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Ein BMW-Oldtimer in Heilbronner Haut

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Biberacher restauriert seltenes Modell von 1937, das einst in den Drauz-Werken gefertigt wurde

Von unserem Redakteur Carsten Friese
Ist stolz auf seine historische Besonderheit: Jan Schmidt. In mühevoller Detailarbeit hat er einen BMW 329 Heilbronner Ursprungs von 1937 restauriert.Fotos: Andreas Veigel
Ist stolz auf seine historische Besonderheit: Jan Schmidt. In mühevoller Detailarbeit hat er einen BMW 329 Heilbronner Ursprungs von 1937 restauriert.Fotos: Andreas Veigel

Er hat ein Stück Heilbronner Autogeschichte aufgestöbert und in akribischer Kleinarbeit wieder zusammengesetzt. Ein Heilbronner BMW, gefertigt in der Stadt am Neckar statt in München?

Der Biberacher Jan Schmidt (38) fährt seinen tuckernden BMW 329 Cabrio von 1937 vor, zeigt auf das kleine Metallschild mit dem Aufdruck "Drauz Karosserie Heilbronn": Diese Historie mit Heilbronner Wurzeln findet er "spektakulär".

NSU, Audi und später Fiat sind als Automarken in der Region bekannt. Die Heilbronner Drauz-Werke haben indes schon früh Karosserien für verschiedene Autobauer angefertigt, oft wurden die angelieferten Untersätze mit Motor (Chassis) hier mit Karosserie überzogen und danach von Heilbronn aus ausgeliefert.

42 Stück gebaut Jan Schmidt ist BMW- und Oldtimer-Fan aus Leidenschaft. Sein Vater habe ihm diesen Bazillus "in die Wiege gelegt", erzählt er. Als ein Sammler ihm von dem alten BMW mit Heilbronner Außenhaut berichtete, war er elektrisiert. Er fuhr zu dem Mann nach Tschechien. "Der Wagen war Schrott", sagt Schmidt. Ab den Sitzen hinten habe alles gefehlt, das Holzskelett war vermodert. Dennoch wollte er das kaputte Gefährt unbedingt haben. "So ein Fahrzeug ist einzigartig." Er weiß von zwei weiteren 329ern dieser Art, die es in Sammlerkreisen gebe. Von diesem 329er BMW mit der seltenen Drauz-Cabrio-Karosserie aus Heilbronn "wurden 42 gebaut", ist in den Internetportalen "Classi-Car" und "World‘s Luxury Guide" zu lesen.

Im Zweiten Weltkrieg wurden die Autos von den Machthabern "konfisziert, mit Tarnlack umlackiert und sind an die Front gekommen", berichtet Jan Schmidt. Die wenigsten überstanden wohl die Kriegstage.

In mühevoller Kleinarbeit bemühte sich der Kaufmann in Sammlerkreisen um Originalteile für sein Vehikel. Einen Originalmotor fand er in der Slowakei, eine Benzinanzeige in Schweden. Fachfirmen für Motor- und Karosseriebau heuerte er für Spezialarbeiten an.

Zwischengas Als er Bilder von der Internationalen Automobilausstellung von 1937 sah, auf dem dieses Drauz-Modell innen mit schwarz-weißem Kuhfell ausgestattet war, da war für ihn klar: So will ich es auch haben. Ein Autosattler fertigte passende Fellbezüge. Jetzt, nach fünf Jahren, ist der Oldtimer restauriert. Er glänzt wie neu, fährt bis zu Tempo 95, und wenn Schmidt die Drehzahl im Blick hat und Zwischengas gibt, merkt man, welch anspruchsvolles Fahren es einst war.

Urig sind die melonengroßen, torpedoförmigen Scheinwerfer und der ausklappbare Winker an der Seite. Konisch ist die Karosserieform, die Frontscheibe hochklappbar. Auf der Oldtimermesse Retro Classics in Stuttgart hat der Biberacher sein historisches Objekt vor wenigen Wochen vorgestellt. Gerade mit dem Kuhfell sei der Wagen dort "ein Hingucker" gewesen.

Alpen-Tour Was er mit dem besonderen 329er jetzt vorhat? Der Familienvater spricht vom Spaß bei der Ausfahrt, beim Erlebnis, die Landschaft intensiv wahrzunehmen. Auf BMW-Veteranentreffen will er mit dem Oldtimer fahren, dieses Jahr findet eines in Eisenach statt, der eigentlichen Geburtsstätte von BMW vor dem Zweiten Weltkrieg. Und wenn die Kinder etwas größer sind, plant er eine Fahrt über die Alpen. "Aber oben drüber, über den Pass", sagt er und lacht.

Kuhfelle auf den Sitzen sah Schmidt auf einem alten Foto. Jetzt hat er sie auch.
Kuhfelle auf den Sitzen sah Schmidt auf einem alten Foto. Jetzt hat er sie auch.
Ein Metallschild am Auto erinnert an die Ursprünge des Oldtimers in Heilbronn.
Ein Metallschild am Auto erinnert an die Ursprünge des Oldtimers in Heilbronn.
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