Kleidersammlung als Alibi für Katzendiebe?
Gerüchte, die sich nicht belegen lassen, machen Tierliebhaber im Unterland unsicher
Heilbronn An Laternenmasten, in Gemeindeblättern und im Internet liest man es immer wieder: „Katze vermisst.“ Doch was passiert mit den verschwundenen Tieren? Neben der Gefahr durch Autos oder andere Tiere haben die Katzen scheinbar die Konsumindustrie zu fürchten - Pelz ist beliebt. Unter Katzenbesitzern im Unterland geht das Gerücht herum, dass Katzendiebstähle mit dubiosen Altkleider-Sammelaktionen zusammenhängen könnten.
Die These: Als Alibi für ihre Jagd auf Katzen inszenieren auswärtige Gruppierungen Sammelaktionen für einen guten Zweck. So haben sie einen Vorwand, Grundstücke zu betreten oder mit Lieferwagen in Wohngebiete zu fahren, ohne aufzufallen. Wenn es dunkel ist, versuchen sie, Katzen in ihre Wagen zu locken, und verkaufen sie dann an Pelzhändler.
Peter Lechner von der Polizei Heilbronn beschwichtigt die besorgten Tierliebhaber: „Es rufen immer wieder Leute an, die ihre Katze vermissen. Anzeige erstattet wird selten. Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Katzendiebstählen und Sammelaktionen haben wir nicht.“
Für Ludwig Landzettel, Geschäftsführer des Heilbronner Kreisverbands des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), sind die besagten Altkleidersammler „wie ein Stück Seife“: Man bekommt sie nicht zu fassen. Auch er kennt die Flugblätter, auf denen Handynummern angegeben sind, unter denen man niemanden erreicht. Seriösen Altkleidersammlern wie dem DRK sind diese Sammler ein Dorn im Auge, weil mal ihre Firmennamen zu sehr ans Rote Kreuz anklingen, mal ihre Transporter kurz vor einer angekündigten DRK-Sammlung die Säcke mitnehmen. Ein Zusammenhang mit Katzendiebstahl aber - diese Theorie war ihm bislang fremd.
Trotzdem hält sich das Gerücht hartnäckig. Silke Anders, stellvertretende Vorsitzende des Tierschutzvereins Heilbronn, empfiehlt „jedem Tierbesitzer, seine Schützlinge nachts nicht mehr raus zu lassen“.
Auf der Internetseite www.tiernotruf.org findet man unter der Rubrik „Vermisst“ neben anderen Katzen auch einen Weinsberger Kater, und bei www.pfotensuche.de wurde für die Bereiche Bretzfeld, Weinsberg, Lehrensteinsfeld und Heilbronn die „Warnstufe rot“ ausgerufen. Wenn es nach dem Glauben verschiedener Tierbesitzer und Tierschützer geht, stehen die Schuldigen schon fest: „Als Altkleidersammler getarnt machen die Katzenfänger Jagd“, so Silke Anders. Außer die Haustiere drin zu lassen, gebe es für Tierbesitzer kaum eine Chance. „Wer einen hässlichen Kater besitzt, muss keine Angst haben. Den Fängern geht es um das Fell. Je gesünder und außergewöhnlicher die Katze, desto höher ist der Preis“, meint Silke Anders. Im Laden bekommt man ein komplettes Katzenfell mit Schwanz für knapp 80 Euro, berichtet die Tierschützerin. Um Licht ins Dunkel zu bringen, sei es „ganz wichtig, Anzeige zu erstatten“.
Info zum Thema Tierdiebstahl und Hilfe für Betroffene gibt es im Internet unter www.haustierdiebstahl-in-deutschland.de, www.tiernotruf.org oder www.heilbronner-tierschutz.de. Schützen kann man die Tiere, indem man sie bei Dunkelheit nicht mehr aus dem Haus lässt. Eine Registrierung durch Chips oder Tätowierungen ermöglicht es, ausgesetzte Katzen zu ihren Besitzern zurückzubringen.
Stimme.de