„Die Tragik ist unglaublich“

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Mordopfer Michéle Kiesewetter in ihrem Heimatort in Thüringen beigesetzt

Von Helmut Buchholz
Das letzte Geleit: Kollegen der Bereitschaftspolizei Böblingen tragen den Sarg der erschossenen Polizistin auf dem Oberweißbacher Friedhof zum Grab.Foto: Michael Reichel
Das letzte Geleit: Kollegen der Bereitschaftspolizei Böblingen tragen den Sarg der erschossenen Polizistin auf dem Oberweißbacher Friedhof zum Grab.Foto: Michael Reichel

Oberweißbach - Warum? Immer wieder dieselbe Frage. Warum musste die Polizistin Michéle Kiesewetter sterben? Auch bei der Beerdigung der 22-Jährigen in ihrem Thüringer Heimatort Oberweißbach gab es keine Antwort. Bei der bewegenden Trauerfeier in der Hoffnungskirche bezeichnete Baden-Württembergs Polizeipräsident Erwin Hetger den Mord in seiner Traueransprache als „feigen Anschlag“, dessen „Tragik unglaublich ist“.

Denn die junge Bereitschaftspolizistin „hatte an dem Tag, an dem sie ihr Leben verlor, eigentlich Urlaub; sie hat sich aber freiwillig zum Dienst gemeldet“, sagte Hetger vor insgesamt 1300 Trauergästen, davon 900 Polizisten, 750 aus Baden-Württemberg. Der Polizeipräsident bezeichnete die „skrupellose Tat“ als eine „neue Qualität von Gewalt, die wir uns so nicht vorstellen konnten“. Michéle Kiesewetter und ihr 24-jähriger Kollege, der schwer verletzt immer noch mit dem Tod ringt, „hatten keine Chance sich zu wehren“.

Ohnmacht und Wut Pastorin Beate Kopf berichtete in ihrer Predigt von der „Ohnmacht und Wut“, die nun über die Angehörigen und den ganzen 1650-Einwohner-Ort hereingebrochen sind. Eine Woche vor dem Mord sei die Tochter am Wochenende heim gekommen, um den Geburtstag der Mutter zu feiern. Jetzt, exakt eine Woche nach dem Mord, zu ihrer Todesstunde, stehe die Trauergemeinde an ihrem Sarg.

Die Mutter von Michéle Kiesewetter wurde schon vor Beginn der Trauerfeier von Weinkrämpfen geschüttelt. Eine junge Polizistin erlitt in dem Gotteshaus ein Schwächeanfall. Die Kollegen des Mordopfers bei der Böblinger Bereitschaftspolizei hielten am Sarg die Totenwache und geleiteten Michéle Kiesewetter auf ihrem letzten Weg auf den Friedhof. Zum Lied „Wunder geschehen“ der Sängerin Nena glitt der Sarg in die Erde. „Das geht einem an die Nieren“, sagte Roland Eisele. Der Heilbronner Polizeichef war unter anderem mit Revierleiter Andreas Mayer nach Thüringen gefahren, um Michéle Kiesewetter die letzte Ehre zu erweisen. Polizeipräsident Hetger hatte ihm aus der Seele gesprochen, als dieser in seiner Trauerrede ankündigte, die Polizei werde „alles daran setzen“, die schreckliche Tat aufzuklären. Eisele nach der Bestattung: „Ich bin zuversichtlich. Wir kriegen sie.“

Heilbronns Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach überreichte seinem Oberweißbacher Amtskollegen Jens Ungelenk die Kondolenzbücher, in die sich viele Menschen im Rathaus und bei der Trauerfeier in der Kilianskirche eingetragen hatten. Der OB berichtete dem Thüringer Verwaltungs-Chef, wie groß die Anteilnahme der Bürger im Unterland ist. Ungelenk wird die Bücher überreichen. Familie Kiesewetter hatte darum gebeten, bei der Beerdigung von Beileidsbekundungen abzusehen.

Dokumente der Anteilnahme: Helmut Himmelsbach (l.) übergibt Kondolenzbücher aus Heilbronn an den Oberweißbacher Amtskollegen Jens Ungelenk.Foto: Buchholz
Dokumente der Anteilnahme: Helmut Himmelsbach (l.) übergibt Kondolenzbücher aus Heilbronn an den Oberweißbacher Amtskollegen Jens Ungelenk.Foto: Buchholz
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