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Heilbronn

Viele Ängste, aber auch viele positive Signale

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Stadtverwaltung informiert Bürger über Flüchtlingswohnheim in der Mönchseestraße

Von unserem Redakteur Joachim Friedl
Das Gebäude des früheren Möbelhauses Veigel wird gerade umgebaut und ab Herbst als Wohnheim für 120 Flüchtlinge genutzt. Foto: Andreas Veigel
Das Gebäude des früheren Möbelhauses Veigel wird gerade umgebaut und ab Herbst als Wohnheim für 120 Flüchtlinge genutzt. Foto: Andreas Veigel

Mit zum Teil großen Ängsten blicken Anwohner der Mönchseestraße in Heilbronn auf das im ehemaligen Möbelhaus Veigel entstehende Flüchtlingswohnheim. Bei einer Informationsveranstaltung der Stadtverwaltung am Mittwochabend in der Turnhalle des Robert-Mayer-Gymnasiums standen diesen Befürchtungen aber auch sehr viele positive Signale gegenüber.

Begeistert aufgenommen wurde von der Mehrheit der gut 200 Zuhörer die klare Positionierung von Gymnasiasten der umliegenden Schulen, die keine Bedenken gegen die Eröffnung des Flüchtlingswohnheims haben. Rechte Gruppierungen hatten in der Vergangenheit immer wieder versucht, die Schüler gegen die Eröffnung des Flüchtlingswohnheims zu instrumentalisieren. Ins Leere gingen die Kurzauftritte von zwei, drei Schreihälsen.

Menschlichkeit "Es ist die Aufgabe der Stadt, die Schutzsuchenden, die zu uns kommen, gut und menschenwürdig unterzubringen", warb Sozialbürgermeisterin Agnes Christner für das künftige Wohnheim an der Mönchseestraße. Voraussichtlich im September/Oktober werden in das von privater Seite dann umgebaute ehemalige Möbelhaus 120 Flüchtlinge, Familien und Einzelpersonen einziehen, die schon längere Zeit in Heilbronn leben und etwas Deutsch sprechen. Sie machen vor allem städtische Hallen frei, die seit dem vergangenen Jahr mit Asylbewerbern belegt worden waren. Der immer wieder kolportierten Zahl von 150 Flüchtlingen widersprach Achim Bocher: "Das wäre baurechtlich die maximal mögliche Belegungszahl. Es bleibt aber bei 120 Personen", erklärte der Leiter des städtischen Amtes für Familien, Jugend und Senioren.

"Ich werde mich zu schützen wissen." "Es ist nicht in Ordnung, dass auf einen Schlag so viele Fremde in ein gewachsenes Wohngebiet kommen." "Ich wurde in der Stadt von Flüchtlingen schon sexuell belästigt." "Einige können schon jetzt vor Angst nicht mehr schlafen." Diesen emotionalen Äußerungen gegenüber standen beklatschte Appelle, den Flüchtlingen offen, hilfsbereit und friedvoll zu begegnen. Auf Vorwürfe, die Bürger würden nicht mehr gefragt, sagte Bürgermeisterin Christner: "Wir nehmen die Sorgen und Befürchtungen der Anwohner sehr ernst." Kritik, die Bürgerinformation sei zu spät erfolgt, blieb unkommentiert im Raum stehen.

Runder Tisch Betreut werden die Bewohner tagsüber von zwei Sozialarbeitern, nachts und an Wochenenden wird ein Sicherheitsdienst in Zusammenarbeit mit der Polizei im Einsatz sein. Hinzu kommen ehrenamtlich Engagierte wie die evangelische Kirchengemeinde. Bis zur Belegung sollen, wie die Heilbronner Sozialbürgermeisterin Agnes Christner versicherte, noch mehrere runde Tische mit Anwohnern stattfinden, um weitere Anregungen in die Konzeption aufnehmen zu können. Pläne, im Flüchtlingswohnheim noch eine Kleiderkammer unterzubringen, will Christner nochmals auf den Prüfstand stellen: "Da ist noch nichts entschieden."

Die baulichen Investitionen in das einstige Möbelhaus beschrieb Architekt Devrim Yarkin. Danach wird "viel im Brandschutz getan", die Werbetafeln und das Dach im Innenhof werden entfernt und die Fassade wird schlicht aufgewertet.

Groß war das Interesse der Bürger an dem Flüchtlingswohnheim, das in den Räumen des ehemaligen Möbelhauses Veigel an der Mönchseestraße entsteht und ab Herbst belegt wird. Viele äußerten Ängste, sehr viele wollen sich engagieren.Foto: Mario Berger
Groß war das Interesse der Bürger an dem Flüchtlingswohnheim, das in den Räumen des ehemaligen Möbelhauses Veigel an der Mönchseestraße entsteht und ab Herbst belegt wird. Viele äußerten Ängste, sehr viele wollen sich engagieren.Foto: Mario Berger
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