtige Färbung in die Flamme eines kleinen Bunsenbrenners. So entstehen auch Details wie Holzstöße oder Lagerfeuer.
Holz, Wurzeln, Rinde, Tannenzapfen oder Moos sammelt der Ehemann und Vater von zwei erwachsenen Söhnen bei Spaziergängen durch Wald und Flur. "Im Januar und Februar werden die Obstbäume umgemacht, da finde ich immer etwas", erzählt er. Sein wertvollster Lieferant für Holz ist aber der Recyclinghof.
"Wenn ich ein Stück Holz sehe, habe ich schon eine Idee, was ich draus machen kann." Dann nimmt er Lineal und Bleistift, und los geht’s. Sogar wenn er zwei Krippen nach derselben Zeichnung baut, wird jede anders. "Jede ist ein Unikat", betont Hubert Muth. "Wenn mir eine nicht gefällt, baue ich sie wieder auseinander. Meine Frau ist meine Kritikerin."
Bilderrahmen Der Wimpfener macht alpenländische Krippen genauso wie orientalische, "der Trend geht zu Miniaturkrippen für die Fensterbank", hat er festgestellt. Die Idee, Maria, Josef, das Jesuskind, die Tiere und die Heiligen Drei Könige auch in Bilderrahmen unterzubringen, kam ihm beim Besuch eines Möbelhauses. "Ich nenne das die Hofmeister-Krippe, da habe ich Single-Wohnungen mit 46 Quadratmeter gesehen", erzählt Muth. Da ist das Großprojekt, das er plant, eine ganz andere Nummer: "Ich will mir eine Krippe im Steckverfahren bauen, zu der jedes Jahr ein Stück dazukommt." Zwei Meter breit soll sie werden. Der Platz im Wohnzimmer steht natürlich schon fest.
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