Heilbronn
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Historischer Doppelschlag zum 1250-Jahr-Fest

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Biberacher ziehen mit Jubiläumsumzug durch die Gassen und führen Kindermusical als Zeitreise auf

Von unserem Redakteur Carsten Friese
In feschen Trachten mit Leckereien durch den Ort: die Landfrauen beim Jubiläumsumzug gestern in Biberach.Fotos: Guido Sawatzki
In feschen Trachten mit Leckereien durch den Ort: die Landfrauen beim Jubiläumsumzug gestern in Biberach.Fotos: Guido Sawatzki

Die Straßenränder sind dicht gesäumt, die Spannung der Zuschauer ist spürbar: Mit etwas Verspätung, aber in schönen historischen und modern-frechen Kostümen setzt Biberach am Sonntag einen historischen Markstein.

Rund 35 Gruppen aus Biberach und umgebenden Orten marschieren oder fahren mit urigen Vehikeln beim Jubiläumsumzug im 1250. Biberacher Jahr in gut einer Stunde durch den Ortskern. Unter dem Beifall der Zuschauer lassen Teilnehmer die Historie hochleben, wie der Interessenkreis Heimatgeschichte. In alten Kostümen erinnert er an die einstige Vertreibung des Pfarrers nach einem Streit um den Fastnachtsbrauch. Die Landfrauen sind ebenso ein Blickfang in ihren Trachten, und wer Glück hat, ergattert ein Stück Gebäck als milde Gabe.

Moderator Herbert Kilper erklärt am Röhrenbrunnen Hintergründe der Gruppen. Die Feuerwehr ist mit einer Pferdezugspritze von 1884 unterwegs, die Turner des TSV Biberach zelebrieren im Turndress mit Hosenträgern und dicken Schnauzern im Gesicht eine Stabgymnastik von anno dazumal. Historische Schlepper und BMW-, Mercedes- und VW-Oldtimer aus den 1920er bis 1950er Jahren bereichern das historische Flair.


Schrille Truppe

Flotte Schuhplattler-Einlage: eine Tanzgruppe von Kunst 07 aus Heilbronn.
Flotte Schuhplattler-Einlage: eine Tanzgruppe von Kunst 07 aus Heilbronn.

Für schmissige Weisen sorgen nicht nur die Musikkapelle und der Posaunenchor. Die "Andergroundgugge" fallen schon durch ein schrilles Punk-, Gothic- und Raveroutfit auf. Sie legen sich sogar kurz auf dem Asphalt ab und spielen dort locker ihre Blechinstrumente kurzerhand weiter. Respekt! Mit einer La-Ola-Welle ziehen die TSV-Handbeller durch die Gassen, die Kindergartenkinder präsentieren allerlei Märchenkostüme − und der Hundeverein zeigt stattliche Vierbeiner, zum Teil mit Halsband in Deutschlandfarben. Urig: Die Seifenkisten des Evangelischen Jugendwerks, bei denen eine Badewanne auf Rädern heraussticht.

"Das war nett, ein schöner Umzug. Mehr Musik wäre aber gut gewesen", sagt die Bonfelderin Andrea Renner nach dem Spektakel. Auch Moderator Herbert Kilper hat zuvor schon erkannt, dass man mehr stimmungsvolle Musik auch am Rand hätte aufbieten sollen. Mit der Zuschauerresonanz ist Kilper sehr zufrieden. Und viele Gruppen "haben sich wirklich Mühe" mit ihrem Auftritt gegeben.

In Neckargartach steht im kommenden Jahr der Jubiläumsumzug bevor. Ortskartellchef Herbert Burkhardt hat gekiebitzt und sich "einige Anregungen geholt". Man werde Vereine ansprechen, im Nachbarort wieder mitzumachen.

Musical-Reise

Mönche bringen Biberachs erste Urkunde ins Stegstreckerfestzelt: Beim Kindermusical "Eine Reise durch die Zeit" machten gut 300 junge Biberacher mit.Foto: Friese
Mönche bringen Biberachs erste Urkunde ins Stegstreckerfestzelt: Beim Kindermusical "Eine Reise durch die Zeit" machten gut 300 junge Biberacher mit.Foto: Friese

Ein besonderes historisches Spektakel erlebten gut 500 Gäste im proppenvollen Stegstreckerfestzelt bereits am Samstag. Rund 300 Kinder der Grundschule, Kindergärten und Musikkapelle sowie einige Erwachsene begeisterten die Zuschauer mit dem Kindermusical "Eine Reise durch die Zeit". In szenischen Einlagen, moderiert von "Enkelin" Sophia Pfitzenmaier und "Opa" Karl-Heinz Pfeil, ließen die Kinder wichtige Momente der Ortsgeschichte lebendig werden.

Mönche mit der allerersten Urkunde, römische Legionäre, kämpferische Bauern mit selbst gebastelten Mistgabeln im Bauernkrieg oder Biberacher Bürger, die einen zu kurzen Steg über den Böllinger Bach in die Länge ziehen wollten: kurzweilig sprangen die Kinder in pfiffigen Kostümen durch die Ortshistorie.


"Da ist unheimlich viel Phantasie dahinter", lobte Oberbürgermeister Harry Mergel. In einer Szene trat Mergel selbst mit auf der Bühne auf, als er die Eingemeindung Biberachs im Jahr 1974 nach Heilbronn in Szene setzte. Die Quintessenz des OB: Biberach war "eine selbstbewusste Braut" − und rang der Stadt unter anderem Hallenbad, Stadion und einen Stadtbusanschluss ab.

 
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