Die Legende von den drei halben Hendln
Mit dem Münchner Wiesnwirt Richard Süßmeier öffnet das Insel-Hotel sein Oktoberfest

Heilbronn - Seine Lebensgeschichte ist legendär, seine Popularität hält bis heute. Wo immer Richard Süßmeier, früher Sprecher der Münchner Wiesnwirte, heute hinkommt, sind es die alten Geschichten, die mit seinem Namen in Verbindung gebracht werden: aus einem Hendl drei Hälften machen - eigentlich ein Pressegag - und mit einem 152-Liter-Fass 198 Maßkrüge füllen - von diesem Vorwurf wurde er vor Gericht freigesprochen.
Seine Anekdoten erzählt Süßmeier mit Wonne, als er das zweite Oktoberfest im Heilbronner Insel-Hotel eröffnet. Der 77-jähriger Münchner ist ein alter Freund von Insel-Chef Hans-Georg Mayer, gemeinsam haben sie die Schulbank gedrückt in der Hotelfachschule Bad Reichenhall. Um die Geschichten zu verstehen, lohnt sich ein kleiner Ausflug ins München der 80er Jahre. Die Zeitungen haben über Schankbetrug und Wiesn-Nepp berichtet, dem Peter Gauweiler, damals Kreisverwaltungsreferent, auf die Schliche kommen wollte. Süßmeier legte sich an mit dem obersten „Wiesn-Aufpasser“, und veranstaltete eine kabarettreife Pressekonferenz: Selbst als Gauweiler auftretend, ließ er seinen Kellner vor aller Augen ein Hähnchen zerteilen, in das eine dritte Hälfte eingenäht war.
Gauweiler fühlte sich provoziert und reagierte. Die Kontrolleure wurden zwar nicht in Sachen Maßkrug fündig, doch Süßmeier verlor seine Konzession: Er hatte illegal Aushilfen angeheuert. Auf die Wiesn konnte er nie zurückkehren - heute ist er unter die Schriftsteller gegangen. „Der Napoleon der Wirte“ heißt seine Biografie, in Anspielung auf seine geringe Körpergröße stand er gerne in Napoleon-Montur hinterm Schanktisch.
Froh sei er heute, weit weg zu sein von der Wiesen, sagt Süßmeier. Auf bayrisches Flair muss er bei seinem Besuch im Insel-Hotel aber nicht verzichten: es gibt blau-weiße Deko auf den Tischen, eine traditionelle „Speisenzeytung“ mit Presssack, Weißwurst und Schweinshaxe, und die vier Musiker der „Happy Bavarians“. Das Oktoberfest, sagt Juniorchefin Patricia Mayer, sei gedacht für alle Heilbronner, die nicht in München waren, oder die sich an die Wiesn erinnern wollen. Die echte Maß kann Süßmeier erst wieder in Bayern trinken, das Löwenbräu wird als Halbe ausgeschenkt. Man wolle, so Patricia Mayer, kein schal gewordenes Bier im Literkrug - oder gar eine Maß, die schlecht eingeschenkt wurde.
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