Heilbronn

Der Goji-Pionier aus Heilbronn

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Klaus Umbach ist das, was man einen Überzeugungstäter nennt. Der Gärtnermeister aus dem Heilbronner Süden hat sich ganz der Goji-Beere verschrieben. Das Obst gilt als "Superfood".

Von Jürgen Paul
Wenn es um Goji-Beeren geht, ist der Heilbronner Gärtnermeister Klaus Umbach in seinem Element. Er ist überzeugt davon, dass die Vermarktung funktionieren wird. Jürgen Paul
Wenn es um Goji-Beeren geht, ist der Heilbronner Gärtnermeister Klaus Umbach in seinem Element. Er ist überzeugt davon, dass die Vermarktung funktionieren wird. Jürgen Paul

Seit 2011 baut er sie auf einem Hektar Fläche an. "Als Hobby", sagt Umbach, der sich hauptberuflich um seinen Bioland-Gärtnereibetrieb kümmert − wohlwissend, dass seine Vorliebe für die chinesische Wolfsbeere weit mehr ist als nur eine Freizeitbeschäftigung. Ansonsten hätte der selbsternannte Goji-Missionar wohl kaum mehr als eine halbe Million Euro in die Kultivierung dieser Pflanze investiert − und zwar lange Zeit, bevor sie als "Superfood" für Furore unter gesundheitsbewussten Verbrauchern sorgte.

Faible für die Traditionelle Chinesische Medizin

Bei Klaus Umbach kamen zwei Dinge zusammen: zum einen sein Faible für die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), die ihm und zahlreichen Bekannten schon gute Dienste erwiesen hat. Und zum anderen seine gärtnerische Experimentierfreude. Wobei Umbach einräumt, dass der entscheidende Goji-Impuls vor sieben Jahren vom Handel kam. "Edeka hat uns Anbauer aufgefordert, Innovationen zu bringen, weil immer nur Paprika, Tomaten und Gurken langweilig seien", erinnert er sich.

Also entschloss sich Umbach, Goji-Beeren in Bio-Qualität anzubauen, um dem Ruf des Handels nach neuen Produkten nachzukommen. 15 Sorten, die meisten direkt aus China, pflanzte er als einer der ersten hierzulande an. "Niemand wusste, wie man Goji in Deutschland macht", sagt Umbach, der in der Folge viel Lehrgeld bezahlte und ebenso viel gelernt hat. Zum Beispiel, dass die meisten Goji-Sorten bitter schmecken, weshalb sich der Gärtnermeister nun auf die süße Sorte Turgidus konzentriert.

Eine zweite Erkenntnis der ersten Jahre war, dass der Handel große Mengen an Beeren benötigt und die Lieferfähigkeit gegeben sein muss. Da dies nicht der Fall war, listete Edeka die Goji-Beeren aus Heilbronn wieder aus.

Superfood? "Manches wird überhöht"

Klaus Umbach machte trotz dieser Rückschläge unverdrossen weiter, weil er an die Zukunft der Goji-Beere glaubte und sicher war, mit Turgidus die richtige Sorte gefunden zu haben. Der Trend zum gesetzlich nicht geschützten Superfood kommt dem Heilbronner gerade recht, auch wenn er einräumt, dass "manches überhöht wird". Aber: Handel und Verbraucher verlangten nach frischen Goji-Beeren aus Europa − die getrockneten stammen aus China.

Umbach ist sicher, dass Edeka bald zurückkommt. Auch andere Handelsketten haben den Goji-Pionier auf dem Radar. Selbst aus Marokko kamen Interessenten ins Unterland, um sich über Anbau, Vermarktung und mögliche Kooperationen zu informieren. Umbach geht davon aus, dass die Beere in zehn Jahren eine ähnliche Marktbedeutung haben wird wie die Paprika.

Die Vermarktung will der Unternehmer jetzt forcieren, vor allem über den Bio-Großhandel, am besten gemeinsam mit anderen Anbauern. Rund vier Tonnen Goji-Beeren will er dieses Jahr von einem Hektar Fläche ernten. Der Großhandelspreis liegt bei 80 bis 100 Euro pro Kilogramm, als Verkaufspreis nennt Umbach rund 200 Euro und verweist auf den "enormen Ernteaufwand". Der Verbraucher muss wohl fünf Euro für ein 25-Gramm-Schälchen berappen. "Das ist die Dosis für drei Tage", betont der Gärtnermeister. 

Im Apfel-Sauerkirsch-Goji-Saft "Ener-Ji", den er mit dem Heilbronner Saftexperten Jürgen Gunkel auf den Markt gebracht hat, sieht Klaus Umbach ebenfalls viel Potenzial. "Goji ist im Kommen", ist der Vorreiter überzeugt.

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