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NSU-Motorrad-Legende lebt auf der Buga auf

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Die Enkelin des erfolgreichen Rennfahrers Tom Bullus besucht die Buga und sitzt auf der Siegermaschine ihres Großvaters aus dem NSU-Museum Probe. Es wird eine laute Knatterrunde mit einer Maschine von 1930 mit interessanten Fakten zu dem einstigen Dauersieger.

Von Carsten Friese
Der früher sehr erfolgreiche NSU-Rennfahrer Tom Bullus beim Solitude-Rennen in Stuttgart, das er Anfang der 1930er Jahre gewann.
Fotos: privat/Dennis Mugler
Der früher sehr erfolgreiche NSU-Rennfahrer Tom Bullus beim Solitude-Rennen in Stuttgart, das er Anfang der 1930er Jahre gewann. Fotos: privat/Dennis Mugler  Foto: privat, Familienbesitz, übersandt von Susanne Schartel

Ein kräftiger Hauch erfolgreicher Motorradgeschichte weht am Montagabend über das Buga-Gelände, als Sven Heimberger vom Deutschen Zweirad- und NSU-Museum Neckarsulm einen ganz besonderen Oldtimer startet. Mit lautem Motorknattern setzt der Museumsmitarbeiter die NSU 500 SS "Bullus" in Bewegung, eine legendäre Maschine, mit der der englische Rennfahrer Tom Bullus für die Neckarsulmer Fahrzeugschmiede Anfang der 1930er Jahre serienweise Rennen gewann. Heimberger fährt zackig über eine abgesperrte Strecke, der Motor sendet ein paar phonstarke Knallgeräusche aus.

Viel zu groß für eine so kleine Rennmaschine?

Spaß mit der historischen NSU SS 500: Die Enkelin von Tom Bullus, Samantha Bullus, probiert sie aus. Buga-Chef Hanspeter Faas (mit Helm) möchte Probe fahren.
Spaß mit der historischen NSU SS 500: Die Enkelin von Tom Bullus, Samantha Bullus, probiert sie aus. Buga-Chef Hanspeter Faas (mit Helm) möchte Probe fahren.  Foto: Mugler, Dennis

Bullus" Enkelin Samantha (47) ist mit ihrer Familie zu dem Anlass auf die Buga gekommen - und sitzt ein paar Minuten später auch auf dem historischen Gefährt, mit dem ihr Großvater so erfolgreich war. "Das ist fantastisch und aufregend", sagt die Engländerin, die als Video-Editorin für Fernsehsender arbeitet. Und für sie ist es umso bewundernswerter, wie ihr Opa mit einer Körpergröße von 1,90 Meter auf so einer kleinen Maschine derart viele Rennen gewann. Samantha Bullus fährt auch gern Motorrad - aber keine Rennen.

Mit Tom Bullus schaffte NSU einen besonderen Siegeszug, er gewann Anfang der 1930er Jahre fast nach Belieben. Er triumphierte mit einer neu entwickelten obenliegenden Nockenwelle, zum Beispiel beim Solitude-Rennen in Stuttgart, beim Eifel-Rennen, dem Preis der Stadt Hannover, dem Großen Preis von Ungarn, beim Schauinsland-Bergrennen, dem Rennen auf dem Schleizer Dreieck oder dem Avus-Rennen in Berlin. 1932 siegte er zudem beim Eröffnungsrennen auf dem damals neuen Hockenheimer Dreieck.

Samantha Bullus hat ihren Großvater als besonders humorvollen und ungemein positiv denkenden Menschen in Erinnerung. Früher hätten Freundinnen sie um ihren "coolen Opa" beneidet.

Für die große Liebe die Karriere beendet

Tom Bullus heiratete 1933 Hilde Gehr, die Tochter des früheren NSU-Direktors.
Tom Bullus heiratete 1933 Hilde Gehr, die Tochter des früheren NSU-Direktors.  Foto: privat, Familienbesitz, übersandt von Susanne Schartel

In Neckarsulm entdeckte Bullus auch die große Liebe. Er heiratete Hilde Gehr, die Tochter des damaligen NSU-Direktors Fritz Gehr. Bedingung des Vaters für sein Ja-Wort zur Trauung war: Bullus musste versprechen, mit dem Rennsport aufzuhören. Er beendete seine Karriere, zog mit seiner Ehefrau nach England, eröffnete dort mit seinem Schwager ein Motorradgeschäft. Immer wenn die beiden nach Deutschland zu Besuch kamen, seien es ganz besondere Momente gewesen, berichtet Samantha Bullus" Cousine Susanne Schartel. Rennen sei Tom Bullus tatsächlich nicht mehr gefahren. Aber den Pilotenschein habe er dann in England gemacht und sei privat geflogen. Mit 90 Jahren ist Bullus im Jahr 1998 gestorben.

Mit dem britischen Konstrukteur Walter Moore und Rennfahrer Tom Bullus sei NSU damals ein besonderer Coup gelungen, blickt Zweiradmuseumsleiterin Natalie Walz auf die Zeit zurück. Und die Maschine, die heute einen Marktwert von rund 30.000 Euro hat, habe NSU damals zum Weltmarktführer gemacht.

Buga-Chef lässt sich Ehrenrunde auf zwei Rädern nicht nehmen

Als Buga-Chef Hanspeter Faas zum Familientreffen um PS und alte Maschinen dazustößt, ist er gleich Feuer und Flamme. Er leiht sich einen Helm, dreht eine Runde auf dem 30 PS starken Zweirad. Am Ende, nach zwei schnellen Geraden, würgt er die Maschine beim langsamen Drehen ab. "Mein Fehler, ich habe zu wenig Gas gegeben", sagt er offen. Er darf die rund 150 Kilo schwere Maschine zur Gruppe zurückschieben. "Es ist ein irres Teil", sagt Motorrad-Fan Faas. Aber nicht zu vergleichen mit Motorrädern von heute. Wenn man die Bremse normal ziehe, "passiert erst einmal überhaupt nichts".

 
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