Adventisten gründen Bekenntnisschule

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Heilbronn - Die Evangeliumsposaunen von der Gemeinde Gottes in Neuenstadt-Stein dürfen keine Schule betreiben. Den Siebenten-Tags-Adventisten aber hat das Regierungspräsidium Stuttgart eine christliche Bekenntnisschule genehmigt.

Von Gertrud Schubert
Die Schüler beim Beten: Fünf Kinder werden zurzeit im Gemeindezentrum in der Heilbronner Oststraße unterrichtet. Foto: Dittmar Dirks
Die Schüler beim Beten: Fünf Kinder werden zurzeit im Gemeindezentrum in der Heilbronner Oststraße unterrichtet. Foto: Dittmar Dirks

Heilbronn - Die Evangeliumsposaunen von der Gemeinde Gottes in Neuenstadt-Stein dürfen keine Schule betreiben. Den Siebenten-Tags-Adventisten aber hat das Regierungspräsidium Stuttgart eine christliche Bekenntnisschule genehmigt. Fünf Kinder werden zurzeit im Gemeindezentrum in der Heilbronner Oststraße unterrichtet.

Skeptische Zurückhaltung ernteten die Adventisten, als sie im Schulaufsichtsamt Heilbronn und beim Regierungspräsidium Stuttgart mit ihrem Schulgründungswunsch vorstellig wurde. "Keine Turnhalle ohne Genehmigung. Keine Genehmigung ohne Turnhalle", beschreibt der Vorsitzende des Schulausschusses der Adventisten, Steffen Kaulfuß, die Zwickmühle, in der sich seine Gemeinde befand. Am Ende mieteten sie sich in einem Sportzentrum ein.

Genehmigung

Doch statt zu Schuljahresbeginn traf die Genehmigung erst an Weihnachten ein. Seit Februar unterrichtet Susanne Fuhr, ehemalige Lehrerin der Grundschule in Hausen, unterstützt von fünf weiteren Erwachsenen die Miniklasse. Auch ihre beiden Buben bringt sie mit. Mit Bannerwerbung und einem Tag der offenen Tür wollen die Adventisten am Sonntag, 18. Juli, von 14 Uhr an Interessenten für ihre Schule gewinnen.

Drei Gründe zählt Anke Piatscheck auf, warum sie Fritz-Eric (8) und später seine drei jüngeren Geschwister täglich von Bad Rappenau nach Heilbronn fährt: "Die Schule unterstützt unseren Lebensstil." Es gebe keine Kluft zwischen gläubigem Elternhaus und schulischem Lernen, "die Lehrerinnen haben das gleiche Gottesbild wie ich". Sie wolle ihre Kinder keinen Gewissenskonflikten aussetzen, zum Beispiel in der Faschingszeit, wenn "Hexen" in der Schule aufziehen. Piatschek: "Das ist Gott ein Gräuel."

"Wir haben es uns immer so gewünscht", sagt Bettina Heitzmann aus Heilbronn, die ihren Timon (7) zu den Adventisten bringt. Sie sei mit dem Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium, das ihr großer Junge besucht, "sehr zufrieden", trotzdem kritisiert sie, "was menschlich abgeht, der seelische Druck ist enorm".

"Weil wir die Möglichkeit haben, deshalb haben wir es gemacht", erklärt Kaulfuß die Schulgründung. Seit 2004/05 haben die Adventisten in Baden-Württemberg fünf Schulen mit inzwischen 92 Schülern aus der Taufe gehoben. Global betrachtet sieht das ganz anders aus: "Wir sind nach der katholischen Kirche das zweitgrößte private Bildungssystem der Welt", sagt Michael Walter, der Beauftragte für Bildung der protestantischen Freikirche. Als Kind, erzählt er, war er in Jagsthausen vom Rektor seiner Klasse vorgeführt worden: "Schaut her, das ist ein Affentist." Ein prägendes Erlebnis, das ihn zum Schulgründer machte: "Ich fühlte mich verfolgt."

Andacht

 In der Advent-Schule beginnt der Tag mit einer Andacht. Fünf Räume im Gemeindezentrum können von Schülergruppen belegt werden. Die Ausstattung − Anlauttafel, Smileys, Tafel − gleicht der eines gewöhnlichen Klassenzimmers, nur dass hier viel weniger Tische und Bänke stehen. Das Klavier und die Orffschen Instrumente dagegen fallen auf: Die gibt es nicht überall. Der Unterricht, versichert Steffen Kaulfuß, stimmt mit dem Bildungsplan für die Grundschule überein. Die Schulbücher sind dieselben. "Wo es passt, wird der Glaube mit eingebracht", erklärt Susanne Fuhr.

Wie in der öffentlichen Schule gibt es ab Klasse 2 Noten, doch steht im pädagogischen Konzept, dass "rivalisierender Wettkampf" ausgeschlossen ist. Auf die Gretchenfrage "Wie halten sie es mit Darwins Evolutionslehre?" hat Kaulfuß eine klare Antwort: "Die Evolutionstheorie lehnen wir Adventisten ab. Wir glauben an die Schöpfungsgeschichte." Darwin werde im Unterricht dennoch nicht ausgeklammert.

Finanzierung

Die Gemeinde finanziert sich über den Zehnten, ihre Mitglieder spenden ein Zehntel ihres Gehalts. Die Schule rechnet mit Schulgeld – monatlich 135 Euro pro Kind, gestaffelt nach Schülerzahl pro Familie. Sie wird von Spenden des Fördervereins, der Gemeinde und vom Schulträger der Adventisten finanziert. Ab dem vierten Jahr bekommt sie wie alle genehmigten Privatschulen staatliche Zuschüsse. Zurzeit sind das 2500 Euro pro Jahr und Schüler. Die Heilbronner Advent-Schule ist eine Grundschule und soll eventuell als Realschule weitergeführt werden. Grundsatz ist: Die Kinder sollen jederzeit ins öffentliche Schulsystem wechseln können.

Siebenten-Tags-Adventist

Die protestantische Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten hat weltweit über 18 Millionen getaufte Mitglieder. Für sie ist der siebte Tag, der Samstag, Sabbat und Gottesdiensttag. Die Gemeinde in Heilbronn hat etwa 250 Mitglieder in der Region, in Möckmühl, Schwaigern, Untergruppenbach, Weinsberg und Pfaffenhofen. Sie treffen sich samstagvormittags zu Bibelgespräch und Gottesdienst. ger

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