Musik entspannt Körper und Geist
Karl Kühner freut sich auf ein klingendes Horkheimer Wochenende

Auf Musik verzichten? Das kann sich Karl Kühner beim besten Willen nicht vorstellen. Nicht wegzudenken ist sie aus seinem Leben, "für mich persönlich ist Musik etwas ganz Großes", sagt der 64-Jährige, der sich im Stadtteil Horkheim vielfältig und musikalisch engagiert, unter anderem beim Turn- und Sängerbund. Kein Wunder, freut er sich auf das kommende Wochenende: Da geht es in Horkheim zwei Tage lang um die Musik. Über ihre heilsame Wirkung und darüber, warum junge Leute trotzdem nicht in den Chor eintreten, unterhielt sich Karl Kühner mit unserer Redakteurin Franziska Feinäugle.
Warum ist Ihnen Musik so wichtig?
Karl Kühner: Ich mag Musik einfach. Sie entspannt. Beim Singen kann ich so richtig abschalten. So wie der eine Sport macht, so ist für den anderen Singen erholsam für Körper und Geist. Ich höre gern Musik, vor allem Rockmusik; aber ich bin da nach allen Richtungen offen. Genauso gut kann mir ein Lied gefallen, das 200 Jahre alt ist.
Seit zehn Jahren gibt es in Horkheim den Tag der Musik. Hat er alle Ihre Hoffnungen erfüllt?
Kühner: Ich gebe zu: Wir hatten damals einen Hintergedanken. Im Vordergrund dieser Kooperation von TSB und Grundschule stand und steht das gemeinsame Musizieren − das ist jedes Mal wunderschön. Unser Hintergedanke war: Wenn die Kinder singen, können wir vielleicht deren Väter und Mütter animieren, zu uns in den Chor zu kommen.
Und? Hat das geklappt?
Kühner: Leider nein. Die Grundschüler singen, aber kein einziger Vater und keine einzige Mutter sind deswegen Chorsänger geworden.
Chöre haben es schwer heutzutage.
Kühner: Ja, das geht nicht nur uns so. Sontheim, Flein, Lauffen − die Gesangvereine haben alle ihre Probleme. Früher war es in Horkheim so: Wenn man nicht mehr Handball spielen konnte, ist man zum Singen gegangen. Heute sieht man dann zuhause fern, und die Jüngeren fahren mit dem Auto in andere Orte, an denen es andere Sportarten gibt. Mit dem Singen ist es wie mit dem Posaunenchor, das habe ich an unseren Kindern gesehen: Die haben alle vier hier im Posaunenchor gespielt − und irgendwann gehen sie studieren, dann kommt das Loch. Auch beruflich wird heutzutage viel Mobilität von den Menschen verlangt, das erschwert einiges.
Wie kann man der Mobilität wieder Musik entgegensetzen?
Kühner: Wir Chöre müssen uns fragen, wie richten wir uns zukünftig aus? Alte Zöpfe muss man abschneiden können, vielleicht muss man auch über Kooperationen mit anderen nachdenken. Wir haben zurzeit noch einen reinen Männerchor und das Chörle − bestehend überwiegend aus Frauen, unterstützt von einigen Männern. Am Tag der Musik singen wir gemeinsam, also Frauen und Männer.
Ein höheres Durchschnittsalter im Chor, ältere Stimmen − was bedeutet das?
Kühner: Wenn die Sänger älter werden, werden die Stimmen schlechter. Ich werde in wenigen Monaten 65 und bin bei uns noch einer von den Jüngeren. Zwei, drei Sänger sind knapp über 50, alle anderen weit über 60. Warum also nicht sagen: Dirigenten haben meistens einen zweiten Chor, also studieren sie mit beiden dasselbe Liedgut ein, um dann gemeinsam bei Konzerten aufzutreten. Dann klingt es kräftiger.

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