Marra-Haus: Weltoffen und offen zum Neckar
Japanisch, italienisch und lokal: So wird das Gastroangebot im Marrahaus.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen ersten Spatenstich? Im Fall des sogenannten Marrahauses, das an exponierter Stelle dort entsteht, wo im Mittelalter das Spital stand, dann − als sie noch etwas galt − die Post ihren Amtssitz hatte und in der Nachkriegszeit schließlich ein Textilkaufhaus stand, hat Joachim Kruck den gestrigen Vormittag gewählt. Es hätte auch der Tag sein können, an dem der Abrissbagger das alte C&A-Gebäude abzureißen begann. Oder der Termin, an dem die Bauleute mit dem Bau der Spundwand begannen, die die Baugrube am Neckar und später die Arthaus-Kinos im Untergeschoss trocken halten sollen.
Fassade
So liegt Joachim Krucks Termin zwischen dem Wahlsonntag und der Bekanntgabe der Ergebnisse. Und ein bisschen so ähnlich verhält es sich auch mit dem 42 Millionen Euro teuren Neubau: Die meisten Entscheidungen sind gefallen. Wie sie sich am Ende darstellen werden, dazu braucht es eine Menge Fantasie. Zumal die von dem Künstler Antonio Marra gestaltete Fassade bisher noch nicht genehmigt ist − der Gemeinderat wird sich in den nächsten Tagen damit befassten, bis dahin gilt nur Oberbürgermeister Harry Mergels Wort, der sich in seiner kurzen Rede sehr angetan von dem aktuellen Entwurf zeigt. Und überhaupt von dem Projekt, das sich in die Kette der wichtigen Projekte wie die Erweiterung der Experimenta und des Bildungscampus sowie in die Buga einreihen wird.
"Dieser Bau wird entscheidend dazu beitragen, dass sich Heilbronn mehr an den Neckar heranbewegt", sagt Mergel. Weil das Marrahaus zum Ufer hin keine Mauern, sondern Öffnungen hat. Türen, hinter denen sich außer dem Arthauskino auch Gastronomiebetriebe befinden werden.
Anders als bei der Fassade, die in enger Abstimmung mit der Stadt entscheiden wird (Kruck: "Wir hatten immer das Gefühl, dass das Projekt Chefsache ist. Früher bei Helmut Himmelsbach und jetzt bei Harry Mergel."), hat der Investor in Sachen Mietverträge für sein "richtungsweisendes und markantes Gebäude" freie Hand.
Mangold
Vier der fünf Gastro-Flächen sind bereits vergeben, drei der künftigen Betreiber sind beim Spatenstich anwesend: Nelly Roth, 28, aktuell Foodcourt-Geschäftsführerin und Winterdorf-Macherin, wird mit dem Mangold, das nach dem Fotogeschäft in der Kaiserstraße benannt ist, eine moderne Bar eröffnen, die zugleich eine Brücke ins alte Heilbronn schaffen soll.
Außerdem wird die Italo-Kette L’Osteria ihren Steinofen anwerfen. Mediterranes Flair gepaart mit Pizza und Pasta ist das Erfolgsrezept des Münchner Unternehmens. 29 Standorte sind es aktuell, zehn weitere sollen alleine in diesem Jahr hinzukommen, wie Geschäftsführer Klaus Rader erklärt.
Und schließlich bekommt Heilbronn im Marrahaus mit Mosch-Mosch eine japanische Nudelbar. Auch dieses Restaurantkonzept ist erprobt mit Standorten in Städten wie Düsseldorf oder Heidelberg.
An der Ecke zur Kaiserstraße zieht ein Eiscafé mit Betreibern aus Heilbronn ein. Hier nennt Kruck noch keine Namen, ebenso wenig bei den Ärzten im ersten Obergeschoss. Aber bis der Bau fertig ist, bleibt ja noch ein bisschen Zeit.

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