„Heimat ist da, wo ich mich wohlfühle“

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Peter Muth spricht in seinen Gedichten aus, was viele Kirchhausener bewegt

Auch in Franken der schwäbischen Heimat verbunden: Peter Muth.
          Foto: Privat
Auch in Franken der schwäbischen Heimat verbunden: Peter Muth. Foto: Privat

Porträt

Von Marion Mockler

Angefangen hat alles mit einem Leserbrief. Die Alte Kelter in Kirchhausen sollte abgerissen und durch ein Bankgebäude ersetzt werden. Seinem Ärger darüber wollte Peter Muth in der Heilbronner Stimme Luft machen.

Aus dem geplanten Brief wurden Mundartgedichte. In ihnen setzt sich der Kirchhausener mit seiner Heimat auseinander. Nicht heimatduselig, sondern durchaus kritisch. Weil er schon als Zehnjähriger nach Bamberg zog, um ins Priesterseminar zu gehen, betrachtet er seinen Herkunftsort aus der Distanz. Während des Studiums wohnte er wieder bei seiner Mutter und nahm die Veränderungen im Ort plötzlich schärfer wahr. Gesellschaftliche Phänomene wie den Zuzug der ersten Gastarbeiter Anfang der 60er Jahre und die Reaktionen der Dorfgemeinschaft bildet Peter Muth in seinen Gedichten ab.

Kein Honoratiorenschwäbisch Eigentlich wollte er als Missionar nach Bolivien. Doch dann lernte er seine Frau kennen, aus dem Franziskanerschüler wurde ein Lehrer. Heute lebt der Schulleiter mit seiner Familie im fränkischen Memmelsdorf-Drosendorf bei Bamberg.

Gemeinsam mit seinem Sohn betreibt Muth Ahnenforschung in Kirchhausen. Besonders die baulichen Veränderungen machen ihm zu schaffen. „In Bamberg wird sehr viel für den Denkmalschutz getan. Da tut es doppelt weh zu sehen, dass hier vieles ohne Gespür abgerissen wird.“

Nach wie vor pflegt der gebürtige Schwabe die Mundart. Aber er unterscheidet zwischen „dem Honoratiorenschwäbisch im Fernsehen und dem echten Dialekt“. Die Sprache, die etwa seine Großmutter noch gesprochen hat, verwischte sich im Lauf der Jahre. Durch Um- und Zuzüge hat sich das typische Idiom verändert.

In seinen Vorträgen, wie diesen Herbst in Kirchhausen, liest Peter Muth nicht nur, er zeigt auch die geschriebenen Gedichte. Die Schriftform zwingt zur Auseinandersetzung. Bei Zuhörern, die des Schwäbischen mächtig sind, stellt sich aber rasch ein Aha-Effekt ein: Bei intensiver Betrachtung erschließt sich der Sinn.

Heimat Sprache Seine Vortragsthemen sind so universell, dass man sie auch außerhalb Kirchhausens versteht. Die Umbrüche in kleinen Orten, Kleinbürgerlichkeit, teilweise überholte Moralvorstellungen.

Obwohl er im Dialekt zuhause ist und die Wortspiele schätzt, die das Schwäbische oft erst möglich macht, gibt er zu: „Romane könnte ich nur auf Hochdeutsch schreiben.“ Und auch nach 30 Jahren in Franken gilt: „Kirchhausen ist die Heimat, die ich im Kopf habe.“

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