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Rekord bei geplatzten Wasserleitungen

Region - Rund 40 Jahre ist Horst Fischer schon im Sanitär- und Heizungsgeschäft. Doch solch intensive Frostschäden an Wasserleitungen wie in den letzten Tagen hat der Obermeister der Innung Sanitär-Heizung-Klima noch nicht erlebt.

Von unserem Redakteur Carsten Friese
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Lesezeit  2 Min

Rekord bei geplatzten Wasserleitungen
Nicht nur beim spektakulären Frostschaden an einer Straßenleitung in der Weinsberger Straße war die Heilbronner Feuerwehr im Einsatz. Auch zu geplatzten Hausleitungen wurde sie in den letzten Tagen oft gerufen. Foto: Mario Berger
Region - Rund 40 Jahre ist Horst Fischer im Sanitär- und Heizungsgeschäft. Doch solch intensive Frostschäden an Wasserleitungen wie in den vergangenen Tagen hat der Obermeister der Innung Sanitär-Heizung-Klima noch nicht erlebt. Im Dauereinsatz sind er und seine Kollegen bei Kunden, teilweise drei-, viermal am Tag. "Ich bin vom Ausmaß selbst überrascht", sagt Fischer, der in Lampoldshausen lebt.

Eingefrorene Wasserleitungen, geplatzte Rohre oder Wasserzähler − auch die Feuerwehr war im Dauereinsatz. "Regelrecht aufgesprengt" hat der starke Frost einige Leitungen, berichtet Heilbronns Feuerwehrsprecher Jürgen Vogt. Er zählt 20 Einsätze allein in den letzten Tagen. Vogt rechnet mit weiteren Notfällen bei steigenden Temperaturen. Denn meist kämen die Schäden "erst bei Tauwetter zum Vorschein". Folgeschäden können "kostspielig sein", warnt Vogt − vor allem, wenn Wasseraustritt spät bemerkt wird.

Ist es erklärbar? Kaum haben wir mal für kurze Zeit einen richtig kalten Winter, schon versagen Systeme in den heimischen vier Wänden. Haben Häuslebauer versagt?

Rekord bei geplatzten Wasserleitungen
Fall 2: Absperrschieber (grün) waren eingefroren. Aus feinen Haarrissen perlt Wasser heraus.Fotos (2): Feuerwehr Heilbronn
"So starke Minusgrade hatten wir lange nicht, auch Heizungen sind nicht auf derartige Kälte bis minus 20 Grad ausgelegt", stellt Horst Fischer fest. Er sieht aber auch Nachlässigkeit bei einigen Hausbesitzern oder Mietern. Frostschäden würden immer wieder im ungeheizten Keller bei Leitungen an Außenwänden auftreten, die an Fenstern entlanglaufen. "Sie sind nicht genug geschützt." Und wenn Bewohner vergaßen, ein im Keller zum Lüften geöffnetes Fenster zu schließen, konnte es rasch passiert sein. Dann könne eine Leitung "innerhalb von zwei, drei Stunden gefrieren".

Auch die Heilbronner Sanitär- und Heizungsfirma Stöffler war zuletzt dauernd zu Notfällen unterwegs, teilweise bis abends um 22 Uhr. Zerstörte Heizungen waren der Schwerpunkt. Weitere Schäden an Wasserleitungen erwartet Wolfgang Stöffler, wenn das Eis taut. "Das kommt jetzt." Sein Rat: Wenn man den Endhahn etwas aufmache, um den Druck wegzunehmen, "könnte es die Leitung noch retten".

Frostbänder

Was man generell tun kann, um derartige Schäden zu vermeiden? Innungsobermeister Horst Fischer rät, kritische Wasserleitungen in Keller oder Garage gut mit Mineralfaserschalen zu isolieren oder aber entlang der Leitungen Frostschutzheizbänder zu verlegen, die sich bei Minusgraden einschalten. "Das kann man jederzeit nachrüsten." Und: Bei Gartenleitungen dürfe man die Leitungen im Winter nicht nur abstellen, sondern müsse sie auch sauber entleeren. Weil stehendes Wasser jederzeit gefrieren kann.

Rekord bei geplatzten Wasserleitungen
Fall 1: Am elektrischen Schieber ist durch den Frost die Kunststoffmanschette (Mitte, grau) gebrochen. Wasser trat aus.
Eine 31-jährige Heilbronnerin hat in ihrer Mietwohnung zwei Mal erlebt, dass die Wasserleitung gefror und kein Tropfen Wasser mehr kam. Seit gut zehn Tagen steht jetzt ein Heizlüfter an einem Leitungsschacht und läuft rund um die Uhr. Eine teure Notlösung. Die Stromkosten will die 31-Jährige "dem Vermieter in Rechnung stellen".

Hintergrund: Anomalie steigert Gefahr

Eine sogenannte Anomalie des Wassers erhöht die Gefahr platzender Wasserleitungen. Wie andere Flüssigkeiten schrumpft Wasser beim Abkühlen stetig. Ab vier Grad Celsius nimmt der Rauminhalt bei weiterer Abkühlung jedoch wieder zu, es könne zu einer Ausdehnung um bis zu zehn Prozent kommen, erklärt Feuerwehrsprecher Jürgen Vogt. Für eingefrorene Wasserleitungen komme schnell das Aus, sie können durch Frostdruck platzen – weil Wasser, das zu Eis wird, sich ebenfalls ausdehnt. cf
 

 
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