Nackte Tatsachen sollen Clubs füllen
Motto-Partys und Spiele in Diskotheken sind auch in der Region häufig eindeutig zweideutig

Ein maskierter Mann starrt auf den knappen Slip und die nackten Beine einer Frau: „Kater sucht Muschi“, heißt das Motto, für den das Foto auf einem Flyer wirbt. Diskotheken locken Gäste mit Anzüglichkeiten in Wort und Bild. Bei der „Crazy Party“ im Musikpark Heilbronn messen sich die Besucher zum Beispiel beim Pornokaraoke. Die Aufgabe: Wer stöhnt am geilsten. Andere können beim Kondom-Wettblasen konkurrieren. Mädchen bekommen pro Zentimeter Brustumfang zehn Cent bar auf die Hand, wirbt das Programm. Eltern fragen sich: Muss das sein? Aufreger für andere ist der Tag dieser Veranstaltung: 8. März, internationaler Frauentag.
Zufall? Der Event-Manager des Musikparks will sich nicht dazu äußern. Silvia Payer stört als Frauenbeauftragte der Stadt Heilbronn nicht nur die Wahl des Tages. Auch an der „Pornografisierung“ allgemein nimmt Silvia Payer Anstoß. „Das ist ein Phänomen der Massenmedien und sehr bedauerlich.“ Die Frau als Ware, diese Botschaft finde sich sehr oft auch in sexistischer Werbung. Weil es so massenhaft auftritt, gewöhnen sich die Leute daran oder resignieren, vermutet sie. „Früher hatte ich öfter Beschwerden über sexistische Werbung.“
Gogo-Tänzerinnen Steffen Wilke, Event-Manager des Barococo in Heilbronn, erzählt, wie er auf die Mottos für Partys kommt, die schwach besuchte Abende zu Attraktionen machen sollen: „Wir orientieren uns an Clubs in Großstädten und überlegen, was zu uns passt.“ Auch im Gewölbe des Barococo sorgten schon Gogo-Tänzerinnen für Unterhaltung, eine Partyreihe hieß in Anlehnung an das Männermagazin Hustler, Hustler Night. Aber Wilke schränkt ein: „Es muss anspruchsvoll verpackt sein, damit es ankommt.“ Auch bei Werbung setzt er auf Vorstellungskraft statt nackte Tatsachen: „In Heilbronn ist die Zeit vorbei, wo das zog.“ Ähnlich sieht das der Mitbetreiber des Creme 21 in Heilbronn, Stefan Müller: „Wir sind von Zweideutigem etwas abgekommen. Sonst wird man schnell in eine Schublade gesteckt.“
Stripperin Mit Seitensprung-Partys, dem „Tussy Club“, „versauten It-Girls“ dagegen wirbt der Musikpark. Oben ohne und manchmal weniger gehört zum Programm. Ein Grund hinzugehen? Ein 19-jähriger Stammgast der Großraumdisko schüttelt den Kopf. „Nein. Aber mich stört es auch nicht. Auch wenn es manchmal schon zu weit geht.“ Der Heilbronner erinnert sich an eine Dusche auf einem Podest, in die eine nackte Stripperin einen Gast zog. „Das sah fast wie Sex aus.“
Heilbronns Ordnungsamtsleiter Bernd Werner weiß, dass es im Musikpark freizügiger zugeht als anderswo. Seit der Eröffnung vor einem Jahr ist die Diskothek, die zu einer Kette gehört, auf Antrag dauerhaft von der Gewerbeordnung befreit. Diese verbietet das Zurschaustellen von Personen. Das heißt zum Beispiel: Geschlechtsteile dürfen nicht zu sehen sein. Nach Mitternacht gilt das für den Musikpark nicht mehr. Wenige Male im Jahr beantragen auch andere Clubs der Region diese Befreiung. Bernd Werner weiß aus Erfahrung: „Es kommt heute häufiger vor als früher. Damals wollten eigentlich nur Nachtclubs eine Befreiung.“ Kommentar „Geschädigt“
Stimme.de