Vom Wunsch, Ererbtes zu versilbern

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Erster Expertentag bei Juwelier am Deutschhof in Heilbronn löst wahren Ansturm aus

Von Maria Theresia Heitlinger
Riesiger Andrang herrschte beim ersten Expertentag mit Hans Luithle im Schmuckgeschäft Juwelier am Deutschhof. (Foto: Marc Schmerbeck)
Riesiger Andrang herrschte beim ersten Expertentag mit Hans Luithle im Schmuckgeschäft Juwelier am Deutschhof. (Foto: Marc Schmerbeck)

Es ist wie immer, wenn es etwas umsonst gibt: Die Menschen strömen. Und doch ist es ein Faszinosum, was sich da abspielt am gestrigen Nachmittag im ersten Stock des Juweliers am Deutschhof. Hans Luithle, einst führender Heilbronner Schmuckgeschäftinhaber, hat zwar vor knapp zwei Jahren aufgrund einer aufsehenerregenden Insolvenz sein Geschäft in der Heilbronner Innenstadt aufgeben müssen. Sein Schmuck wurde bei Auktionen in der Harmonie versteigert. Seither steht der 70-Jährige in dem von seiner Familie gegründeten Geschäft mit Namen Juwelier am Deutschhof.

Indes hat die wechselvolle unternehmerische Entwicklung mit dem unrühmlichen Ende der Reputation des Uhrmachermeisters offensichtlich nur bedingt Abbruch getan. Beim ersten Expertentag, den Luithle gestern gemeinsam mit dem Stuttgarter Auktionshaus Eppli veranstaltet, wird Luithle förmlich überrannt. Offiziell ist um 14 Uhr Beginn, bereits zehn Minuten später werden die Räume wegen Überfüllung geschlossen. Bestimmt 20, 30 Leute habe ich schon weggeschickt , sagt Yonghui Luithle, während oben noch mindestens vier Dutzend überwiegend ältere Menschen darauf warten, dass ihr Habe geschätzt wird.

Verpackt haben sie ihr Gut in Kleider- und Rucksäcken, tragen ihren Schmuck in Schatullen, Einkaufskörben und Plastiktüten herein. Sie wollen nicht nur wissen, was alte Puppen, Pelze, Manschettenknöpfe oder Teeservice wert sind. Sie sind beseelt vom Wunsch, Ererbtes zu versilbern.

Der Bedarf ist riesig , sagt Hans Luithle, der aufgrund des enormen Andrangs dazu übergeht, keine detaillierte Einzelberatung zu machen, sondern die Ware nur noch kurz inspiziert, Uninteressantes wie minderwertige Uhren oder Silberkettchen sofort zurückgibt, den restlichen Schmuck fotokopiert und anschließend Adressen der Besitzer notiert. Der Nächste bitte.

In einem zweiten Raum sitzen Franz Eppli vom gleichnamigen Stuttgarter Auktionshaus und sein Sachverständiger, der Kunsthistoriker Alexander Hägele und taxieren die Antiquitäten, beraten, besprechen Verkaufschancen, hören sich Familiengeschichten wie diese: Dies Buch hat mein im Krieg gefallener Vater von seinem Onkel geschenkt bekommen.

Sie schließen Verträge ab. Nochmals eine Expertentag wird Hans Luithle vor Weihnachten nicht mehr schaffen. Aufgrund des Andrangs strebt er aber einen weiteren zu Beginn des neuen Jahres an. Luithle: Wir leben in einer Erbengeneration. Die Leute bringen zu uns, was schon jahrelang ungenutzt und unberührt in ihren Haushalten schlummert.

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