Gespräche und Danksagungen als Lohn
Was ehrenamtliche Mitarbeiter bei Führungen in der Kilianskirche erleben

Heilbronn - Ohne Bezahlung arbeiten nur wenige Menschen. Und doch kann Arbeit mehr bedeuten als Geld. Die ehrenamtlichen Führer der Kilianskirche, seit nunmehr zehn Jahren im Einsatz, bekommen ihren Lohn in Form von Gesprächen, Dank, Einladungen. „Dabei kann man Herzen öffnen“, sagt Pfarrer Hans-Jörg Eiding.
Helene Klein ist 81 Jahre alt und von Anfang an Teammitglied. Sie spricht gern mit den Menschen, die die Kilianskirche betreten. „Ich frag oft, wo die Leute herkommen, dann kommt man schon ins Gespräch.“ „Einmal war ein kleiner Kerl da. Der hat auf das Kreuz geschaut, war ganz traurig. Und dann hat er gefragt: Hat der auch einen Opa?“ Helene Klein lächelt: „Ist das nicht nett? Und einmal war ein Pfarrer aus Kambodscha da. Hier, ich hab seine Visitenkarte. Er hat gesagt, wenn ich mal zufällig in Kambodscha bin, soll ich einfach vorbeischauen.“
Ihre Kollegin Barbara Rall gibt nicht nur Auskunft zur Kirche, sondern auch zur Stadt im Allgemeinen. Wo ist die Touristeninformation? Wo ist denn überhaupt die alte Innenstadt? „Ein Ehepaar aus Ostfriesland war auf Urlaub am Breitenauer See. Sie waren erst in Bad Wimpfen und dann von Heilbronn ein bisschen enttäuscht, weil es hier keine solche Altstadt gibt.“ Interessieren sich die Besucher für das Innere der Kirche, freut sich die 65-Jährige umso mehr. „Ich sollte einmal die neuen Fenster erklären.“ Und oft kommen auch Menschen vorbei, die einfach nur reden wollen.
Diese Erfahrung hat auch Christel-Luise Ebert gemacht. „Die Menschen freuen sich, wenn jemand da ist und einfach Grüß Gott sagt, jemand, den sie auch fragen können.“ Die meisten seien jenseits der 40. Wenn Ebert junge Familien entdeckt, ist sie besonders glücklich. Vor acht Jahren hat die 65-Jährige mit der Arbeit begonnen, ihr Wissen hat sie sich durch einen VHS-Kurs angeeignet. „Und ich bin Heilbronnerin. Da weiß man natürlich auch einiges.“
Auch Berliner führten und führen durch die Heilbronner Kilianskirche, wie Siegfried Krüger (71) und Martin Fischer (73). „Das beste Erlebnis hatte ich zur Osterzeit“, erinnert sich Krüger. „Da kamen drei Jugendliche, sie waren katholisch, und wollten das Osterlamm segnen lassen. Und da haben sie mich gefragt. Sie wollten nicht ohne Segen gehen, und so bin ich mit ihnen zum Taufbecken und haben ein paar Segensworte gesprochen.“
Bei dieser Anekdote kann Karl-Günther Weeber nur schmunzeln. Der 76-Jährige ist seit 1997 dabei. Durch seine Vergangenheit ist er eng mit der Kilianskirche verwurzelt. „Ich habe nach dem Krieg den Wiederaufbau begleitet“, erzählt er. Weeber kennt sich aus mit der Kunsthistorie. Ebenso sein jüngerer Kollege Chris Männicke (42). Von Beruf ist er Gärtner, zum Ausgleich macht er neben Stadt- auch Kirchenführungen in Heilbronn.
Das letzte Mal in diesem Jahr führen die Mitarbeiter am Mittwoch, 31. Oktober, um 15 Uhr durch die Heilbronner Kilianskirche. Gruppen hingegen können sich das ganze Jahr im Pfarramt anmelden, Telefon 07131 / 86869.
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