Erste Doc-Morris-Apotheke öffnet

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Heilbronn - Am Montag eröffnet in Heilbronn die erste Doc-Morris-Apotheke in der Region. Gegenüber dem Wollhaus, dort, wo 34 Jahre lang die Apotheke Dr. Hammer ihren Sitz hatte. Der Austausch des roten Apothekerzeichens durch das grüne Doc-Morris-Kreuz zeigt mehr als einen Eigentümerwechsel an. Er steht für einen tiefgreifenden Wandel in der Branche. Heilbronner Mitwettbewerber sehen die neue Konkurrenz mit gemischten Gefühlen

Grün statt rot: Elena Pavlov in der ab Montag sechsten Doc-Morris-Apotheke in Baden-Württemberg. Seit 2007 hat die niederländische Versandapotheke bundesweit über 130 Partnerschaften geschlossen.Foto: Andreas Veigel
Grün statt rot: Elena Pavlov in der ab Montag sechsten Doc-Morris-Apotheke in Baden-Württemberg. Seit 2007 hat die niederländische Versandapotheke bundesweit über 130 Partnerschaften geschlossen.Foto: Andreas Veigel

Heilbronn - Am Montag eröffnet in Heilbronn die erste Doc-Morris-Apotheke in der Region. Gegenüber dem Wollhaus, dort, wo 34 Jahre lang die Apotheke Dr. Hammer ihren Sitz hatte. Der Austausch des roten Apothekerzeichens durch das grüne Doc-Morris-Kreuz zeigt mehr als einen Eigentümerwechsel an. Er steht für einen tiefgreifenden Wandel in der Branche: Der 73-jährige Hans Hammer war für zeitaufwendige Beratung bekannt, die nicht immer mit dem Verkauf einer Arznei abschloss. Doc Morris wurde durch günstige Preise zu einem europaweit bekannten Großanbieter.

Voller Service

Mit einer Vertriebsfiliale der niederländischen Versandapotheke will die neue Apothekenleiterin Elena Pavlov aber nicht verwechselt werden. „Wir stellen wie jede Apotheke individuelle Rezepturen her, ich bin frei in meinen Empfehlungen und nicht an bestimmte Preise, Medikamente und Arzneimittel gebunden“, sagt die 30-Jährige. „Und wir betreuen unsere Kunden ganz normal im Nacht- und Notdienst.“ Pavlov, selbst drei Jahre bei Hammer angestellt, hat die zehn bisherigen Mitarbeiter übernommen.

Für den neuen Besitzer der Apotheke, Dieter Harfensteller, ist die Zusammenarbeit nichts grundlegend Neues: Schon jetzt kooperiert er mit seiner Apotheke im Wollhaus und seiner Filiale in Erlenbach mit rund 700 Kollegen bei Einkauf, Marketing und Organisation in dem Verbund „Gesund ist bunt“. Viele Heilbronner Apotheker sind ähnlichen Verbünden angeschlossen. Pavlov erhofft sich von der Kooperation mit der niederländischen Versandapotheke eine Stärkung des Geschäfts. „Das ist eine sehr starke Marke, die die Leute kennen und mit der sie Positives verbinden.“

Wenige Meter weiter nimmt Apotheker Martin Lochner die neue Konkurrenz dennoch gelassen. „Da müssen wir durch“, sagt der 67-Jährige. Vor den Preisen seiner Nachbarin hat er keine Angst. „Schon seit einem Jahr orientieren wir uns preislich an den großen Playern Zur Rose, My Care, Medi Herz, Doc Morris und bilden daraus einen Durchschnittspreis, mit dem wir gut im Rennen sind.“

Gut ist die Ertragslage der Branche allerdings nicht. Der Preiskampf bei nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten frisst am Gewinn. „Bei rezeptpflichtigen erheben wir drei Prozent Zuschlag auf den Einkaufspreis und 8,10 Euro egal was das Medikament kostet, wobei davon 2,30 Euro an die Kasse gehen“, rechnet Lochner vor.

Es war mal deutlich mehr. Die Geschäftslage vieler sei darum oft katastrophal, erklärt Günther Hanke, Eigentümer der Einhorn-Apotheke in der Sülmerstraße und Präsident der Apothekerkammer Baden-Württemberg. Als er 1980 die 1604 gegründete Apotheke übernahm, lag der Rohgewinn bei 40 Prozent, sagt er. Heute seien es 25. „Davon muss alles bezahlt werden: Personal, Strom, Gas, Wasser, Investitionen.“

Trübe Aussichten

Viele Apotheker suchen ihr Heil darum in der Expansion. Seit 2004 dürfen sie neben der eigenen bis zu drei Filialen betreiben. Sollte der Europäische Gerichtshof in seinem 2009 anstehenden Urteil das Fremdbesitzverbot von Apotheken in Deutschland aufheben, stünde großen Ketten mit „1000 bis 2000 Apotheken“, so Hanke, nichts mehr im Weg.

„Wir werden ein schleichendes Apothekensterben bekommen“, sagt er. Vor allem die Nahversorgung abseits der Innenstädte und auf dem Land sei dann nicht auf dem heutigen Stand zu halten. „Dort gibt es viele Apotheken nur noch, weil sich der Besitzer selbst ausbeutet. Ketten wollen nur an attraktive Standorte.“


Hintergrund Apotheke Doc Morris

Der Niederländer Apotheker Jacques Waterval und der deutsche Informatiker Ralf Däinghaus gründen im Jahr 2000 die Versandapotheke Doc Morris in den Niederlanden. Sie ist heute der größte Anbieter Europas in diesem Markt. Im Juli 2006 eröffnet Doc Morris in Saarbrücken seine erste Niederlassung und zugleich die erste nicht inhabergeführte Apotheke in Deutschland. Seit  vergangenem Jahr kooperiert Doc Morris bundesweit mit Vor-Ort-Apotheken und hat heute über 130 Partnerschaften in deutschen Städten geschlossen. 2007 setzte die Doc Morris-Gruppe mit rund 330 Mitarbeitern über 200 Millionen Euro um. Doc Morris ist ein Tochterunternehmen der Celesio AG in Stuttgart, Europas größtem Pharmahändler. Ralf Däinghaus führt als Vorstandsvorsitzender die Geschäfte.


Blick in das Medikamentenlager der größten europäischen Versandapotheke DocMorris in Heerlen (Archivfoto: dpa). Ralf Däinghaus gründete im grenznahen Holland bei Aachen die Versandapotheke und verkauft deutsche Medikamente nach Deutschland.
Blick in das Medikamentenlager der größten europäischen Versandapotheke DocMorris in Heerlen (Archivfoto: dpa).

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