Handwerker im Kindergarten

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Aktion "Wer-zieht-mit" startet ein neues Projekt, das Männerberufe vorstellt

Von Bernd Karr
Was macht der denn da? Philipp Thoss zeigt den Mesenokindern wie eine Schieferplatte bearbeitet wird. Der Dachdecker will einen Einblick in seinen Beruf geben. Foto: Bernd Karr
Was macht der denn da? Philipp Thoss zeigt den Mesenokindern wie eine Schieferplatte bearbeitet wird. Der Dachdecker will einen Einblick in seinen Beruf geben. Foto: Bernd Karr

Heilbronn - Die Aktion "Wer-zieht-mit" schickt Handwerker in Kindergärten. Deshalb kam diese Woche ein Dachdecker zu den Mesenokindern. Sie durften sogar selber mit anpacken. Die "Handwerkspaten" stellen ihre Berufe vor. So kommen technische Themen in die Kindertageseinrichtungen.

"Wer will fleißige Handwerker sehn, der muss zu uns Kindern gehn." Im Garten des Meseno-Treffpunktes wurde das alte Kinderlied wahr. Zehn Kindergartenkinder und nachmittags die Kinder vom Schülerhort erlebten, wie ein Hausdach gedeckt wird.

Einblick Philipp Thoss, gelernter Dachdecker, erklärt den sieben Mädchen und drei Jungen anschaulich, was er in seinem Beruf den ganzen Tag über macht. Jetzt wissen sie, wie eine Dachrinne funktioniert und dass sie der Dachdecker festmacht. Thoss zeigt sein Werkzeug, es wird genau inspiziert. Er legt ihnen den Zimmermannshammer in die kleinen Hände − wie schwer der ist! Als er eine Schiefersteinplatte behaut, schallt ihm ein beeindrucktes "Wow" entgegen. Wie Ziegel aneinandergesetzt werden, erfahren sie durch eigenes Tun. Sie decken ein Dach − natürlich nur auf einem Holzgestell, das sie vom Boden aus leicht erreichen.

"Ich will den Kindern meinen vielseitigen Beruf näherbringen und ihnen Einblick geben", sagt Philipp Thoss. Er arbeitet als Geselle bei der Firma Geist Bedachungen in Kirchardt-Berwangen. Der Chef des Unternehmens, Dachdeckermeister Dieter Geist, ist der erste Handwerker, der bei der neuen Aktion der Wer-zieht-mit-Initiative mitmacht. Er will die Kinder schon von klein auf für handwerkliche Berufe interessieren. Thomas Aurich, von Anfang an Unterstützer von "Wer-zieht-mit", hofft auf viele Handwerker, die es Dieter Geist gleichtun. Aurich sieht zwei Vorteile: Zum einen kommen die Kinder mit technisch-handwerklichen Alltag in Berührung. Zum anderen empfehlen sich die Firmen natürlich, sollte in den Tagesstätten Not am Mann sein.

Facharbeitermangel Dieter Geist nennt noch einen weiteren Grund mitzumachen. Für die Zukunft fürchtet er Facharbeitermangel in der Handwerksbranche: "Wir müssen schauen, dass wir ordentliche junge Leute kriegen", deshalb fängt er schon früh an. Ganz abgesehen davon "macht es mir Spaß und Freude", der Großvater von fünf Enkeln hat einfach gern mit Kindern zu tun. Er hofft, dass durch solche Aktionen die Distanz zu den Handwerksberufen verringert wird. Die Kinder sollen sich vorstellen können, was zum Beispiel ein Maler, ein Flaschner oder der Dachdecker macht.

Bei Ines Camili, der Erzieherin, kommt der Handwerkerbesuch auch gut an: "Es ist sehr interessant, den Beruf so offen darzustellen. Für die Kinder ist das ein Highlight."

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