Eine Physikerin fordert den Rektor heraus
Heilbronn - Sie ist promovierte Physikerin und Philosophin und hat am renommierten Karlsruher Institut für Technologie (KIT) eine herausragende Position. Brigitte Baretzky (56) ist dort stellvertretende Geschäftsführende Direktorin des Instituts für Nanotechnologie.

Heilbronn - Sie ist promovierte Physikerin und Philosophin und hat am renommierten Karlsruher Institut für Technologie (KIT) eine herausragende Position. Brigitte Baretzky (56) ist dort stellvertretende Geschäftsführende Direktorin des Instituts für Nanotechnologie. Die Heilbronnerin will Rektorin der Hochschule Heilbronn (HHN) werden und tritt bei der Wahl gegen Amtsinhaber Jürgen Schröder an.
Ein bisschen Zufall
Die Anzeigen in der "Zeit" durchzublättern, gehört zu ihren wöchentlichen Ritualen: Sie muss doch wissen, wie sich die anderen Institute und Universitäten entwickeln. Da blieb im Frühjahr ihr Blick an der Ausschreibung der Rektorstelle hängen. Sie war nicht auf Stellensuche − "mir macht das Spaß, was ich zurzeit mache". Dass Professor Jürgen Schröder wieder antritt, schreckte sie nicht. Baretzky gab ihre Bewerbung ab.
Sozialkompetenz, Überzeugungskraft, Integrations-, Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit, Sprachkenntnisse − sie macht eine kleine wegwerfende Handbewegung und lacht guter Dinge: Was die Anzeige fordert, stellt sie als Managerin und Forscherin an ihrem Institut mit 320 Mitarbeitern vom Studenten bis zum Nobelpreisträger täglich unter Beweis.
Doch die HHN sucht für ihren Chefposten jemanden mit "ausgewiesener wissenschaftlicher Reputation". "Das passt auf mich", sagt Baretzky und legt neben ihrer Führungsposition am KIT unter anderem sechs Forscherinnenjahre am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Stuttgart und mehr als 100 Veröffentlichungen in ihre Waagschale. Die Forschung an der HHN neu aufzustellen, reizt sie.
Sie kennt Heilbronn. Seit 1994 lebt Familie Baretzky in Neckargartach, die beiden Söhne studieren inzwischen. Der Mann an der Seite der erfolgreichen Wissenschaftlerin und Familienfrau ist Ulrich Baretzky, Leiter der Rennmotorenentwicklung von Audi-Sport in Neckarsulm. Ehrenamtlich engagiert sie sich in der katholischen Kirchengemeinde und war Elternvertreterin am Robert-Mayer-Gymnasium. Sie war schon mal an der HHN mit dem Thema: Vereinbarkeit von Familie und Beruf. "Kinder und Karriere sind kein Widerspruch", lebt sie Schülerinnen und Studentinnen vor.
Günstige Lage
An der HHN gefällt ihr die Aufbruchstimmung − und "die Lage, sie liegt sehr günstig." Karlsruhe, Stuttgart, Heidelberg, alles ist nah. Da lasse sich mehr daraus machen, "die HHN hebt nicht wirklich ihre Potenziale". Baretzky versteht sich als Wissenschaftlerin, doch ist sie in der Industrie − Audi, Bosch, Porsche, nennt sie unter anderem − gut vernetzt. Sie habe keine Berührungsängste, was den Hochschulausbau mit Millionen der Stiftungen von Dieter Schwarz und Reinhold Würth angeht.
Doch will sie die Eigenständigkeit der Hochschule verteidigen, "damit sie nicht die verlängerte Werkbank eines Wirtschaftsunternehmens wird". Klar bekennt sich Brigitte Baretzky zur Hochschuldemokratie und verspricht Offenheit und Transparenz: "Hochschulen ticken nicht wie ein Unternehmen."
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