Otto Rettenmaier: Ein Mann, der Spuren hinterlassen will
Der Heilbronner Unternehmer und Mäzen Otto Rettenmaier feiert heute seinen 90. Geburtstag. Im Büro ist er nach wie vor täglich anzutreffen.

Er will Spuren hinterlassen. In seinen Unternehmen und mit seinen Unternehmungen. In seiner Stadt und und der Region. In seiner Familie. Dass diese "Geltung hat in Heilbronn", liegt ihm am Herzen, da ist der Fabrikant Otto Rettenmaier ganz altmodisch.
Zum Nachteil seiner Heimatstadt und des Gemeinwesens, zum Nachteil seiner Firmengruppe, ist dieses Streben keineswegs. Heute wird der Multiunternehmer 90 Jahre alt. Im gastfreundlichen Haus in der Armsündersteige empfangen er und seine Frau Lore am Abend Gäste.
Firmengruppe
Zu Fuß ist er nicht mehr gut unterwegs, auf die geliebte Jagd muss er inzwischen zu seinem großen Bedauern verzichten. Aber, "da oben", gibt er schmunzelnd zu verstehen, ist er beweglich wie eh und je. "Ich habe noch viele Pläne", eröffnet der Unternehmer das Gespräch mit der Heilbronner Stimme. Seine weltweit operierende Firmengruppe Transport Industry International (TII) hat 1000 Mitarbeiter in Lohn und Brot und macht 250 Millionen Euro Umsatz.
Das jüngste Firmen-Kind, den indischen Teil der TII, hat Otto Rettenmaier im Hinterkopf, wenn er von seinen Zukunftsplänen spricht: Der asiatische Markt wächst, die TII liefert die Schwerlasttransporter dazu. In der Branche ist die TII Group Weltmarktführer. Vier Spezialisten auf diesem Sektor hat Rettenmaier im Laufe der Jahrzehnte erworben: die Scheuerle Fahrzeugfabrik im hohenlohischen Pfedelbach, Nicolas Industrie im französischen Champs-sur-Yvonne, Kamag Transporttechnik Ulm und − durch seine Tochtergesellschaft TII India − die Zivilsparte der Tratec mit einem Fertigungsstandort im Großraum Dehli.
Spezialisiert auf Spezialfahrzeuge sind seine Unternehmen, gleichwohl ist Otto Rettenmaiers wirtschaftliches Engagement nicht einseitig festgelegt: Seit 2010 gehören auch Windparks dazu in Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz.
Stolz ist der Senior auf sein Grand-crue-classé-Weingut Château La Tour Figeac im Bordelais. Von St. Émilion aus, wo Sohn Otto Rettenmaier das Sagen hat, "wird der Name Rettenmaier in die ganze Welt getragen".
In Heilbronn hat sein Name ohnedies Klang
Otto Rettenmaier ist ein kunstsinniger Mäzen, Förderer des Württembergischen Kammerorchesters ebenso wie der Sanierung des Kiliansturmes. Seinen Namen trägt das Heilbronner Haus der Stadtgeschichte, dessen Umbau er mit drei Millionen Euro erst ermöglichte. Außerhalb seiner Heimatstadt genießt die Uni Hohenheim seine Förderung. Nach Ehrensenator Rettenmaier wird noch in diesem Jahr das neue Audimax benannt. Auch der Hochschule Heilbronn gilt sein Augenmerk.
Otto Rettenmaier hat Familiensinn, er pflegt den Zusammenhalt der Seinen. Der gebürtige Ostälbler hat mit seiner Frau drei Kinder und acht Enkel. "Der Familiengedanke", erzählt er, "greift auch auf das Unternehmen über." Die Nachfolge hat er geregelt, Tochter Susanne Rettenmaier ist glücklich über den zwar arbeits- und zeitaufwendigen Prozess, die Familie strategisch aufzustellen, doch sie sieht damit die Zukunft des Familienunternehmens und den Zusammenhalt gesichert.
Susanne Rettenmaier und seine Enkel hat der Vater und Großvater zu Mit-Gesellschaftern der Familienholding gemacht, die zu 100 Prozent die Anteile der TII Group hält. Im Verwaltungsrat sitzen neben externen Fachleuten auch Otto Rettenmaier jun. und Tochter Barbara Weingart.
Im Büro ist Otto Rettenmaier − er trägt auch die Bürgermedaille in Gold der Gemeinde Pfedelbach − noch jeden Tag anzutreffen. Bei wichtigen Sitzungen überrascht er seine Umgebung mit Disziplin und Durchhaltevermögen.
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