Stimme+
Heilbronn

Mauer durch Schlafzimmer gezogen

   | 
Lesezeit  1 Min
Erfolgreich kopiert!

Nach einem langen Arbeitstag kommt ein Mann abends nach Hause und traut seinen Augen nicht: Eine hochgemauerte Wand teilt sein Schlafzimmer in zwei Hälften. Der Vermieter hatte sie wenige Stunden zuvor hochgezogen.

Von Joachim Friedl

Der Schreck steht dem Mann ins Gesicht geschrieben. Anlass für den überraschenden Wandbau war, dass der Vermieter baulich erweiterte und die eine Hälfte des Schlafzimmers einfach dem Anbau zuschlug.

Der außergewöhnliche Vorgang landete vor Gericht. "In zweiter Instanz spricht das Landgericht Heilbronn dem zwischenzeitlich ausgezogenen Mieter eine Abfindung in Höhe von 18.000 Euro zu", erzählt Daniela Mariano-Friedrich das Ende dieses Geschichte. Die 39 Jahre alte Fachanwältin für Miet- und Wohnungseigentumsrecht vertrat den Mieter und verstärkt nun mit Rechtsanwältin Dagmar Burkhardt (34) seit neuestem das Juristen-Team des Mieterbundes Heilbronn-Franken mit den Fachanwälten Margit Busch-Rockenmaier, Rainer und Roland Eckert sowie Jürgen Linkenheil. Sie alle arbeiten stundenweise und auf Honorarbasis.

Viele Probleme

"Aufgrund stetig gestiegener Anfragen durch unsere Mitglieder mussten wir unser Beraterteam erweitern", begründet Alfred Huber, Vorsitzender der 1918 gegründeten Interessenvertretung mit heute mehr als 5000 Mitgliedern, die Entscheidung. "Wartezeiten für Beratungstermine reduzieren sich dadurch von drei auf eine Woche", freut sich Vorstandsmitglied Rainer Eckert. Pro Jahr kommen auf den Mieterbund etwa 2500 persönliche, 500 telefonische und schriftliche Anfragen zu. Beraten werden aus rechtlichen Gründen jedoch nur Mitglieder.

Die großen Sorgen, mit denen derzeit Mieter zum Mieterbund in der Fleiner Straße 17 in Heilbronn kommen, sind Probleme bei den Betriebskosten, Kündigungen, vorgetäuschter Eigenbedarf und Mietmängel wie Schimmel, Lärm, abgenutzte Teppichböden und Zugluft. Aber auch Mietsteigerungen nach energetischen Sanierungen macht Mietern zu schaffen: "Oftmals liegt die Mietsteigerung weit über der Einsparung nach der Sanierung", hat Eckert zwischenzeitlich mehrfach erfahren und nennt ein Beispiel: "Der monatlichen Mieterhöhung von 150 Euro steht mitunter eine Einsparung von 30 bis 50 Euro gegenüber." Elf Prozent der anfallenden Sanierungskosten kann der Vermieter auf die monatliche Miete umlegen.

Den Mietpreisspiegel der Stadt Heilbronn, der gegenüber 2012 eine Erhöhung von 2,5 Prozent enthält, hält Eckert "für in Ordnung". Dagegen hat Alfred Huber ein neues Problem ausgemacht: "Bei Neuvermietungen liegt die Miete weit über dem Mitspiegel. Das ist nicht gut." Beim Mieterbund macht man sich Gedanken, wie dieser Entwicklung entgegengewirkt werden kann.

Erwartung

Kritisch sieht der Mieterbund die Wohnungspolitik der Stadtsiedlung. "Das städtische Wohnungsunternehmen hat den Bestand an Mietwohnungen verringert", beklagt Huber. Er erwartet, dass Oberbürgermeister Mergel diesen Trend wieder umkehrt, zumal "günstiger Wohnraum für sozial schwache Menschen in Heilbronn fehlt", wie Rainer Eckert ergänzt.

Nach oben  Nach oben