Autos auf den Jörg-Ratgeb-Platz?
Heilbronn - Fast neun Jahre schon herrscht gähnende Leere im Supermarkt am Jörg-Ratgeb-Platz. Das könnte sich bis Sommer ändern. Die Discounter-Kette Netto will sich ansiedeln, verlangt aber 50 Parkplätze - ebenerdig und in nächster Nähe. Dafür müsste ein Großteil des Jörg-Ratgeb-Platzes geopfert werden.

Zwischen 750.000 und einer Million Euro will Projektentwickler Ralf König aus Keltern in Marktausstattung, Anlieferung und in die Parkplätze investieren, damit in Sontheim-Ost wieder wohnortnah eingekauft werden kann. Etwa die Hälfte der künftigen Kundschaft werde wohl zu Fuß in den Netto kommen, schätzt er, und erklärt damit, dass 50 Autostellplätze auf der Wiese bei der Cafébar Cherie und auf dem Platz keinesfalls übertrieben seien. Normalerweise rechnet man bei einer Marktfläche bis zu 1000 Quadratmetern mit 80 bis 100 Parkplätzen.
Magnet fürs Quartier
Das bestätigt auch Christoph Böhmer. Der Leiter des Stadtplanungsamtes begrüßt das Engagement des Investors. Dem Zentrum von Sontheim-Ost fehle „in gewissem Maße ein Magnet“. Die nicht genützte Einzelhandelsfläche ziehe das ganze Quartier runter. Dass der aufwendige Umbau des Jörg-Ratgeb-Platzes wieder rückgängig gemacht werden müsste, kommentiert Böhmer mit einer Frage: „Ja, warum nicht?“ Für das Projekt spreche auch, dass Netto einen Mietvertrag über zehn Jahre abschließen wolle. Der Penny-Markt in Neckargartach hangele sich immer von Jahresvertrag zu Jahresvertrag.

Ralf König hat plakatgroße Einladungsschreiben auf die leere Schaufensterfläche geklebt. Am Donnerstag, 26. Februar, will er um 18 Uhr über seine Pläne informieren.
„Wir gehen hin“, hat sich Sonja Schmidt vorgenommen. Sie wohnt in der Nähe und gesteht freimütig: „Es schlagen zwei Herzen in mir.“ Sie ist nicht gegen den Markt. Aber sie will nicht, dass der Platz umgestaltet wird. Eleonore Meyer denkt an die Senioren, die hier wieder einkaufen könnten. Doch auch sie findet den Ratgeb-Platz nach seinem Umbau „recht harmonisch“. Sie würde die Parkplätze auf das Brachland beim Bolzplatz verbannen.
„Wir Geschäftsleute sind eigentlich alle dafür“, setzt sich Apothekerin Hildegard Ebert für den Supermarkt ein. Sie hofft auf eine „vernünftige Anbindung“, die den Anwohnern nicht die Ruhe raubt. Andreas Eroglu sorgt sich um seine Außenbewirtung vor dem „Milano“: „Wir leben doch vom Sommer.“
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