Weg vom Leben auf und vom Müll

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Celina Wieczorek ist Peaceworkerin - Ex-Playmate kümmert sich um Arme in Rumänien

Von Katja Feiler
Celina Wieczorek zwischen Infomaterial und in der Region gesammelten Kleidern und Babyflaschen. Die bringt sie demnächst direkt nach Rumänien. (Foto: Rabea Sattar)
Celina Wieczorek zwischen Infomaterial und in der Region gesammelten Kleidern und Babyflaschen. Die bringt sie demnächst direkt nach Rumänien. (Foto: Rabea Sattar)

Ist es eine Wendung um 180 Grad? Celina Wieczorek würde sicherlich sagen: Nein. Familie, Helfen, füreinander und andere da sein, lag ihr schon immer am Herzen. Nur ein paar Jahre lang war es komplett umgedreht: Da interessierten sich so viele Menschen für die heute 32-Jährige. Zuerst als Model, dann als 25-jähriges Playmate zum 25. Geburtstag des "Playboy". Schließlich wählten die Leser die junge Frau auch noch zum Playmate des Jahres 2000.

"In meiner Modelzeit habe ich das ausgelebt, was mir in die Wiege gelegt wurde: meine Schönheit." Alle Aufmerksamkeit war auf die gebürtige Polin gerichtet. "Ich wollte das nie ewig machen. Ziemlich schnell wusste ich, das ist nicht meine Welt."

Jetzt richtet sie ihre Aufmerksamkeit auf Kinder, die Hilfe brauchen. Die Heilbronnerin ist bei der Organisation Peaceworkers aktiv. Alle vier bis sechs Wochen fährt sie nach Rumänien in die Müllhaldenansiedlung Dallas. "Hier suchen die Leute Kleidung, Nahrung, Reststoffe, aus denen sie sich ihre Hütte zusammenschustern." Das hat Celina Wieczorek geschockt. Geprägt. Seit dem vergangenen Jahr ist das "ihr" Projekt, wie sie es nennt. Für die 120 Bewohner der Hütten sammelt sie in der Region Babyflaschen, Windeln, Kleidung, alles, was die Menschen hier erübrigen können. Zusammen mit anderen Helfern der Peaceworkers fährt sie das Ganze in die Stadt Cluj Napoca. Dort will sie einen Kindergarten aufbauen. "Es ist so schön zu sehen, wie gut die Aufmerksamkeit den Kindern tut. Ich brauche nur Bruder Jakob mit denen singen, und sie kleben an einem."

Die Wahl-Heilbronnerin sitzt im Schneidersitz in ihrer indisch angehaucht eingerichteten Wohnung, trinkt Tee und sagt Dinge, die nicht jedem in ihrem Alter so bewusst, so klar und so wichtig wären. "Ich möchte den Samen der Liebe in die Herzen pflanzen." "Das ist sichtbar gemachte Liebe." Auch wenn die dunkelhaarige Frau mit dem blauen Shirt mit dem "Peaceworker"-Schriftzug, weiß, dass ihre Arbeit nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist: "Mir sind die Einzelschicksale wichtig. Es bringt mir nichts, darüber nachzudenken, ob ich vielen oder einem helfe. Hauptsache, ich tue es." An einem Beispiel rechnet sie vor, wie wenig jeder tun muss, um zu helfen: "Wenn jeder Heilbronner 20 Cent geben würde, könnten wir den Menschen von Dallas ein Dörfchen samt Kindergarten aufbauen."

Auch ihr Arbeitgeber spielt mit. Die Angestellte im Heilbronner Kaffeehaus Hagen kann spontan und vor allem oft wochenweise nach Rumänien fahren. Auch in der Region zeigt sie Engagement: Kümmert sich um eine Exil-Tibeterin, geht auf Demonstrationen für Tibet. Die neue Aufgabe hat Celina Wieczorek verändert. Das merkt sie selbst. "Ich bin schon immer ein zufriedener Mensch gewesen, aber diese Arbeit gibt mir Kraft. Ich bin noch ruhiger jetzt." Und: "Ich rege mich nicht mehr über Kleinigkeiten auf."

Info Wer von Celina Wieczorek mehr darüber erfahren will oder Spenden hat, ruft die 0160 / 94552538 an. Weitere Informationen: www.childrensmile.de.

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