Sauberkeitskontrolleure in Heilbronn
Heilbronn - Seit Mitarbeiter in Zivil kontrollieren, hat Zahl geahndeter Verstöße zugenommen. Die Stadtinitiative kritisiert: Es liegt zu viel Müll herum

Heilbronn - Ertappt. Die 40-Jährige wirft ihre ausgerauchte Zigarette auf das Pflaster der Fleiner Straße und will die Tür zu einer Arztpraxis öffnen. Weit kommt sie nicht. Sauberkeitskontrolle. Vollzugsdienstmitarbeiter Alexander Bürck weist sie auf den Fehltritt hin, schreibt die Daten aus dem Ausweis in ein kleines Notizbuch und kündigt ein 15-Euro-Bußgeld an. "Normalerweise hebe ich die Zigarette immer auf. Aber vor lauter Terminen...", entschuldigt sich die Frau.
Bürck und sein Kollege Werner Ibele kennen solche Ausreden. Regelmäßig sind sie in Zivilkleidung unterwegs, um gegen Müllsünder vorzugehen. "Wir wollen die Leute erziehen, damit die Stadt nicht verdreckt", sagt Bürck. An manchen Tagen kommen da "an die 30" bemerkte Verstöße zusammen. Heute ist es relativ ruhig. Doch auf dem Pflaster heben sich alle paar Meter Hinterlassenschaften von Passanten ab: Pappbecher, Taschentücher, Luftballons, Bonbonpapier und immer wieder Zigarettenstummel.
Versprechen
Mindestens alle 50 Meter steht ein Mülleimer in der Fußgängerzone, überschlägt Werner Ibele. Einige haben eine Gitterbox, andere nur einen Metallring, auf dem eine Zigarette ausgedrückt werden könnte. Dennoch verhängt das Sauberkeitsduo in den nächsten 75 Minuten drei weitere Bußgelder gegen zwei Frauen und einen Mann, die ihre Kippen auf den Boden fallen lassen. "Andere machen es doch doch auch so", sagt eine 31-jährige Reinigungskraft. Dann verspricht sie: "Ich mache es nicht mehr."
Im Jahr 2008 hat die Stadt Heilbronn erstmals Zivilstreifen ohne auffällige Uniform in die Spur geschickt. Kurz danach ging die Zahl der geahndeten Verstöße nach oben. Ordnungsamtsleiter Bernd Werner verweist auf das Jahr 1997, ab dem man mit verstärkten Kontrollen und neuen Mülleimern gegen die Verschmutzung zu Felde gezogen sei. Heute seien auffällige Verschmutzungen die Ausnahme. Gemessen an der Zahl der Menschen in der Stadt sei es sauber. Aber: Wenn man die Kontrollen stoppen würde, "hätten wir wieder Verhältnisse wie früher". Werner: "Das wollen wir nicht."
Kritik
Eine andere Sicht hat der Chef der Heilbronner Kaufleute. "Unbefriedigend" nennt Thomas Gauß die Situation. "Wir haben zu viel Müll in der Innenstadt." Der Konsum von mehr Fast Food habe die Menge des weggeworfenen Abfalls steigen lassen. Die Kapazitäten der Mülleimer reichten teilweise nicht. Auch für Raucher sieht Gauß zu wenig geeignete Anlaufstellen. Eine Anregung hat die Stadtinitiative im Rahmen des Masterplans unterbreitet: Mülleimer mit größerem Fassungsvermögen und integrierten Aschenbechern aufzustellen. Noch ist nicht darüber entschieden.
Ein Hoffnungszeichen gibt es. Alexander Bürck hat schon Raucher gesehen, die Besonderes dabei hatten: einen Taschenaschenbecher.
21 Mitarbeiter, zum Teil in Teilzeit, kümmern sich in Heilbronn im Vollzugsdienst um Falschparker, Tempoüberwachung und die Sauberkeit. Geahndete Verstöße wegen Wegwerfens von Kleinstabfällen: 277 (2007), 241 (2008), 364 (2009). Den hohen Wert im Vorjahr erklärt der Amtsleiter damit, dass erstmals wieder alle Kräfte zur Verfügung standen. Bußgeldhöhen: weggeworfene Kippe 15 Euro, weggeworfene Verpackungen 15 bis 35 Euro, Spucken 25 Euro, Notdurft der Hunde liegen lassen 50 Euro, Urinieren 50 Euro.
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