Den Idiotentest gibt es nicht
Der Weg zurück zum Führerschein kann teuer werden - MPU als Chance

Der Weg zurück zum Führerschein kann teuer werden · MPU als Chance
LUSTIG war der Abend. Es wurde gescherzt, gelacht, Wein, Bier und der eine oder andere Schnaps getrunken. Die alljährliche Weihnachtsfeier war ein voller Erfolg. Doch der Heimweg hatte eine böse Überraschung parat: Bei einer Verkehrskontrolle wurden nicht nur die Personalien überprüft, auch eine Alkoholkontrolle war fällig. Ergebnis: 1,8 Promille schlugen nach der lustigen Weihnachtsfeier zu Buche. Folge: Führerschein eingezogen, Strafverfahren, Geldstrafe und eine zwölfmonatige Sperre bis der Führerschein wieder erteilt werden kann - sofern der Antragsteller eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) besteht.
EIN FALL, der sich so oder so ähnlich immer wieder abspielt. Egal, ob Führerscheinentzug wegen Alkohol, Drogen oder zu vieler Punkte in Flensburg - die MPU stellt für diesen Personenkreis eine Hürde zur Wiedererlangung der Fahrerlaubnis dar. Eine Hürde, um die sich viele Geschichten ranken, wie Thomas Grotzer, Leiter des Medizinisch-Psychologischen-Instituts des Tüv Süd in Heilbronn erklärt: "Für viele Kunden wird der Weg zurück zum Führerschein zum Irrweg, weil sie schlicht und ergreifend falsch oder gar nicht informiert sind, wenn es um die MPU geht." Und Tüv-Psychologe Thomas Wagenpfeil pflichtet ihm bei: "Immer wieder geistern da Begriffe wie 'Idiotentest' herum, bei dem es darum gehe, Bälle aufeinander zu stapeln. Das ist vollkommener Blödsinn, einen Idiotentest gibt es nicht." So stehe der Mensch im Mittelpunkt der MPU.
DREI TEILE hat der "Kunde", wie Grotzer seine Probanden nennt, über sich ergehen zu lassen. Da ist ein medizinischer Check durch einen Arzt, ein praktischer Test, bei dem Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit getestet werden und ein etwa einstündiges Gespräch mit einem Verkehrspsychologen. Gerade dieses Gespräch ist es, vor dem die meisten Kunden Angst haben, da sie nicht wissen, wie sie sich gegenüber den Psychologen zu verhalten haben. Und genau dies nützen einige schwarze Schafe unter den sogenannten "MPU-Vorbereitern" aus. Grotzer: "Da wird den Betroffenen oft viel Geld aus der Tasche gezogen und Bestehensgarantien gegeben, die es einfach nicht gibt."
WER MIT vorgefertigten Antworten daherkomme, werde bei so einem Gespräch schnell entlarvt, sagt auch sein Kollege Wagenpfeil, der schon unzähligen Kandidaten gegenüber saß. Wagenpfeil: "Es geht nicht um Reue oder Strafe, das hat bereits der Richter erledigt." Und es gehe auch nicht darum, nachzuweisen, dass man gar keinen Alkohol mehr trinke. "Wer aber mit 1,8 Promille am Steuer erwischt wird, muss wissen, dass er nahezu zwei Liter Wein getrunken haben muss, um diese Promillezahl zu erreichen." Ohne Gewöhnung schaffe das kein Mensch.
BEI DER MPU wird erforscht, ob der Kandidat Ursachen und Zusammenhänge des Geschehenen erkannt hat und willens ist, etwas zu verändern. Doch leider, sagt Psychologe Wagenpfeil, gingen viele Kunden einfach zu spät zu einer Beratungsstelle, um sich zu informieren: "Frühe und kompetente Beratung ist deshalb sehr wichtig, weil nur so für den jeden Einzelfall festgestellt werden kann, welche Maßnahmen für den Betreffenden geeignet sind, um die MPU erfolgreich hinter sich zu bringen und die Fahrerlaubnis wieder zu erlangen." Und so könne der Führerscheinverlust letztlich auch als Chance angesehen werden, um Veränderungen im Lebensumfeld der Kunden anzugehen und nicht länger zu verdrängen.
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