Sinsheim macht sein eigenes Ding

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Nach Abschied aus Kraichgau-Stromberg: Stadt will mit ebenfalls austrittswilligen Nachbarn "Erlebnisregion" bewerben

Von unserem Redakteur Alexander Hettich
Stadion, Badewelt, Museum, im Hintergrund das Stadtzentrum: Sinsheim will seine touristischen Trümpfe selbst vermarkten.Foto: Archiv/Thimm
Stadion, Badewelt, Museum, im Hintergrund das Stadtzentrum: Sinsheim will seine touristischen Trümpfe selbst vermarkten.Foto: Archiv/Thimm

Sinsheim hat dem Verein Kraichgau-Stromberg-Tourismus den Rücken gekehrt und schmiedet seine eigene Werbeallianz. Gemeinsam mit den sechs Gemeinden der sogenannten Brunnenregion und Zuzenhausen will die Stadt die Marke "Sinsheimer Erlebnisregion − Der Norden des Südens" etablieren. Kraichgau-Stromberg betont, die Tür für die Austrittswilligen sei nach wie vor offen.

Einzelne Projekte "Das soll eine projektbezogene Kooperation sein, kein neuer Tourismusverband", betont Sandra Aisenpreis, die im Sinsheimer Rathaus unter anderem für die Tourismusförderung zuständig ist. Am gestrigen Dienstag war der Vertragsentwurf Thema im Gemeinderat der Kraichgaustadt, in den nächsten Wochen werden die potenziellen Partner das Angebot diskutieren. Klar ist: Sinsheim macht in Sachen Tourismus sein eigenes Ding und ist aus dem Verein Kraichgau-Stromberg-Tourismus ausgetreten. Vom Verband, der das "Land der 1000 Hügel" zwischen Neckar und Rhein, Schwarzwald und Odenwald bewirbt, fühlte sich die selbstbewusste Stadt zuletzt nicht mehr angemessen vertreten. Badewelt, Stadion, Technikmuseum, die Messe, bald noch ein Klima-Erlebniszentrum und eventuell ein Haifisch-Aquarium: Sinsheim hat zahlreiche touristische Trümpfe, die man gerne im Alleingang vermarkten will − oder eben in Zusammenarbeit mit den unmittelbaren Nachbarn.

Brunnenregion Die sogenannte Brunnenregion mit Waibstadt, Neckarbischofsheim, Epfenbach, Helmstadt-Bargen, Neidenstein und Reichartshausen hat ebenfalls zum Ende des Jahres den Austritt aus Kraichgau-Stromberg erklärt, dasselbe gilt für Zuzenhausen. "Wir haben ein Problem, weil wir nach Sinsheims Austritt komplett abgetrennt sind", erklärt Waibstadts Bürgermeister Joachim Locher. Das Dasein als Tourismus-Exklave sei wenig sinnvoll. Entscheiden müssten allerdings die Gemeinderäte. Für Locher machte es nur Sinn, schlössen sich alle sechs der "Erlebnisregion" an − oder keiner. Auch ein Verbleib bei Kraichgau-Stromberg sei nicht ausgeschlossen. Darauf hofft auch Christina Lennhof. Den angekündigten Abschied der Brunneregion "bedauern wir natürlich extrem", sagt die Geschäftsführerin des Kraichgau-Stromberg-Tourismus. Diese Gemeinden seien "ganz klar Kraichgau, mehr geht gar nicht".

Der Verein, zu dem auch Eppingen oder Sulzfeld gehören, ließ zuletzt Federn. Außer Sinsheim ging auch Schwaigern von der Fahne. Eine Krise sieht der Vereinsvorsitzende, Brettens OB Martin Wolff, nicht. "Wenn eine Gemeinde am Rand sagt, sie will andere Wege gehen, muss man das akzeptieren", sagte er vergangenes Jahr im Interview mit der Kraichgau Stimme. Da waren die Kündigungen schon ausgesprochen. Jetzt stehen die Zeichen im Norden der Tourismusregion immer klarer auf Abschied.

Internetseite Eines der ersten Projekte der neuen "Sinsheimer Erlebnisregion" soll eine eigene Website sein. Dann will man ein Gastgeberverzeichnis auflegen, ein Portal mit Gaststätten online stellen, später vielleicht auch eine Wanderkarte veröffentlichen. An eigene Auftritte auf Messen ist nicht gedacht.

Sinsheim würde den Löwenanteil der jeweiligen Projektkosten tragen, die Kooperationspartner wären mit einem Viertel dabei. Für die ersten beiden Jahre müssten die Partner rund 30 000 Euro beisteuern, etwas weniger als bei Kraichgau-Stromberg. Der Anteil würde nach Einwohnerzahl umgelegt. "Das Angebot liegt auf dem Tisch", sagt Waibstadts Bürgermeister Locher. Alles deutet darauf hin, dass die Tinte unter dem Vertrag bald trocken ist.

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