Geflügelzüchter sehen sich nicht am Scheideweg

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Von Buga-Plänen betroffener Verein erlebt Schau-Bestmarke und Andrang - Unterstützung für Verbleib

Von Carsten Friese
Hatte mit einer Zwerg-Wyandotte das bester Tier der Jungtierschau: Gerd Fritsch bei der Hühnerkärwe des Geflügelzuchtvereins Böckingen. Für Besucherin Silvia Seifert war das Siegertier ebenfalls ein prächtiges Exemplar.Foto: Andreas Veigel
Hatte mit einer Zwerg-Wyandotte das bester Tier der Jungtierschau: Gerd Fritsch bei der Hühnerkärwe des Geflügelzuchtvereins Böckingen. Für Besucherin Silvia Seifert war das Siegertier ebenfalls ein prächtiges Exemplar.Foto: Andreas Veigel

Heilbronn - Eine besondere Hühnerkärwe mit viel Aufregung um eine Planskizze hat der Geflügelzuchtverein Böckingen hinter sich. „Die Pläne der Stadt haben alles überlagert“, blickt Vereinschef Helmuth Vollmer auf die Woche zurück. Aus der Zeitung erfuhr der Verein, dass die Stadt mit Blick auf die Bundesgartenschau die Sportflächen an der Viehweide neu ordnen will. Für die Geflügelzüchter, so die Botschaft, wäre demnach auf dem städtischen Grund kein Platz mehr.

Hoffnung „Die Stimmung war in der Woche gedrückt“, sagt Follmer und verweist im gleichen Atemzug darauf, dass sich die Aufregung „ein bisschen gelegt“ hat. Die Vereinsmitglieder haben wieder Hoffnung, dass man mit der Stadt „eine andere Lösung findet“. Denn: Eine Verlagerung vom Areal mit dem großen Vereinsheim „wäre für uns das Aus“.

Am Wochenende hatte der Verein zur Hühnerkerwe geladen, und nicht nur mit den 212 ausgestellten Hühnern und Tauben - die Bestmarke der vergangenen zehn Jahre - war der Vorstand sehr zufrieden. Bei Kaiserwetter kamen allein am Samstag rund 700 Besucher, am Sonntagmittag bildeten sich ebenfalls lange Schlangen an den Theken. Für Follmer ein Beleg, „dass unser Verein funktioniert“.

Ein Krähen und Gurren, ein Flügelschlagen und Posen war in den aufgebauten Käfigen Trumpf. Amrocks, Seidenhühner, Niederrheiner und Wyandotten, New-Hampshire oder Zwerg-Welsumer, Temeschburger Schecken oder Eistauben waren in der Jungtierschau zu bewundern. Körperbau und Kammform, Farbe und Länge von Kehllappen, Schnabelform und die Federfärbung nahmen die Preisrichter unter die Lupe.

Besonderen Grund zur Freude hatte Gerd Fritsch. Mit seiner Zwerg-Wyandotte „DW 911/07“ stellte der 42-Jährige das beste Tier der Schau und heimste 96 Jurypunkte ein - ein „hervorragend“. Mit Herzblut betreibt er sein Hobby, findet die Kombination von Naturerlebnis und Kulturgut immer wieder spannend. Hühner sind für ihn „schöne und interessante Tiere“, auch wenn die Vererbung „leider nicht immer das macht, was der Züchter will“. Von 60 Jungtieren bekäme man drei bis vier Spitzentiere - so heißt es fleißig weiterzüchten.

Die Zukunft des Vereins war an den Tischen und Bänken ein zentrales Thema. Man könne doch niemand zwingen, seine Vereinsanlage aufzugeben, ergriff Böckingens CDU-Chef Karl-Heinz Kübler Partei für die Geflügelfreunde. „Den Verein kann man doch mit Veranstaltungen in die Gartenschau integrieren.“ Auch Kurt Fuchs (SPD), passives Mitglied im Verein, glaubt nicht an eine Vertreibung. Der Verein werde auch in den nächsten 20 Jahren hier vor Ort sein.

Züchter Berthold Schwenk, der vor einer Woche sieben getötete Zuchthähne entdeckte, die nächtliche Eindringlinge auf dem Gewissen haben, findet die Stadt-Pläne „ein Unding“. Einen 107 Jahre alten Verein „kann man doch nicht einfach rauswerfen“.

Jungtierschau-Resultate: Bestes Tier: Gerd Fritsch, Sieger große Hühner: Bruno Follmer, Sieger Zwerghühner: Erika Mayer, Sieger Tauben: Roland Koscielniak, Stadt-Ehrenpreise: Edda und Jürgen Wurst, Claudia Schwenk.

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