Café Münch schließt Ende 2012

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Heilbronn - Eine Ära geht zu Ende: Konditormeister Gerhard Münch verlässt nach Mietvertragsärger nicht nur den Käthchenhof, sondern auch die Stadt. Die Passage soll mit einer neuen Konzeption attraktiver werden.

Von Franziska Feinäugle

Heilbronn - Die Stadt verliert eines ihrer beliebtesten Cafés. Noch dieses und nächstes Jahr, dann endet am Heilbronner Marktplatz eine Ära: die Ära des Maître Münch. Nach massivem Ärger um seinen Mietvertrag in der Passage (wir berichteten) verlässt Konditormeister Gerhard Münch nicht nur den Käthchenhof, sondern gleich die Stadt: 2013 übernimmt der heute 61-Jährige ein Café-Bistro in Berlin. Die entsprechenden Verträge sind praktisch unter Dach und Fach.

Ursprünglich hatte Münch vor, sich mit seinem Café an anderer Stelle in der Heilbronner Innenstadt niederzulassen und seine zahlreichen Stammgäste quasi mitzunehmen. Die Idee mit Berlin, wo er als junger Mann im KaDeWe gearbeitet hatte, "kam auf, nachdem wir hier in Heilbronn nichts Geeignetes gefunden haben", sagt Gerhard Münch.

Genötigt

Er habe sich vom Verhalten der Käthchenhof-Eigentümerin GWG in die Enge getrieben und "genötigt gefühlt, uns nach etwas anderem umzuschauen", so der Konditormeister. Bei der Gesellschaft für Wohnungs- und Gewerbebau (GWG) wiederum äußert Prokurist Thomas Scheib auf Stimme-Anfrage "Bedauern, wenn das Café Münch Ende 2012 schließt", betont aber zugleich, es handele sich dabei um "eine rein unternehmerische Entscheidung, auf die wir keinen Einfluss haben".

Nicht verlängert

Von Seiten der GWG sei, so Scheib, eine Verlängerung des Mietvertrages bis zunächst Ende 2013 angeboten worden, "bis die neue Konzeption für den Käthchenhof steht". Rechtzeitig vor Ablauf hätten dann Gespräche zur weiteren Fortsetzung geführt werden sollen. "Leider hat Herr Münch von diesem Angebot keinen Gebrauch gemacht."

Laut Thomas Scheib gab es für die GWG bisher "keine Gründe, über eine Neuvermietung dieser Fläche nachzudenken. Wir wollten nur nicht am Stück einen fünfjährige Vertragsverlängerung vollziehen, ohne mit der neuen Konzeption fertig zu sein und sie vorstellen zu können."

Die neue Konzeption − ein Stichwort, das im Zusammenhang mit dem Käthchenhof in jüngerer Zeit öfter fällt, unter dem man sich aber bislang nichts vorstellen kann.

Gehört seit 1986 zur Käthchenhofpassage: Gerhard Münch.Foto: Sawatzki
Gehört seit 1986 zur Käthchenhofpassage: Gerhard Münch.Foto: Sawatzki

Um "das neue Konzept mit der gebotenen Sorgfalt zu erarbeiten", sagt GWG-Prokurist Thomas Scheib, brauche es noch Zeit. Die Eigentümergesellschaft sei bereits in Gesprächen mit der Stadt, Ziel sei, "unseren Käthchenhof neu und attraktiver zu gestalten". Die GWG sehe es als ihre Aufgabe, "das Café auch im neuen Käthchenhof voll − und möglichst an gleicher Stelle − einzubinden".

Rathaussprecher Anton Knittel reagiert mit spontanem Bedauern, als er am Freitag beim Anruf unserer Zeitung von der geplanten Schließung des Cafés am Marktplatz erfährt. Ein "hochfrequenter Nachnutzer", so drückt er es aus, "ist in unserem Sinne". Die städtischen Wirtschaftsförderer "machen keinen Hehl daraus, dass die bisherige Nutzung gut war".

Für Thomas Gauß, den Vorsitzenden der Heilbronner Händler- und Dienstleistervereinigung Stadtinitiative, geht mit dem Café ein Stück Heilbronn verloren. Besonders ärgerlich ist aus seiner Sicht, dass die Entscheidung des Konditormeisters "offenbar nicht gefallen ist, weil der Standort nicht gut gewesen wäre, sondern weil seitens des Vermieters keine ausreichende Perspektive geboten wurde".

Von einer "neuen Konzeption für den Käthchenhof" hat der Stadtinitiative-Chef bisher nichts gehört, weder von Seiten der Stadt, noch von Seiten der GWG. Das Café Münch, sagt Gauß, "war genau am richtigen Platz". Nicht: war. Ist. Noch gut 16 Monate lang.

Hintergrund: Standort Käthchenhof

Die Nachricht vom Verlust des Cafés fällt mitten ins Jubiläumsjahr: Im Spätherbst soll in der Käthchenhofpassage 25-jähriges Bestehen gefeiert werden. Das Maitre Münch und der Schuh- und Schlüsseldienst sind die beiden einzigen Mieter, die seit den Anfängen der Passage dort ansässig sind. Seit 2004 gehört der Käthchenhof der Stuttgarter GWG-Gruppe. Bestimmte Nutzungen sind an dieser Stelle ausgeschlossen: Vergnügungsstätten wie Spielhallen beispielsweise. ff

 

 
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