Arabische Zahlen stammen aus China
Die erste Rechenmaschine war die Hand

Heilbronn - Mathematik hat Hans-Georg Weigand schon in der Schule Spaß gemacht. Heute ist er in Würzburg Professor für das Fach. Der Spaß daran geht ihm offensichtlich nicht aus. Zur Fußball-Weltmeisterschaft kam ihm die Idee, in einer Vortragsreihe Fußball und Mathe zusammenzubringen. Das Ergebnis gibt es inzwischen sogar als Buch. In Heilbronn faszinierte der Mathefreak gestern die Zuhörer der Kinder-Uni, die noch viel gebannter lauschten als sonst.
Konzentration ist auch nötig, als es gilt, die erste Rechenmaschine der Welt auszuprobieren: die Hand. Es geht um sechs mal acht. „Das ist 48“, ruft vorschnell ein Junge. Die Rechenmaschine Kopf funktioniert flinker. Trotzdem versuchen es dann alle begeistert mit der Fingerknick-Methode des Professors (nachzulesen auf www.didaktik.mathematik.uni-wuerzburg.de/Vorträge).
Dann ab nach Babylon. Wie man dort früher gerechnet hat, bereitete selbst Mathematikern lange Kopfzerbrechen. Denn irgendwann wurde ein altes Gefäß mit 192 Kugeln gefunden. Der Behälter trug in babylonischen Zeichen die seltsame Aufschrift: Drei und zwölf. Sollte das 312 heißen? Oder drei mal zwölf? Beides passte aber nicht zur Anzahl der Kugeln. Es dauerte eine Weile, bis man kapierte: Die Drei steht für drei mal sechzig. In Babylon war die 60 das, was die Zehn für unser Dezimalsystem ist. Die Kinder kamen sehr schnell dahinter, wo die babylonische 60 sich bis heute sogar bei uns noch findet: „Bei der Uhr.“ Und beim Kreis, der sich in sechs mal 60 Grad aufteilen lässt.
Erneut gelang es dem Gast aus Würzburg, seine Zuhörer zu verblüffen. Unsere angeblich arabischen Zahlen stammen eigentlich aus China. Auf ihrem langen Weg von dort über Indien nach Arabien haben sie nur ihre Form verändert.
Wie kommt aber die Mathematik zum Fußball? Ein Fußball besteht zum Beispiel aus 20 Sechsecken und zwölf regelmäßigen Fünfecken. Warum? „Dahinter steckt eine mathematische Gesetzmäßigkeit. Mathematik ist überall in der Umwelt“, erklärt Weigand in der Pause. Kann man ein Fußballfeld mit seinen speziellen Linien zeichnen ohne den Stift abzusetzen? Was wie Spielerei klingt, ist für Ingenieure Alltag. So berechnen sie zum Beispiel, dass CNC-Fräsmaschinen mit ihren Werkzeugen möglichst kurze Wege fahren.
Die Kinder-Uni ist ein Projekt von AIM in Kooperation mit Heilbronner Stimme und Hochschule Heilbronn. Nächste Vorlesung: „Mein Auto denkt beim Fahren mit“ mit Professor Klaus-Dieter Leimbach aus Heilbronn am 7. November, um 15 und 17 Uhr.
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