Fahrradfahren für den Frieden
Tour gegen Krieg macht auf dem Marktplatz Station − Performance und eine Mahnwache vor Rüstungsfirma

Soldaten mit Stahlhelmen auf dem Kopf und Gewehren vor der Brust stehen vor Ölfässern. Leichen liegen zugedeckt auf dem Boden, nur die schmutzigen, blanken Füße schauen unter großen, weißen Tüchern hervor. Direkt daneben stehen Menschen und sehen nichts, hören nichts, sagen nichts.
Was gestern auf dem Heilbronner Marktplatz nur eine Performance war, ist für Menschen an anderen Orten der Welt Alltag. Dagegen radeln diese Woche 35 Fahrradfahrer der Deutschen Friedensgesellschaft / Vereinigte Kriegsdienstgegner Bayern an − und wollen mit Aktionen auf Marktplätzen und Mahnwachen vor Rüstungskonzernen oder Bundeswehrstützpunkten ein Zeichen gegen Krieg und für Abrüstung und Menschlichkeit setzen. In sechs Etappen geht es dafür 500 Kilometer von Ingolstadt zur US-Airbase Ramstein nahe Kaiserslautern. Und das nicht ohne Grund: Laut Organisator Thomas Rödl ist dies ein Knotenpunkt beim Datenaustausch zwischen Drohnenpiloten einer US-Airbase in Nevada und den Zielgebieten der Angriffe im Nahen und Mittleren Osten. Die Radtour, schon die zwölfte in Folge, richtet sich in diesem Jahr daher vor allem gegen den Drohnenkrieg der USA − aber auch gegen das Aufrüsten Europas: "Eine militärische Lösung ist immer die falsche Lösung."
Gestern machen die Radler Station in Heilbronn, schon die Ankunft der klingelnden und mit regenbogenfarbenen Peace-Flaggen geschmückten Räder vor dem Rathaus erregt Aufsehen. Friedensbewegung und Heilbronn − das passt zusammen, macht Oberbürgermeister Harry Mergel, selbst Mitglied der "Mayors for Peace", der Bürgermeister für Frieden, bei der Begrüßung klar. Die Zerstörung der Stadt 1944 und der Pershing-Unfall 1985 auf der Waldheide seien traumatische Ereignisse gewesen. "Wenn man sich die weltpolitische Lage anschaut, kann man es sagen wie Klosterfrau Melissengeist: ‘Nie wart ihr so wertvoll wie heute’." Wenn es nach Rödl ginge, könnte sich die weltweite Bewegung der Mayors for Peace noch deutlicher für die Abrüstung aussprechen.
Am Ende ihrer Performance auf dem Marktplatz fordern die Radler die Heilbronner auf, mit John Lennons "Give peace a chance" für den Frieden zu singen. Und diese zögern nicht lange, ein hoffnungsvolles Bild in unruhigen Zeiten. Dann geht es für die Radler im Alter zwischen neun und 74 Jahren weiter zur Firma AIM in der Theresienstraße, deren Nachtsichtgeräte auch in Waffen eingebaut werden. Bei solchen Mahnwachen stoßen sie oft auf Widerstand, sagt Organisatorin Johanna Pfeffer. "‘Wir produzieren nur, wir schießen nicht’ ist meist das Argument. Wir wollen zeigen, was man mit dem gleichen Know-How außer Waffen produzieren kann."
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