Heilbronn
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

In Heilbronn tobt der Döner-Preiskampf

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Gerade einmal zwei Euro zahlt man in manchen Imbissen für den Döner. Die Kebapläden-Betreiber unterbieten sich im Kampf um das günstigste Angebot. Die Schuld schieben sich die Besitzer gegenseitig zu.

Von Adrian Hoffmann

Döner ist in Heilbronn immer ein Riesenthema. Dieser Artikel aus dem Mai gehörte zu den erfolgreichsten Stimme.de-Artikeln des Jahres 2017.

 

Der absolute Tiefstand ist erreicht: In einigen Kebapläden der Heilbronner Innenstadt kosten Döner ab sofort nur noch zwei Euro, in einer sogar nur 1,80 Euro. Das ist das Ergebnis einer kuriosen Preispolitik, die von Imbissen beim K3 ausgegangen war.

„Uns sind reihenweise Kunden abgewandert“, klagt der Betreiber von Meydan Pizza Kebap Haus am Wollhaus. „Das ist geschäftsschädigend gewesen, was da am K3 losgetreten wurde.“ Seit Dienstag sei er nun ebenfalls auch auf zwei Euro runter. Die Werbung am Fenster ist nicht zu übersehen.

Bei zwei Euro lohnt sich der Verkauf kaum

Vor einigen Jahren gab es in Heilbronn schon einmal einen Preiskampf unter Dönerbuden-Betreibern. Mit Preisen von damals zwei Euro pro Döner machen viele Imbisse ein Verlustgeschäft. Foto: Archiv/Hoffmann
Vor einigen Jahren gab es in Heilbronn schon einmal einen Preiskampf unter Dönerbuden-Betreibern. Mit Preisen von damals zwei Euro pro Döner machen viele Imbisse ein Verlustgeschäft. Foto: Archiv/Hoffmann  Foto: Foto: Adrian Hoffmann

Die Wahrheit sei, dass es sich zu diesem Kampfpreis kaum noch lohne, Döner zu verkaufen, so der Meydan-Betreiber weiter. Man hoffe darauf, dass Kunden zusätzlich noch Getränke kauften oder weitere Gäste Pizza und anderes. Bei dem Zwei-Euro-Angebot wolle man es nicht wirklich für lange Zeit belassen. „Es ist fast ein Verlustgeschäft.“

Vor wenigen Wochen hatte „echo24.de“ von einem „Döner-Krieg“ berichtet, der jetzt in die nächste Runde geht. Zwei Kebapimbisse am K3 machten sich in dem Bericht gegenseitig Vorwürfe und kritisierten die Stadtverwaltung für die Situation, die sie selbst eingebrockt hatten.

Der Chef vom Meydan setzt darauf, dass die Kebapimbiss-Betreiber wieder zur Vernunft kommen. Ein Kebap sollte mindestens vier Euro kosten, aber so sei es eben geregelt: Den Preis dürfe jeder selbst bestimmen. Die Qualität bleibe bei ihnen aber gleich, stellt er klar.

Drei Dönerläden am K3 heizen den Preiskampf an

 Foto: Foto: Adrian Hoffmann

Ausgegangen war das Döner-Dumping Ende März vom neu eröffneten „Döner Eck“ beim K3. Dort gibt es nun drei Dönerläden in unmittelbarer Nähe zueinander. „Weil wir erst eröffnet haben, wollen wir Neukunden anlocken“, begründet ein Mitarbeiter das aggressive Angebot. Der Preis werde irgendwann auch wieder erhöht, stellt er klar. Nur wann, das sei offen.

Mehmet Samaras, Chef vom „Divan 2“ gleich gegenüber in der Sülmerstraße, ist wegen der Sache richtig sauer. Er fühlte sich genötigt, ebenfalls die Preise zu senken. Döner zwei Euro, Yufka drei Euro. Samaras ist übrigens der Stiefbruder vom Meydan-Betreiber am Wollhaus. Samaras unterstellt, mit der Eröffnung des „Döner Eck“ wolle man ihn in die Insolvenz treiben. Er bezeichnet es als Strategie, die Preise so lange unten zu halten, bis er schließen müsse – und im Anschluss würden die Preise dann wieder hochgesetzt.

Mit den Preisen schrumpfen die Größen der Portionen

Der Chef vom Pizza Kebap House ebenfalls gleich gegenüber belässt es trotz der Zwei-Euro-Angebote nebenan bei 3,50 Euro. „Ich kann nicht weiter runter, wir verkaufen Scheibenfleisch und kein Hackfleischspieß.“ Im Istikbal Pizza Kebaphaus in der Paulinenstraße hinter dem K3 in Richtung Neckarsulm kostet ein Döner aktuell lediglich 1,80 Euro. Es handelt sich allerdings um eine minimal kleinere Variante eines normalen Döners, der vier Euro kostet. „Schön ist das nicht, das macht so einfach keinen Spaß mehr“, sagt Istikbal-Inhaber Mustafa Grummt. „Es muss dringend etwas passieren, das kann so nicht weitergehen.“

 

Hackfleisch oder Fleischstücke

Beim Döner Kebap kann es deutliche Qualitätsunterschiede geben. Wenn nur Hackfleisch verwendet wird, muss dies in Deutschland auf den Verkaufstafeln gekennzeichnet sein – vielen Kunden ist dies nicht bewusst. Und trotz der Rechtslage ist auch in Heilbronn oft nur von „Döner“ die Rede. Ein echter „Döner Kebap“ ist streng genommen nur einer, wenn das Fleisch vom Spieß kommt, auf dem auch dünne Fleischscheiben aufeinander gesteckt sind. Der Hackfleisch-Anteil darf anders als beim Hackfleischspieß höchstens 60 Prozent betragen.

 

Nach oben  Nach oben