"Müssen das subjektive Sicherheitsempfinden stärken"
Heilbronn ist sicher, dennoch fühlen sich viele Menschen immer bedrohter. Ordnungsbürgermeisterin Agnes Christner will gegensteuern - mit mehreren Bausteinen eines Sicherheitskonzepts.

Heilbronn ist nach wie vor die zweitsicherste Großstadt in Baden-Württemberg nach Reutlingen. Dennoch sagte Ordnungsbürgermeisterin Agnes Christner im Jahresgespräch mit der Heilbronner Stimme: "Wir müssen das subjektive Sicherheitsempfinden unserer Bürger mehr als bisher stärken. Aber wir müssen auch aufpassen, nicht in Aktionismus zu verfallen."
Im Hinblick auf die sich verändernde Sicherheitslage und reale Anschlagsgefahr in Deutschland hat Heilbronn, wie Christner erklärte, "die ohnehin hohen Sicherheitsvorkehrungen bei öffentlichen Veranstaltungen nochmals erhöht". Dies betrifft in erster Linie den Einsatz und die Maßnahmen von Security-Personal sowie die Präsenz von Polizei und Kommunalem Ordnungsdienst (KOD) auf dem jeweiligen Veranstaltungsgelände und drumherum. Bereits jetzt laufen auch die Sicherheitsplanungen für die Bundesgartenschau an.
Immer mehr Demonstrationen
Zunehmend gefordert sind die Stadt als Versammlungsbehörde und die Polizei bei Demonstrationen. Mit 77 Demonstrationen wurde im vergangenen Jahr der bisherige Höchststand erreicht. Vor zehn Jahren waren es halb so viele. Zentrale Themen waren der Türkei-Kurden-Konflikt und der Kampf gegen den Terrorismus. Nachdenklich stimmt Agnes Christner, dass "beide Konfliktherde seit Mitte des vergangenen Jahres deutlich an Schärfe zugenommen haben".
Seit 1998 gibt es in Heilbronn die Kommunale Kriminalprävention (KKP). Durch verschiedene Angebote wie die flächendeckenden Sucht- und Gewaltschutzprogramme an Schulen und Kindergärten, die Schulsozialarbeit oder den Täter-Opfer-Ausgleich hat sich die Prävention kontinuierlich weiterentwickelt. Jetzt sieht Bürgermeisterin Christner den Bedarf für eine Neuausrichtung: "Ziel ist, die städtische Kriminalprävention als Steuerungs- und Kommunikationsplattform neu zu strukturieren und Strategien für die Präventionsarbeit zu entwickeln." Deshalb wird im Laufe des Jahres die kommunale Präventionsarbeit als Stabsstelle bei der Amtsleitung des Ordnungsamtes angegliedert.

Brennpunkte schnell erkennen
Weitere Bausteine im Sicherheitskonzept der Stadt Heilbronn sind die Sicherheitspartnerschaft mit der Polizei und der seit 2005 existierende Arbeitskreis "Miteinander in der City". In diesem Arbeitskreis arbeiten das Amt für Familie, Jugend und Senioren, das Ordnungsamt, die Polizei, Träger der Sucht- und Wohnungshilfe sowie Vertreter des Handels mit dem Ziel zusammen, aufkommende oder sich verändernde Brennpunkte möglichst frühzeitig zu erkennen.
Uniformierte Präsenz zeigen im Stadtgebiet auch die acht Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) und die 15 im Vollzugsdienst Beschäftigten. Personell aufgestockt wird in diesem Jahr der Feldschutz: "Die beiden Personen können aber auch künftig nicht überall sein", dämpft Agnes Christner allzu große Erwartungen. Nicht drumherum redet sie bei den Park- und Rotlichtverstößen: "Das ist ein Ärgernis, aber nicht Heilbronn spezifisch." Ihre Augen richteten die Vollzugsbediensteten im vergangenen Jahr zu 66 Prozent auf den ruhenden Verkehr, zu 28 Prozent auf den Fahrverkehr und zu sechs Prozent auf den Feldschutz.
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