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Kindermusical führt durch 1250 Jahre Stadtteilgeschichte

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Rund 300 Biberacher Kinder und einige Erwachsene setzen in proppenvollem Festzelt Ortshistorie in Szene.

Von unserem Redakteur Carsten Friese

 

Ortsgeschichte kann cool und spannend sein. Aus allen Nähten platzte das Stegstreckerfestzelt in Heilbronn-Biberach, als rund 300 Kinder und einige Erwachsene das Kindermusical „Eine Reise durch die Zeit“ am Samstagnachmittag aufführten. Im 1250. Jahr Biberachs setzten die jungen Bürger in kreativen Kostümen und mit musikalischer Begleitung der Musikkapelle wichtige Momente der Ortsgeschichte in Szene. 

Gut 500 Zuschauer füllten das große Festzelt der Feuerwehr am Täler- und Auenpark, manche mussten sogar mit einem Stehplatz vorlieb nehmen. Sie bereuten es nicht. Kurzweilig und mit pfiffigen Ideen hatten die Organisatoren um Musical-Autorin Heike Pfitzenmaier das Stück gewürzt. Da brachten die Knirpse als Mönche verkleidet nicht nur die erste Urkunde mit, in der Biberach im Jahr 766 als Schenkung an das Kloster Lorch benannt wurde.

Da zogen kämpferische Bauern mit selbstgebastelten Mistgabeln gegen die Obrigkeit zu Felde, römische Legionäre demonstrierten in bester Asterix-Manier eine Schildkrötenformation und Biberacher Bürger versuchten sich 1722 vergebens daran, einen zu kurz geratenen Holzsteg über den Böllinger Bach auf Geheiß des Bürgermeisters noch um acht Fuß in die Länge zu ziehen. Eine „Enkelin“ (Sophia Pfitzenmaier) und ihr „Opa“ (Karl-Heinz Pfeil) moderierten in flotten Dialogen zur Biberacher Historie die einzelnen Einlagen an. 

„Da steckt unheimlich viel Phantasie dahinter“, lobte Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel den Auftritt. Er selbst kam dann für eine Szene auf die Bühne, die an die Eingemeindung Biberachs im Jahr 1974 in die Stadt Heilbronn erinnerte. Biberach sei „eine selbstbewusste Braut“ gewesen, blickte Mergel darauf zurück, dass man der Stadt im Gegenzug für die Hochzeit unter anderem ein Hallenbad, ein Stadion und einen Stadtbusanschluss abrang.

Das Stadion war für die früher sehr erfolgreichen Biberacher Fußballer gedacht, die in den 1970er Jahren in der 2. Amateurliga und der Landesliga spielten und sich mit großen Namen des Fußballs maßen. Biberachs Fußballlegende „Sepp“ Adamasky erzählte von Reisen nach Ghana, wo man vor 30 000 Zuschauern in extremer Hitze und hoher Luftfeuchte „gegen die halbe Nationalmannschaft“ Ghanas kickte, oder aber in Athen gegen Profis spielte, die von Ungarns Fußball-Idol Ferenc Puskas trainiert wurden.

Als alle Akteure sich nach fast 70 Minuten zum Finale versammelten, reichte die Bühne gar nicht aus. Tosender Applaus der Besucher war der Lohn für die vielen Mühen im Vorfeld – das Einstudieren der Szenen hatte einige Proben notwendig gemacht. „Es hat geklappt“, zeigte sich Ortskartellchefin Verena Schmidt am Ende erleichtert. So, wie die besondere Reise ankam, dürfte es nicht das letzte Kinder-Musical in Biberach gewesen sein. 

 

 

 

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