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Modellbahn-Unikat nicht mehr zu retten

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Heilbronn - Ein Stück Heilbronn in Miniatur ist nicht mehr zu retten. Nach dem Dachstuhlbrand im September im Gebäude mit der beeindruckenden Modellbahnanlage der Betriebssportgruppe des EnBW-Kohlekraftwerks haben Unternehmen und Modellbahnfans eine Entscheidung getroffen, die schmerzhaft war.

Von unserem Redakteur Carsten Friese

Folge von Feuer, Hitze und Ruß: Die Anlage nach dem Brand im September 2012. Alles wurde entsorgt. Die Modellbahnfans hoffen auf einen Neuanfang. Foto: Feuerwehr
Folge von Feuer, Hitze und Ruß: Die Anlage nach dem Brand im September 2012. Alles wurde entsorgt. Die Modellbahnfans hoffen auf einen Neuanfang. Foto: Feuerwehr

Heilbronn - Ein Stück Heilbronn in Miniatur ist nicht mehr zu retten. Nach dem Dachstuhlbrand im September im Gebäude mit der beeindruckenden Modellbahnanlage der Betriebssportgruppe des EnBW-Kohlekraftwerks haben Unternehmen und Modellbahnfans eine Entscheidung getroffen, die schmerzhaft war.

Da der giftige Brandrauch auch nach einer Sanierung von Einzelteilen in den Objekten blieb, haben die Verantwortlichen gehandelt. Die komplette Anlage, in die Mitglieder tausende Arbeitsstunden gesteckt hatten, wurde in Container gepackt und entsorgt.

Nichts ist mehr übrig vom 95 Quadratmeter großen Bahnareal mit vielen detailgetreu nachgebauten Heilbronner Gebäuden, das an Schautagen hunderte Gäste an die Ohmstraße zog. Auch rund 650 Schienen und 170 Weichen, die nach chemischen Prozessen beim Brand Rost aufwiesen, landeten im Restmüll.

70 000 Stunden

"Es tut weh", sagt Abteilungsleiter Hanspeter Schneider (69). Aber egal, was man angefasst habe − "es hat alles nach Brandrauch gestunken". 1989 starteten die EnBW-Mitglieder in dem ehemaligen Schaltgebäude mit dem Aufbau. Immer wieder ergänzten sie durch Chefkonstrukteur Gerd Echtenacher neue Gebäude, bauten Markantes mit Original-Plänen nach: Shoppinghaus, Hauptbahnhof, Stimme-Hochhaus, Bierstorfer, Kreissparkasse, Rathaus, Innovationsfabrik, Wartberg, Heilbronner Hütte.

Der Stolz der Modellbahnfreunde: Die in Eigenregie aufgebaute 95-Quadratmeter- Anlage im Februar 2009. Ihr Wert: geschätzte 150 000 Euro. Foto: Archiv/Sawatzki
Der Stolz der Modellbahnfreunde: Die in Eigenregie aufgebaute 95-Quadratmeter- Anlage im Februar 2009. Ihr Wert: geschätzte 150 000 Euro. Foto: Archiv/Sawatzki

Auf rund 70 000 freiwillige Arbeitsstunden verweist der stellvertretende EnBW-Kraftwerksleiter, Jürgen Weigelt − dies sei sorgfältig in einem Tagebuch aufgelistet. Optisch seien viele Bauteile zwar noch intakt gewesen, erklärt er. Aber: Dadurch, dass Kunststoff geschmolzen ist, seien Schadgase in die Objekte eingedrungen. Selbst nach Reinigung und Lackierung sei das Problem weiter vorhanden gewesen. Die Schadstoffe würden immer weiter ausgasen. Aus gesundheitlichen Gründen haben man sich entschlossen, alles zu entsorgen.

Wiederaufbau?

Ob es irgendwie weiter geht, ist noch unklar. Das Gebäude wird entkernt und saniert, dann muss der Statiker entscheiden, ob die Betriebssportgruppe dort neu anfangen darf. Für alle Fälle habe man sämtliche Objekte der Modellbahn fotografiert, auch in 3-D, erklärt Weigelt. Hoffnung gibt es noch. Wenn es vom Gebäude her gehe, "können sie weitermachen", verspricht der Kraftwerksleiter.

"Wenn wir dürfen, machen wir weiter", blickt Abteilungsleiter Schneider voraus. Es werde sicher eine Weile dauern, die Größe wie zuvor werde man wohl kaum schaffen. Für die 24-köpfige Gruppe sei es aber "eine schöne Perspektive". Auch Mitglieder vom Modelleisenbahnclub Böckingen hätten zugesagt, beim Wiederaufbau zu helfen.

Bei allen Besuchern und Freunden bedankt sich die Abteilung Modelleisenbahn "für die jahrelange Treue", sagt Schneider im Namen der Betriebssportgruppe. Seine Worte klingen nicht nach Abschied. In einem Vierteljahr, hofft er, "wissen wir vielleicht mehr".

 
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