Einfach helfen
Die acht Frauen der Bahnhofsmission sind werktags außer samstags von 7 bis 19 Uhr zur Stelle

Heilbronn - Bahnhofsmission. Ist das nicht eine vorsintflutliche Anlaufstelle zur Bekehrung verirrter Seelen? Barbara Neder und Anita Ruppert lachen. „Missionieren tun wir nicht. Wir sind gelebte Kirche.“ Die Frauen von der Bahnhofsmission helfen einfach. Sie packen an, sie trösten, sie kochen Kaffee - sie tun, was notwendig ist. Am Samstag stellten sie an einem sonnigen Plätzchen vor dem Heilbronner Bahnhof ihre Arbeit vor. Sechs Stunden dauert ihr Dienst. Wenn der vorbei ist, hat Barbara Neder zahllose Koffer geschleppt, ist endlos Treppen rauf und runter gerannt und hat - meist im Laufschritt - etliche Kilometer hinter sich gebracht. Und sie ist rundrum zufrieden: „Ich habe so viel geleistet, so vielen Leuten geholfen.“ Ihren zwei haupt- und fünf ehrenamtlichen Kolleginnen geht es gerade so. Für 25 bis 30 Menschen pro Schicht ist die Bahnhofsmission in Heilbronn Retter aus allerlei misslichen Lagen. Sie ist „das Stück Himmel am Bahnhof“, wie es auf den blauen Luftballons heißt, die am bundesweiten Infotag verteilt werden.
„Ohne euch“, sagt nicht nur „das Fraule aus Weinsberg, könnte ich nicht mehr verreisen.“ Anita Ruppert zitiert, was sie so häufig zu hören bekommt. Viele ältere Menschen melden telefonisch bei der Bahnhofsmission, wann sie Hilfe zum Umsteigen brauchen. Andere verlassen sich darauf, dass auf dem Bahnsteig - immerhin in acht großen Bahnhöfen von Württemberg - ein Engel in königsblau leuchtender Jacke bereit steht, dem Ankommenden dienstfertig unter die Arme zu greifen.
Der jungen Familie etwa, die den zweisitzigen Kinderwagen nicht nur mit ihrem Nachwuchs, sondern auch noch mit einem Großeinkauf von Geschirr und Mikrowelle beladen hat. Unmöglich lässt sich die schwere Fracht die Treppe zur Unterführung hinunter bugsieren. Die Frau von der Bahnhofsmission geleitet die Familie über die Geleise. Das ist auch ein Überweg für schwer bepackte Radfahrer. Doch allein darf man ihn nicht benutzen.
Ein junger Mann bekommt im Büro der Bahnhofsmission das große Heulen, weil seine Freundin ihn verlassen hat. Er findet Trost. Schulkinder, die einen weiten Weg in Heilbronner Privatschulen pendeln, machen Hausaufgaben, bis ihr Zug endlich kommt. Ein aus dem Krankenhaus geflohener Mann, lässt sich überzeugen, dass er doch besser wieder zurückgeht...
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