Sie fürchten weder Winter noch Regen

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Der Abend, als die Raucher verschwanden

Von Andreas Gugau
Da geht er hin: Jennifer Pilz sammelt kurz nach Mitternacht die Aschenbecher im Coco ein.Foto: Andreas Gugau
Da geht er hin: Jennifer Pilz sammelt kurz nach Mitternacht die Aschenbecher im Coco ein.Foto: Andreas Gugau

Heilbronn - Ein paar einzelne Zigarren liegen noch in der gläsernen Vitrine des Caipirinha, eigentlich ist sie so gut wie leer. Matthias Blümel wird sie nicht mehr auffüllen. „Wer setzt sich schon mit einer Zigarre vor die Tür?“ Und so werden zumindest in nächster Zeit die leeren Fächer an jene Tage erinnern, als das Rauchen in Bars noch erlaubt war.

Am letzten Abend vor dem Rauchverbot herrscht in den Kneipen und Cafés in der Heilbronner Innenstadt meist die große Ratlosigkeit, wie die Tage mit Rauchverbot werden, will sich noch keiner so richtig ausmalen. Blümel, selbst Inhaber des Caipirinha am Berliner Platz lächelt verlegen, zündet sich eine Zigarette an und überlegt, was er wohl am nächsten Tag machen wird. Eine Schachtel hat er bisher am Abend geraucht. Zur Hälfte, die andere Hälfte ist unbeachtet verdampft, weil die Arbeit nicht warten kann. Antwort hat er keine.

Schonfrist haben die Raucher in der Nacht zum 1. August allemal, fast überall wird der Qualm bis Geschäftsschluss toleriert.

Jennifer Pilz im Coco kennt da kein Erbarmen. Kurz nach Mitternacht drückt sie ihre letzte Kippe aus und sammelt dann die Aschenbecher ein. Coco-Gast Markus Posniak hält nicht viel vom Rauchverbot. „Das schränkt die Freiheit ein.“ Sein Gegenüber, Uwe Damm, sieht ebenso klaglos zu, wie der Aschenbecher weggetragen wird. Der Gelegenheitsraucher stellt fest: „Für heute reicht’s auch.“

Nächtlicher Lärm Marco Rizza reicht’s auch schon lange. Er steht im Moccafé hinterm Tresen und freut sich kurz vor Mitternacht, dass das Café bald rauchfrei ist. Der Italiener ist sich sicher: „Die Leute werden sich dran gewöhnen.“ Und sie werden - wie in seiner Heimat - weder Winter noch Regen fürchten.

Im Barfüßer sitzen zwei Nichtraucher vier Rauchern gegenüber. Ausgehen werden sie auch weiterhin. Einzig, die Raucher werden sich bei den Anwohnern um die Gaststätten unbeliebt machen, befürchtet Bobby Eidam. Immer dann, wenn es auf der Raucherparty vor der Türe laut wird.

Da haben es vier Belgier im Caipirinha einfacher. Sie radeln in den Sommerferien gerade nach Budapest und wollen am nächsten Tag unbedingt noch Bayern erreichen, ein Land noch ohne Rauchverbot.

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