Kein Platz für den Zeitgeist: Kunsthaus Blech schließt
Das Heilbronner Kunsthaus Blech, spezialisiert auf Krippenfiguren, schließt nach 86 Jahren.

Stars wie David Beckham und Britney Spears waren es, die dem Heilbronner Kunsthaus Blech vor gut einem Jahrzehnt zu einem unerwarteten Aufschwung verhalfen. Weil sich Fußballer und Sängerin gerne mit einem üppigen Rosenkranz um den Hals zeigten, wurde die Devotionalie zu einem modischen Accessoire für den Discobesuch. Und Michael Tuschner sah dadurch junge Kundschaft in seinem Laden, die sonst eher selten den Weg in das Traditionsgeschäft an der Allee fanden.
Handgeschnitzt

Inzwischen ist der Boom vorbei, und die katholischen Gebetsketten werden wieder überwiegend an religiöse Kunden verkauft − die auch das Schwerpunktsortiment des Ladens zu schätzen wissen: handgeschnitzte Krippenfiguren. Am Jahresende wird Michael Tuschner den Laden schließen. Der 56-Jährige will sich um seine erkrankte, 82-jährige Mutter kümmern.

1930 öffnete das Kunsthaus Blech an der Kaiserstraße. Walter und Susanne Tuschner, die Eltern Tuschners, hatten das Geschäft 1978 übernommen und es beim eingeführten Namen belassen. Walter Tuschner hatte als Holzbildhauer das Kunsthaus schon zuvor beliefert. Später wurde das Sortiment an handgefertigten Krippenfiguren deutlich erweitert. 40 verschiedene Krippenarten hat es gegeben, berichtet Tuschner, die größte Auswahl im weiten Umkreis. Fündig wurde und wird auch, wer Ölgemälde, Zinnbecher, Karten, Kerzen, Keramik, Nussknacker, Emailleschmuck und Grünhainichener Holzengel sucht. "Wir verkaufen was uns selbst gut gefällt."
Wandel

In den 80er und 90er Jahren wäre der Laden vor allem zur Adventszeit stets voll gewesen, erinnert sich Tuschner. Dass die Geschäfte nicht mehr so gut laufen, dass manchmal stundenlang kein Kunde kommt, das gehört zum gesellschaftlichen wie ökonomischen Wandel, dem der Einzelhandel, und dazu ein so spezialisierter, unterworfen ist: "Diejenigen, die gerne etwas Hochwertiges für Weihnachten kaufen möchten, können es sich nicht leisten. Und die anderen fahren in den Skiurlaub, statt zuhause zu feiern", vermutet der studierte Betriebswirt.
Etwas Gescheites anzuschaffen, dass ein Leben lang seinen Wert behält, und nicht kaputt geht, das machen nicht mehr so viele. Im Gegenteil. Heute vergehe kein Tag, so Tuschner, an dem nicht sogar jemand vorbeikomme, der seine Ölbilder oder Zinnbecher an ihn verkaufen wolle.
Das Sortiment verändern? Es habe durchaus mal Überlegungen gegeben, den Laden umzukrempeln und zu modernisieren. "Aber da wäre die Authentizität verloren gegangen", ist Tuschner überzeugt. Die alte Ladeneinrichtung aus Holz durch Glas- und Metallregale zu ersetzen, "das hätte nicht zu uns gepasst, das wären dann nicht mehr wir gewesen".
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