„Eine ganz normale Arbeit“
Beschützende Werkstätte in Kirchhausen präsentiert sich als Unternehmen

Heilbronn - Sven Visser packt den nächsten Karton ein für den Groß-Kunden Unilever. Der 25-Jährige gibt nebenbei gerne Auskunft über seinen Berufsalltag in Lager und Logistik der Beschützenden Werkstätte in Kirchhausen: „Dies ist eine ganz normale Arbeit.“ Mit dem Unterschied, dass „normale“ Firmen eben keine Rücksicht darauf nähmen, dass er nicht die ganzen acht Stunden voll Stoff arbeiten kann.
Altersgenossen, die zweifeln, ob er richtig was zu tun hat, hält Sven Visser selbstbewusst entgegen: „Ihr müsst halt mal ins G’schäft kommen“. Dann könnten sie sehen, dass er auch den Dreiseitenstapler fahren darf.
Am Freitag präsentierte der junge Heilbronner mit der Lernschwäche zusammen mit seinen etwa 70 Kolleginnen und Kollegen beim Tag der offenen Tür in der Carl-Zeiss-Straße, dass sein Unternehmen eines ist, das mit den Aufträgen von etwa 130 Kunden Geld verdient.
Marktregeln Sein Chef, Standortleiter Henning Kollenda, wird nicht müde, darauf hinzuweisen, dass die Beschützende Werkstätte sich den üblichen Marktregeln unterwirft: Bei Standards und Qualität misst man sich mit Nicht-Behinderten - Zertifikate beweisen es. Jetzt, da der Mietvertrag vorliegt für die nächsten zehn Jahre, will die Werkstätte weiter wachsen: 120 Mitarbeiter sind das Ziel.
Auf noch mehr „nette Leute“ darf sich dann Martina Fuchs freuen. Die 38-jährige Obersulmerin arbeitet seit 18 Jahren „in der BW“. Mit der Stadtbahn „und dem Einundsechziger“ kommt die Behinderte jeden Morgen nach Kirchhausen. Sie ist dafür verantwortlich, dass das Büromaterial, das sie zu Gebinden verarbeitet, „keine Eselsohren und Löcher“ hat.
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