Heilbronn

Die gute Seele des Puffs

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Heidi Klein bekocht seit 40 Jahren Prostituierte im Bordell. Neben der Verpflegung ist sie auch oft für den Seelentrost zuständig.

Von unserem Redakteur Jürgen Kümmerle
In den Bordellen S3 und S7 an der Sontheimer Straße in Heilbronn arbeitet Heidi Klein zuerst als Putzfrau und später als Köchin. Foto: Archiv/Kugler
In den Bordellen S3 und S7 an der Sontheimer Straße in Heilbronn arbeitet Heidi Klein zuerst als Putzfrau und später als Köchin. Foto: Archiv/Kugler

Fein frisiert steht Heidi Klein am Herd. Die weiße Küchenschürze ist akkurat gebunden. Unaufgeregt, geradezu fürsorglich serviert sie den jungen Frauen das Mittagessen. Heute gibt es Würstchen, Reis, Ei und Tomaten.

Geheimhaltung

Seit 40 Jahren ist Klein die gute Seele des Puffs. Im S3 an der Sontheimer Straße hatte sie damals als Putzfrau angefangen. Heute arbeitet sie im H7 in der Hafenstraße, unweit von der Theresienwiese. Sie will nicht, dass ihr richtiger Name in der Zeitung steht. Auch über ihr Alter möchte sie sich nicht öffentlich äußern. Bis auf ihre Kinder weiß niemand, an welcher Arbeitsstelle sie ihr Geld verdient. Seit 40 Jahren hält sie ihre Arbeit vor Freunden und Nachbarn geheim. "Wenn mich jemand fragt, sag' ich, dass ich als Haushälterin bei einer Familie arbeite."

Lohntüte

Und irgendwie stimmt das ja auch. Für viele der Frauen aus dem Rotlicht-Milieu ist sie der Mama-Ersatz. Zumindest so lange, wie die Frauen der Prostitution im Bordell in Heilbronn nachgehen. "Anschaffen ist Nervensache. Die Frauen müssen viel über sich ergehen lassen", sagt sie. Dann kreisen ihre Gedanken. Um die Zeit, als sie 1975 als Putzfrau im S3 anfing. "Damals waren die Bordelle immer voll. Die Männer kamen mit ihren Lohntüten und haben einen Teil ihres Geldes ausgegeben." Es habe Abende gegeben, da hätten die Männer bereits in den Gängen des Bordells gestanden und gewartet.

Heidi Klein hält sich damals wie heute unauffällig im Hintergrund. Für die Frauen hat sie jedoch immer ein offenes Ohr. Zu ihr haben sie Vertrauen. "Es war wie zwischen einer Mutter und ihren Kindern", sagt sie, die Hände auf dem Tisch gefaltet. Anfangs habe sie Mitleid mit den Prostituierten empfunden. Als sie sie besser kennenlernt, weicht Mitleid dem Respekt. "Es gehört viel dazu. Man muss froh sein, dass es die Frauen gibt."

Eifersucht

Die Tür geht auf und eine junge Prostituierte kommt herein. Wortlos setzt sie sich an den Tisch, tippt auf ihrem Mobiltelefon herum. Ihr Kontakt in die Heimat. Dann unterhält sie sich mit ihrer Kollegin. Klein serviert ihr wortlos das Mittagessen. Freundlich bedankt sich die Frau. "Wichtig ist, dass man kein persönliches Verhältnis zu den Frauen aufbaut", sagt Klein, als sie sich wieder an den Tisch setzt. Die Gefahr von Eifersüchteleien sei zu groß.

Mitunter komme es auch zu Streit unter den Frauen: "Aber der ist zu bewältigen und gleich wieder vergessen." Oft springt sie als Seelentrösterin ein. "Früher war es mehr die Sorge um die Ehemänner." Heute plagten die Frauen eher das Heimweh. Viele von ihnen kommen aus Südosteuropa. "Sie schaffen an, um ihre Familie, ihre Kinder zu versorgen." Deutsche Prostituierte im Heilbronner Bordell seien eher die Seltenheit. "Die arbeiten heute in FKK-Clubs."

Dass sich eine Prostituierte in einen Freier verliebe, komme schon mal vor. "Die laden die Frauen dann mal ein oder gehen mit ihnen in die Disko." An eine Geschichte erinnert sich Klein gerne. Ein Freier und eine Prostituierte hätten sogar einmal geheiratet. Die Frau eröffnete eine Boutique. "Die beiden sind heute noch zusammen."

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