Investor übernimmt Getränkeland
Der Traum des Heilbronner Unternehmers Achim Strecker war, seine Getränkeland-Kette in ihrer Branche zu dem zu machen, was DM oder Schlecker in ihrem Bereich sind. Jetzt ist das Unternehmen mit zuletzt 270 Beschäftigten am Ende

Der Traum des Heilbronner Unternehmers Achim Strecker war, seine Getränkeland-Kette in ihrer Branche zu dem zu machen, was DM oder Schlecker in ihrem Bereich sind. Über verschiedene Zukäufe machte er aus der Firma, die seine Eltern in den 1970er Jahren an der Ecke Oststraße/Schillerstraße eröffnet hatten, eine Kette von bis zu 100 Getränkeland-Märkten. Jetzt ist das Unternehmen mit zuletzt 270 Beschäftigten am Ende: Der starke Wettbewerb und sinkende Umsätze haben das inzwischen zur Firmengruppe Strecker gewachsene Unternehmen in die Pleite getrieben. Den Sitz hatte die Familie mittlerweile nach Mannheim verlegt. Für fünf der sieben Getränkeland-Märkte in Heilbronn hat Insolvenzverwalter Georg Bernsau einen neuen Betreiber gefunden.
Bieterwettbewerb Die Filialen gehören zu einem Paket von 39 Märkten, das die Mannheimer Firma Liquit-Handel in einem Bieterwettbewerb aus der Insolvenzmasse gekauft habe, sagte Bernsau der Heilbronner Stimme. Insgesamt unterhielt die Strecker-Gruppe, zu der unter anderem die Peter Rixius Getränke-Handel GmbH gehörte, zuletzt 49 Getränkemärkte. Zu den eigenen Geschäften kamen weitere 15 Franchise-Märkte. Neben dem Heilbronner Raum war die Firma auch in und um Mannheim und in Aschaffenburg stark vertreten. Nicht gekauft habe Liquit die Logistik-Zentren der Strecker-Gruppe in Mannheim und Aschaffenburg. Der Investor, an den der Geschäftsbetrieb übertragen worden ist, sei bisher nicht im Getränkehandel tätig gewesen, verfüge aber über andere Logistik-Kapazitäten. In den 1990er Jahren hatte Strecker in Heilbronn ein Logistik-Zentrum errichten wollen. Weil die Stadtverwaltung die Pläne nicht genehmigte, hatte sich das Unternehmen nach Mannheim umorientiert.
Wie viele der zuletzt 270 Beschäftigten der Strecker-Gruppe von den neuen Inhabern übernommen werden - sie waren mittlerweile an eine Transfergesellschaft übergegangen - steht noch nicht fest. „Es spricht einiges dafür, dass die Erwerber bereit sind, die Fachkräfte zur Aufrechterhaltung der weiteren betrieblichen Tätigkeit zu übernehmen“, formuliert Rechtsanwalt Georg Bernsau. Etwa 70 Mitarbeiter seien bisher zu dem neuen Arbeitgeber gewechselt.
Getränkeland belieferte auch zahlreiche Gastronomiebetriebe, unter anderem im Großraum Heilbronn. Diese Sparte - nach früheren Angaben gehörten zu den Kunden etwa die Marriott-Hotels - ist von den Insolvenzverwaltern ebenfalls verkauft worden, allerdings nicht an Liquit, sondern an die Heidelberger Firma Getränke-Express.
Umsatz eingebrochen Als Grund für die Insolvenz gibt Bernsau an, dass im vergangenen Jahr der Branchenumsatz gegenüber dem durch das Wetter und die Fußball-WM bedingten Rekordjahr um bis zu 20 Prozent eingebrochen sei. Zugleich seien die Gewinnspannen durch den starken Konkurrenzdruck der Discounter nach unten gegangen. „Der Weiterbetrieb aus eigener Kraft war aufgrund der finanziellen Lage nicht möglich“, sagt Bernsau. Die Firmen der Strecker-Gruppe hatten die Insolvenz im vergangenen Oktober beantragt, zum Jahreswechsel sind die Verfahren eröffnet worden.
Hintergrund: Getränkeland
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