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Heilbronn

Sie sind stolz, Deutsche zu sein

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OB nennt Migranten bei Einbürgerungsfeier eine Bereicherung und würdigt Integrationswille

Von unserem Redakteur Kilian Krauth
Während ein Musikschul-Ensemble munter aufspielt, freut sich Neubürger Petar Lucic (v.l.) mit Laura (2) und Ehefrau Sandra über die Einbürgerung.Foto: Dennis Mugler
Während ein Musikschul-Ensemble munter aufspielt, freut sich Neubürger Petar Lucic (v.l.) mit Laura (2) und Ehefrau Sandra über die Einbürgerung.Foto: Dennis Mugler

Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland! Danach lasst uns alle Streben, brüderlich mit Herz und Hand." Vor dem Hintergrund der Migrationsproblematik bekommt die Nationalhymne einen ganz neuen Klang. Zumal, wenn sie von Menschen gesungen wird, von denen viele gar nicht so aussehen, wie sich manche "richtige Deutsche" vorstellen. Die von einem Musikschul-Ensemble intonierte Hymne bildete den Höhepunkt der jüngsten Einbürgerungsfeier der Stadt Heilbronn. 80 Menschen, teils neue Bürger, teils ältere, fanden dabei den Weg in den Großen Ratssaal und stießen beim Stehempfang im neu gestalteten oberen Rathausfoyer auf Stadt und Staat an.

"Ja, ich bin stolz, Deutsche zu sein", gab Oana Dorina Gal zu verstehen, die vor 15 Jahren aus Rumänien kam und längst mit ihren Familie in Heilbronn heimisch geworden sei. "Ganz wichtig war es mir, schnell die Sprache zu lernen, zur Integration und für den Alltag." Inzwischen arbeitet Gal sogar als Dolmetscherin und städtische Elternmultiplikatorin. Sie sei "für alles sehr, sehr dankbar."

Flüchtlinge Gal ist eine von 411 Menschen, die 2015 in Heilbronn eingebürgert wurden. "Das ist Rekord", sagte Oberbürgermeister Harry Mergel. Er sprach bei der Feier auch die "großen Herausforderungen" der Flüchtlingsproblematik an. "Es gibt viele Menschen, die sich sorgen, dass wir diesen Aufgaben nicht gewachsen sein könnten", erklärte der OB. Gleichzeitig erlebe das ganze Land "eine Welle an Hilfsbereitschaft". Allein in Heilbronn arbeiteten 400 Ehrenamtliche in unterschiedlichsten Projekten dafür, dass Menschen, die hier Zuflucht suchten, gut ankommen. Sicher sei aber auch: Nicht alle Flüchtlinge würden auf Dauer bleiben können − oder wollen. "Klar ist aber auch, dass wir die Menschen, die langfristig bei uns bleiben werden, so gut es geht unterstützen müssen", damit sie sich in die Gesellschaft und Wertegemeinschaft einleben könnten.

Dabei hofft der Oberbürgermeister auch auf die Unterstützung der Neubürger. "Sie können in dieser schwierigen Situation ihre Erfahrungen aus unterschiedlichen Kulturen einbringen." Jeder habe eigene Wurzeln, eine eigene kulturelle Identität, sagte Mergel weiter. "Beides verlieren Sie nicht mit dem deutschen Pass." Im Gegenteil: Der OB ermutigte die Neubürger, Traditionen ihrer Heimat zu pflegen und den kulturellen Hintergrund einzubringen, so wie es Bürger aus über 140 Herkunftsländern in Heilbronn bereits täten.

Bunte Republik Durch sie werde "unsere Stadt und nicht zuletzt unsere Bundesrepublik noch lebendiger, bunter und vielfältiger", fuhr der OB fort. Er vergaß nicht die Aufbauleistung Zehntausender Flüchtlinge, Übersiedler und Gastarbeiter, die nach dem Zweiten Weltkrieg und in den Wirtschaftswunderjahren kamen. Ohne sie wäre Heilbronn keine Großstadt und weder kulturell noch wirtschaftlich so stark wie heute.

Stellvertretend für alle Neubürger des Jahres 2015 durften Petar Lucic und Zeki Aslan während der Feier ihre Einbürgerungsurkunden entgegennehmen. Der OB erinnerte sie an ihre Bürgerrechte, aber auch an ihre Pflichten. Den Inhalt der Dokumente "übersetzte" er so: "Ich möchte Teil sein dieser Einheit der Verschiedenen, diesem deutschen Wir".

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