Aufstieg führt über 57 Stufen
Bald können die Wanderer zwischen Silberstollen und Wellingtonienplatz wieder die Himmelsleiter nutzen

Das Brummen der Motorsäge von Förster Simon Zoller ist im Wüstenroter Wald zwischen Silberstollen und Wellingtonienplatz schon von weitem zu hören. In der Klinge zwischen Heidenbuckel und dem Gewann Hele frisst sich die Kette des Arbeitsgeräts langsam in den mächtigen Stamm einer frisch gefällten Douglasie. Die ragt von der Sohle der Klinge den steilen Hang hinauf gen Himmel. Sorgfältig schneidet Zoller die Stufen der neuen Himmelsleiter auf dem Rundwanderweg Nummer drei der Gemeinde Wüstenrot aus.
Zwischen drei und vier Minuten braucht Zoller für eine Stufe. Die Forstwirtlehrlinge Johann Pollehn und Stefan Walser vom Forstlichen Hauptstützpunkt Stollenhof assistieren ihm, entfernen die ausgesägten Holzstücke der Stufen, reichen die Wasserwaage oder hohlen Treibstoff für die Säge. Sie sind beim Befestigen des Gerüstbretts im steilen Hang für den sicheren Stand des sägenden Försters behilflich.
Morsch Seit November 2016 ist die Himmelsleiter aus Sicherheitsgründen gesperrt. Das Holz war nach elf Jahren durch Wind und Wetter morsch geworden. "Douglasie ist zwar sehr wetterbeständig, aber wenn Wasser in den Stufen stehen bleibt, fault auch das beste Holz", erläutert Zoller, warum jetzt Himmelsleiter Nummer drei kommt.
"Nach der Sperrung haben wir durch zahlreiche Anfragen bei der Gemeinde gemerkt, wie viele Leute diesen Weg nutzen", berichtet Bauhofchef Rainer Stettner. Die Gemeinde und die staatliche Forstverwaltung arbeiten Hand in Hand, um die Himmelsleiter wieder instand zu setzen. Rund 22 Meter ist der Douglasienstamm lang, den Forstunternehmer Mike Leiß mit schwerem Arbeitsgerät und mit Hilfe einer Seilwinde gemeinsam mit den Forstmitarbeitern in den Klingenbacken gelegt hat. Der Stamm hat unten einen Durchmesser von 65 Zentimeter. Die Stufen sind 18 Zentimeter hoch und haben eine Trittflächentiefe von 30 Zentimetern.
"Ich habe ausgerechnet, dass wir 57 Stufen ausschneiden müssen. Eigentlich ist es ja mehr eine Himmelstreppe als eine -leiter", sagt Zoller. "Die Arbeit am steilen Hang ist aufgrund der schwierigen Topographie sehr anstrengend", berichtet Klaus Ulrich, Leiter des Forstlichen Hauptstützpunktes. Der Baum sei keine 200 Meter entfernt gewachsen, 106 Jahre alt und 45 Meter hoch. Rund 3500 Euro mit Material und Arbeitsstunden kostet die Aktion von Forst und Bauhof. "Schon das Entfernen der alten Himmelsleiter, die Mike Leiß mit der Seilwinde herausgezogen hat, war Präzisionsarbeit", sagt Ulrich.
Name Den Begriff Himmelsleiter hat Ulrichs Vorgänger Gottfried Kraft geprägt, als Forst und Gemeinde die erste Steighilfe Anfang der 1970er Jahre anlegten. 2006 wurde der Stamm erstmals komplett erneuert. In dieser Woche werden zwei Bauhofmitarbeiter das Holzgeländer montieren.
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