Autowäsche mit Küchenhandtuch: „Ich liebe Ordnung“

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Ein- und Ansichten an einem Samstag auf Waschplätzen

Von Carsten Friese
...Waschleistung und Bequemlichkeit in der Waschstraße wie hier bei Spathelf bevorzugen. Viele sagen: Sie waschen nicht seltener als früher.
          Fotos: Dittmar Dirks
...Waschleistung und Bequemlichkeit in der Waschstraße wie hier bei Spathelf bevorzugen. Viele sagen: Sie waschen nicht seltener als früher. Fotos: Dittmar Dirks

Immer wieder samstags pilgern Scharen von Autofahrern in die Waschstraßen und Clean Parks. Auch in Heilbronn. Besonders in Heilbronn. Oder doch nicht? Ist es Kult, notwendige Pflege oder einfach das wichtige Gefühl, mit einem sauberen Fahrzeug unterwegs zu sein? Eine Suche nach Antworten.

„Keine Zeit heute“, ruft Adam Jurakovic lachend herüber, als sich die Stimme der 30 Meter langen Spathelf-Waschstraße in der Happelstraße nähert. Es ist 10.35 Uhr, ein Novembersamstag. Acht Autos stehen in der Schlage, im Akkord muss Jurakovic die Wagen vor der Einfahrt in die Waschstraße vorreinigen. Mit Strahler und Bürste macht er die Runde, gibt Karosserie und Radfelgen den ersten Schliff. „Bei gutem Wetter“, sagt er zwischen zwei Bürstengängen, „ist es samstags immer voll.“ An 200 bis 300 Autos legt er an guten Samstagen Hand an.

Die Runde durch die Waschstraße hat Jürgen Fuder bereits vier Mal hinter sich. Vier Mal muss er noch. Fuder hat eine Autovermietung, die meisten Kunden mieten die Wagen montags bis freitags. „Ein sauberes Auto ist das Aushängeschild. Da ist samstags eben Pflege angesagt.“ Rund zweieinhalb Stunden wird er für seine acht Autos benötigen. Ist er mit einem fertig, stellt er sich mit dem nächsten am Ende der Schlange wieder an. Per Hand in der Firma waschen? Fuder verweist auf ein Regenwassergesetz, das Autowaschen zu Hause nur noch mit klarem Wasser erlaube. „Da wird es aber nicht richtig sauber.“

„Nach Bauchgefühl“ fährt ein 45-jähriger Heilbronner in die Waschstraße, für Sandra Baier (25) aus Flein gehört das Waschen „ab und zu“ einfach dazu. Früher hat sie ihr Auto vor der Haustür geputzt. Nach ihrem Umzug hat sie nun umdisponiert. Die neuen Nachbarn „wären sonst wahrscheinlich nicht sehr begeistert“.

Service für den Sohn Eine besondere Mission hat Joachim Wedel (58) zu erfüllen. Er hat seinem Sohn versprochen, das Auto vollgetankt und gewaschen vor die Tür zu stellen, wenn dieser nach einer Medizinprüfung nach Hause kommt. Autowaschen, sagt Wedel, „kommt sicher nicht an erster Stelle in der Familie“. Regelmäßig, je nach Witterung, geht er dennoch. Etwa alle 14 Tage bis vier Wochen.

Ein Handtuch und ein Geschirrhandtuch für sein Gefährt hat er von zu Hause mitgebracht. Im Clean Park an der Neckartalstraße wienert Wladimir Grysukow (56) seinen schwarzen Nissan blitzeblank. „Ich liebe Ordnung“, erklärt er, warum ein sauberes Auto für ihn ein Muss ist. 800 Euro verdient er im Monat in einer Leiharbeitsfirma. Bei schlechtem Wetter geht er drei- bis viermal im Monat sein Auto waschen. Eine Stunde Arbeit hat er heute bereits hinter sich.

Noch untätig sitzt derweil Rentner Herbert Langos in seinem Mercedes und wartet auf einen freien Waschplatz. Er kommt regelmäßig hierher und fühlt sich besser, wenn das Auto sauber ist. Warum er als Rentner ausgerechnet samstags antritt? Wenn er sonntags einen Ausflug mit dem Auto mache, „ist das mit einem sauberen Auto ein gutes Gefühl“.

Taugt das Autowaschen also kaum als Gradmesser für das Konjunkturbarometer? „Gewaschen wird weiterhin“, sagt Spathelf-Chef Udo Spathelf. Bei manchen Kunden würden vielleicht die Intervalle etwas länger.

Eingeseift: Die Autowäsche gehört für viele am Wochenende dazu. Aktive legen wie hier im Heilbronner Clean Park an der Neckartalstraße Hand an, während andere...
Eingeseift: Die Autowäsche gehört für viele am Wochenende dazu. Aktive legen wie hier im Heilbronner Clean Park an der Neckartalstraße Hand an, während andere...
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