Knorr kämpft gegen Geruchsbelästigung

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Heilbronn - Was in Heilbronn ab und zu herunter fällt, ist nicht der Duft der großen, weiten Welt. Es riecht schlicht nach Brühwürfel aus dem Hause Knorr. Seit 2004 kämpft das Unternehmen gegen die Geruchsbelästigung.

Von unserem Redakteur Helmut Buchholz

Heilbronn - Was in Heilbronn ab und zu herunter fällt, ist nicht der Duft der großen, weiten Welt. Es riecht schlicht nach Brühwürfel oder anderen Gewürzrichtungen aus dem Hause Knorr, das seit mehr als 130 Jahren an der Sontheimer Straße residiert. Einheimische wissen sofort, woher dieser typische Wind weht, wenn er ihnen in die Nase steigt.

Da es aber nicht nur Menschen peinlich ist, wenn sie unangenehm ausdünsten, sondern auch dem heute zum Unilever-Konzern gehörenden Lebensmittelhersteller, hat Knorr seit 2004 verstärkt Anstrengungen unternommen, seinen Eigengeruch zu minimieren.

Die Anfänge

„Wir haben zuerst eine Geruchsverbrennungsanlage installiert“, erinnert sich Klaus Schenk. Doch der Mann, der im Knorr-Werk für den Umweltschutz zuständig ist, gibt zu: „Es hat immer noch gerochen, und wir haben 200.000 Euro in den Sand gesetzt.“ Die Anwohner beschwerten sich weiter. Schenk sagt, dass er die Beschwerdeführer zum Teil persönlich aufsuchte und gramgebeugt wieder abziehen musste, weil die Firma das Problem einfach nicht in den Griff bekam.

„Dann haben wir eine Geruchswaschanlage ausprobiert.“ Geruch mit Wasser waschen? „Es hat wieder nicht funktioniert“, sagt Schenk. Und wieder waren 400.000 Euro zum Teufel. „Im Jahre 2005 wussten wir nicht weiter.“

Der Durchbruch

Das Unternehmen entschloss sich, das Übel an der Wurzel zu packen. Ein Fachbüro aus Stuttgart erhielt den Auftrag, seine Nase wirklich in alles hineinzustecken. Zuerst berechneten Meteorologen, welche Wetterlagen am Knorr-Standort vorliegen. Dann untersuchten die Fachleute, zu welchen Zeiten es wie intensiv riecht. Die Experten hatten dafür sogar eine Wohnung in einigen Kilometern Entfernung angemietet und professionelle Riecher dorthin geschickt, die mit ihrer Nase dem Duftursprung auf die Spur kommen sollten.

Am Ende dieses Prozesses stand der Bau eines 55 Meter hohen Schornsteins, in den zentral alle Emissionsquellen des Werks münden. „Wir haben Halleluja geschrien“, erinnert sich Schenk. „Mit dem Kamin erschlagen wir 80 Prozent der Geruchsemissionen“, freut sich Werksleiter Daniel Löscher.

„Mit dem Schornstein gab es schlagartig keine Probleme mehr mit Anwohnern und Geruchsbelästigung“, sagt der Umweltschutzchef. „Doch dann gab es erste zaghafte Anrufe aus Weinsberg und anderen Kommunen im Umkreis.“ Im Klartext: „Um Knorr herum war es gut, weiter außen herum, na ja, bescheiden.“

Schenk macht aus seinem Herzen keine Mördergrube: „Wir waren total niedergeschlagen.“ Und wieder schickte die Fachfirma im Auftrag von Knorr die Profi-Riecher in die Kommunen der Peripherie. Schließlich entschloss sich Knorr, den Geruch mit einem neuen Abluftsystem und ätherischen Ölen auszuschalten. Doch nach der Investition von rund 40.000 Euro stellte sich dies als ungeeignet heraus.

Das Ende

Seit April ist eine Anlage in Betrieb, die mit UV- Strahlung die Moleküle in der Abluft zerstört, die im Verdacht stehen, für den Geruch verantwortlich zu sein. Das System funktioniert. „Jetzt haben wir 96, 97 Prozent der Emissionen beseitigt“, berichtet Knorr-Chef Lötscher. Die Firma hat seit 2004 rund 1,35 Millionen Euro in die Geruchsminimierung investiert. Jetzt hält sie die gesetzlichen Emissionsgrenzen nicht nur ein, sie liege weit unter den Limits.

Lötscher: „Rein rechtlich sind wir lupenrein. Aber wir wollen noch besser werden.“ Knorr hat das Abwasser im Verdacht, für die letzten Gerüche verantwortlich zu sein. Schenk: „Da sind wir dran.“ Wobei Werksleiter Lötscher klarstellt: „Ganz eliminieren lässt sich der Geruch nicht.“



 

Nach oben  Nach oben