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Leingarten

Zum Geburtstag fein herausgeputzt

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Lorenzkirche wird saniert. Gottesdienst am vierten Advent.

Von unserer Redakteurin Claudia Kostner

Mitarbeiter der Firma Alwert ziehen einen Sandstein hoch. Vor allem an den Ecken des Kirchturms gibt es erhebliche Schäden.Fotos: Thomas Braun
Mitarbeiter der Firma Alwert ziehen einen Sandstein hoch. Vor allem an den Ecken des Kirchturms gibt es erhebliche Schäden.Fotos: Thomas Braun

Die Zeit drängt: Am vierten Advent wird das 100-jährige Bestehen der Leingartener Lorenzkirche gefeiert, bis dahin muss das Gerüst weg, die Sanierung abgeschlossen sein. "Da beten wir natürlich um gutes Wetter", meint Architekt Peter Pietrasch. Der Kostenrahmen von knapp 500 000 Euro werde voraussichtlich eingehalten, "wenn nichts Unvorhergesehenes dazukommt. Denn wir haben noch einige Dinge vor uns".

Einen "zusätzlichen Batzen" − zeitlich und mit 30 000 Euro auch finanziell − musste die evangelische Kirchengemeinde schon verkraften: "Als nach den Sommerferien das Gerüst stand, hat sich herausgestellt, dass auch die Sandsteine große Schäden aufweisen", erzählt der Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Jürgen Brame. Und das, obwohl bereits bei der letzten Außensanierung im Jahr 1985 Sandsteine ausgebessert worden seien. Jetzt sind die Mitarbeiter der Eppinger Firma Alwert dabei, an vielen Stellen eigens angefertigte Stücke einzupassen − "vor allem an den Ecken des Kirchturms", so Brame.

Kleinod

Etwa alle 30 Jahre sei eine Außensanierung fällig, weiß der 56-Jährige. Weil das Jubiläum ansteht, sei dieses Mal nur 27 Jahre gewartet worden. Erbaut worden war die Lorenzkirche innerhalb eines Jahres. "Am 20. Dezember 1912 ging’s los, am 20. Dezember 1913 war sie fertig", so Jürgen Brame. Sie sei ein Kleinod in Großgartach. Nicht nur, weil sie eines der wenigen noch denkmalgeschützten Gebäude ist, sondern auch weil als Baumeister der junge, aber bereits bekannte Professor Martin Elsaeßer gewonnen werden konnte. Nach seinen Plänen wurde die neue Kirche im sogenannten Stuttgarter Jugendstil erbaut. "Es war damals ein Wunder, dass ein so kleines Dorf sich so etwas leisten konnte", meint Brame.

Von der baufälligen, alten Dorfkirche blieb nur der untere Teil des Turmes, nach oben wurde der Glockenstuhl aufgestockt. Das Gebäude wurde nach Westen erweitert durch eine Eingangshalle, zur Hauptstraße ein weiterer Eingang geschaffen. Die Dachform lockerte man durch ein Türmchen an der Nordwestecke auf, zur Hauptstraße wurde eine Giebelseite auf Höhe des Turmes geschaffen. Damals war sie wohl mit einem feinkörnigen Putz versehen, hat ein Restaurator im Vorfeld der aktuellen Sanierungsarbeiten festgestellt. Diesen Zustand haben die Gipser und Maler jetzt wiederhergestellt. "Die Sandsteinwände kommen so wieder besser zur Geltung", erklärt Architekt Markus Dürrwang. Gut darauf abgestimmt ist die frische, barockgelbe Farbe.

Größere Schäden mussten am Dachfirst des Kirchenschiffes beseitigt werden. "Die Ziegel waren zum Teil gesprungen, zum Teil waren Verfugungen komplett rausgewaschen", erzählt Jürgen Brame. 500 Ziegel wurden ausgetauscht. Dabei gab es ein Problem: Weil solche Ziegel nicht mehr gebrannt werden, musste dafür ein Teil des Sakristeidaches abgedeckt werden, beschreibt Architekt Peter Pietrasch die Vorgehensweise. "Zuletzt war das Dach 1985 eingedeckt worden, dabei wurden die letzten Reserven mobilisiert."

Verglasung

Obwohl der größte Teil vollbracht ist, haben die Handwerker in den nächsten Wochen noch alle Hände voll zu tun. An den Fenstern etwa müssen weitere Bleiverglasungen ersetzt und neu ausgekittet werden, es gibt auch noch gesprungene Fensterscheiben. Zum Schluss wird dann die neue Außenbeleuchtung installiert, die den Turm anstrahlen soll. Dürrwang: "Wir wollen die Kirche in ein neues Licht rücken."

Immer vor Ort: Die Architekten Peter Pietrasch (links) und Markus Dürrwang.
Immer vor Ort: Die Architekten Peter Pietrasch (links) und Markus Dürrwang.
Im Innern wurden nur Kleinigkeiten saniert, so wie diese Wandornamente.
Im Innern wurden nur Kleinigkeiten saniert, so wie diese Wandornamente.
Jürgen Brame (links) und Pfarrer Eberhard Theilig (rechts) mit Monteuren der Turmuhren-Firma und dem 80 Kilogramm schweren Skelett-Ziffernblatt.Foto: Staudinger
Jürgen Brame (links) und Pfarrer Eberhard Theilig (rechts) mit Monteuren der Turmuhren-Firma und dem 80 Kilogramm schweren Skelett-Ziffernblatt.Foto: Staudinger
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