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Obersulm

Garten voller Skulpturen aus Weidengeflecht

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Inge Hoffmann-Vogel hat eigene Technik entwickelt − Kraft in Armen und Händen gefragt

Von unserer Redakteurin Sabine Friedrich
Grüßen die Spaziergänger, die am Garten der Familie in Weiler vorbeilaufen: die Krippenfigur Josef und die Blumenfrau, ergänzt durch Federvieh.
Grüßen die Spaziergänger, die am Garten der Familie in Weiler vorbeilaufen: die Krippenfigur Josef und die Blumenfrau, ergänzt durch Federvieh.

Sie hält einen Korb mit gelben und orangefarbenen Ranunkeln in den Händen. Zu ihren Füßen sind eine Pflanzschale mit sonnengelben Stiefmütterchen und Federvieh platziert. Zur ihrer Rechten steht ein Er, zu ihrer Linken sitzt ein paar Meter entfernt ein weiteres Mannsbild auf der Bank. Alles zwar in Lebensgröße, aber nicht aus Fleisch und Blut, sondern aus Weidenruten. Erschaffen von Inge Hoffmann-Vogel, die mit den Kreationen ihres handwerklichen Könnens ihren Garten in Obersulm-Weiler dekoriert. "Ich vermittele nicht das Korbflechthandwerk", sagt die Leiterin von VHS-Kursen. Die 49-Jährige hat einen eigenen Stil gefunden. "Ich mache viel mit Wickeltechnik."

Blüte Die Ergebnisse sind ganz erstaunlich, wie sich bei einem Rundgang durch den Garten zeigt. Am Weg zum Hauseingang steht eine große Blume mit runder Blüte und Blättern. Sie leuchtet gelblich, weil diese Weiden frisch ist. "Da sind die Farben noch schön", weiß die Fachfrau. Denn wenn das Material trocknet, bräunt es nach, wird durch die Witterung auch gräulich. So wie der Esel − wie der Josef neben der Blumenfrau − ein Teil der Krippe, die Hoffmann-Vogel vor ein paar Jahren geflochten hat. Das Tier steht unter einem Weiden-Schirm, der als Stütze den letztjährigen Christbaumstamm aus der Weilerner Kirche hat. Herzen, Kugeln, Paravents, Riesen-Tropfen zum Bepflanzen, Windspiel, Rankhilfen oder eine Vogelscheuche verwandeln den Garten der Familie in eine Galerie. Rund ums Haus liegen Berge von Weidenbündeln, das Arbeitsmaterial der vierfachen Mutter. Im Januar macht sie sich auf, Weiden zu schneiden an Bachläufen oder auf dem Grünland, das sie von ihrem Vater übernommen hat. Längst ist sie beim Obersulmer Bauhof, dem Betriebshof des Breitenauer Sees oder Wengertern als die Frau bekannt, "die alles brauchen kann". So bekommt sie auch von diesen Nachschub. In der Saftruhe müssen die Weiden geschnitten werden, zwischen November und Februar. "Wenn sie austreiben und im Saft stehen, fangen sie an zu brechen", sagt Hoffmann-Vogel. Sortieren nach Länge und Dicke ist der nächste Schritt. Und wenn das Material trocken ist, benötigt es ein zweiwöchiges Bad in der Edelstahlwanne in ihrer überdachten Werkstatt hinter dem Haus.

Werkzeug Hoffmann-Vogel hat keinen Laden, ihre Kursteilnehmer fertigten ihre Stücke selbst. Einzig beim Weihnachtsmarkt am Breitenauer See hat sie einen Stand. Aber die gelernte Erzieherin und Naturpädagogin kreiert für Adventsausstellungen oder Tage der offenen Tür von Gärtnereien Exponate als Leihgaben. Ihre Weidenflechtkunst am Stand der WG Grantschen beim Heilbronner Weindorf 2011 hat den ersten Preis gewonnen.

Hoffmann-Vogel experimentiert. Bis sie mit ihrem Ergebnis zufrieden ist, landet schon mal Misslungenes auf dem Häckselplatz. Die Obersulmerin betont, dass sie keinen Draht, keine Hilfsmittel verwendet. Rebschere, ein scharfes Messer und ein Pfriem als Vorstecher, um die Ruten durchzuziehen sind ihr Werkzeug. Sie baut ein Gerüst und umwickelt dieses, wendet die Technik des Zäunens oder Schichtgeflecht an. Ein Holzschnitzer schnitze Material weg, sie schaffe es drauf. "Es ist ein Handwerk, kein Bastelkurs, das merken die Kursteilnehmer gleich."

Und es bedarf Kraft in Armen, Händen, der Fingermuskulatur. "Das ist auch für mich anstrengend", meint sie und zeigt auf ihre Hände, auf die kein Ring mehr passt. Ihr Lieblingsstück ist der Josef. "Die meisten Leute sagen, er sieht aus wie mein Sohn, der damals in Amerika war", erzählt die Ur-Weilernerin.

Die Obersulmer Blumenfrau, deren Rock aus Weidenbüschel besteht, ist übrigens in acht Stunden fertig gewesen. Kein Vergleich zum sitzenden Mann, in dem insgesamt etwa 20 Arbeitsstunden stecken. Allein an seinem Hut hat Inge Hoffmann-Vogel, die als Teilzeitkraft im Weinsberger Lebenshaus für den Kreativbereich zuständig ist, drei Stunden geflochten.

Hinter dem Haus hat Inge Hoffmann-Vogel ihre überdachte Werkstatt. Rebschere, Messer und Pfriem sind die Werkzeuge, um Weidenruten verschiedener Längen und Dicken zu verarbeiten, zum Beispiel zu einem Herz.Fotos: Sabine Friedrich
Hinter dem Haus hat Inge Hoffmann-Vogel ihre überdachte Werkstatt. Rebschere, Messer und Pfriem sind die Werkzeuge, um Weidenruten verschiedener Längen und Dicken zu verarbeiten, zum Beispiel zu einem Herz.Fotos: Sabine Friedrich
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